„Der Wolf passt nicht zu offener Weidehaltung“ Landwirte und Jagd-Verpächter fordern Debatte über Jagd

Münster -

Der Wolf kommt – die Angst ist schon da: „Seine Beute – darunter auch Schafe und Rinder – ist den Attacken des anpassungs- und lernfreudigen Räubers trotz gut gemeinter Schutzvorrichtungen faktisch ausgeliefert“, formulierte Bauernpräsident Johannes Röring. Ein neues Gutachten geht der Frage nach, wie dem Wolf zu begegnen ist.

Von Gunnar A. Pier
Der Wolf kommt zurück: Bisher blieb es in Westfalen bei einzelnen Besuchen.
Der Wolf kommt zurück: Bisher blieb es in Westfalen bei einzelnen Besuchen. Foto: Wilfried Gerharz

Im Märchen ist der Wolf immer böse, alle haben Angst vor ihm – aber am Ende ist er doch eine auf unerklärliche Art geliebte Figur. Schließlich kann man dem Wolf notfalls den Wanst aufschneiden und das mit Haut und Haar verschlungene Rotkäppchen wieder rausholen.

Die heutigen Landwirte und die Verpächter von Jagdgebieten sehen die Sache ernster: Der Wolf in Westfalen ist zwar ausgestorben – aber er kommt offenbar zurück. „Wir wollen vorbereitet sein“, erklärte Bauernpräsident Johannes Röring . Deshalb gibt es nun ein Wolfs-Gutachten, das am Dienstag vorgestellt wurde – verbunden mit einem flammenden Appell für die Bejagung der Tiere.

"Keiner wollte den Wolf“

„Die lokale Ausrottung war damals ein gesellschaftlicher Konsens. Keiner wollte den Wolf“, erinnerte Gutachter Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel . Der Diplom-Biologe und Professor für Zoologie an der FU Berlin war dem Wolf im Auftrag von Landwirtschaftsverband (WLV) und dem Verbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden (VJE) in Westfalen-Lippe auf der Spur. In Eurasien habe es ihn immer gegeben – und in jüngster Zeit breitet er sich weiter Richtung Westen aus. Auch in Westfalen wurden bereits Tiere gesichtet.

Finanzielle Schäden

Während sich die einen über die Bereicherung der Tierwelt freuen, fürchten Landwirte und die Verpächter von Jagdgebieten vor allem finanzielle Einbußen, weil Wölfe beispielsweise Nutztiere reißen. „Wie wollen wir damit umgehen, dass uns unsere bisherige Weidetierhaltung so nicht mehr möglich sein wird?“, fragt der VJE-Vorsitzende Clemens Freiherr von Oer. Tiere auf der Weide seien kaum zu schützen – weder durch Zäune, noch durch Hunde.

Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel (Diplom-Biologe, Professor für Zoologie an der FU Berlin), Johannes Röring (Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands), Clemens Freiherr von Oer (Vorsitzender des Verbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe) stellten das Gutachten vor. Foto: Gunnar A. Pier

Auch wenn noch nicht abzusehen sei, wann der Wolf in Westfalen tatsächlich zum Problem wird, prognostiziert Pfannenstiel: „Die Konflikte werden sich verschärfen, das ist unausweichlich.“ Er weiß, wovon er spricht: Der Verfasser des Gutachtens lebt in Brandenburg – „da ist das Kind schon im Brunnen.“ In Westfalen hingegen sei es noch früh genug, um dem Problem zu begegnen.

Gefahr für Menschen

Letztlich sehen Pfannenstiel und seine Auftraggeber von WLV und VJE auch eine ernste Gefahr für Menschen – sei es, weil aus Angst ausgebrochene Weidetiere auf die Straße laufen oder ein Wolf gar einen Menschen anfällt. „Der Wolf muss im dichtbesiedelten Mitteleuropa nicht wie eine heilige Kuh behandelt werden“, fordert Pfannenstiel. „Wenn man ihnen nichts tut, streifen sie nachts durch die Dörfer.“ Dann sei es eine Frage der Zeit, bis es Opfer gebe.

Ein Timberwolf im Allwetterzoo. Foto: Gunnar A. Pier

Der Naturschutzbund widerspricht

Kritik an den Forderungen aus Münster gab es vom Naturschutzbund (Nabu). Wolf-Expertin Katharina Stenglein hebt im Interview die biologische Bedeutung der Wölfe hervor .

Forderung nach offener Debatte

Das Gutachten fordert deshalb „eine offene Debatte über verantwortliche Wege in der Bestandsregulierung von Wölfen durch die Jagd.“ Pfannenstiel: „Wir wollen die Wolfspopulation in einen Zustand bringen, der im Einklang mit der Kulturlandschaft ist.“ Dass das auch bedeuten kann, dass die Ansiedlung der Wölfe komplett verhindert wird, räumt er ein.

„Wir tun damit der Art nicht weh"

Die Art sei dadurch nicht bedroht, da es reichlich Wölfe in Nordamerika und Nordosteuropa gebe: „Wir tun damit der Art nicht weh, sondern nur dem einzelnen Tier“, erklärte Pfannenstiel. „Warum ist Artenschutz notwendig in einer Region, in der die Art nicht richtig heimisch ist?“ Und Röring ergänzte: „Der Wolf passt nicht zu offener Weidehaltung. Und mir hat noch niemand gesagt, warum wir den Wolf hier brauchen.“

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