Ausbau der Bahntrasse Münster - Lünen Sieg auf halber Strecke

Münster -

Jahrelang wurde um den Ausbau der Bahnstrecke Münster - Lünen gerungen. Immer schwebte der lange Zeit nicht eindeutig geklärte volkswirtschaftliche Nutzen wie ein Damoklesschwert über dem zweiten Gleis.

Von Elmar Ries
Ausbau der Bahntrasse Münster - Lünen : Sieg auf halber Strecke
Die Bahnstrecke von Münster nach Lünen. Foto: Jürgen Peperhowe

Weit mehr als 400 Millionen Euro sollte dessen Verlegung auf den kompletten 45 Kilometern kosten. Da hatten der Bund, vor allem aber die Bahn mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit lange Zeit kalte Füße. Darum kam das Go aus Berlin pro Ausbau am Samstag für alle Beteiligten überraschend.

Wobei: Das, was der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium bei der Eröffnung des neuen Bahnhofs in Münster zur eingleisigen und damit verspätungsanfälligen Strecke Richtung Ruhrgebiet zusagte, ist im Kern genau das, was im Bundesverkehrs­wegeplan 2030 bereits fixiert ist. Allerdings künftig versehen mit der höchs ten Priorität des „vordringlichen Bedarfs“. Bislang dümpelte das Projekt in der Kategorie „prognostizierter Bedarf“ vor sich hin – was eine Um­setzung irgendwann vor dem Sankt-Nimmerleinstag bedeutet hätte.

Als Enak Ferlemann also von Ausbau sprach, meinte er im Klartext einen Teil­ausbau. Allein der wird aber schon erhebliche Auswirkungen auf den Bahnverkehr im Münsterland haben. Nicht zuletzt die, dass der Rhein-Ruhr-Express (RRX), der ab 2018 das Rheinland mit dem Ruhrgebiet verbindet, nun wieder über diese Trasse an Münster heran­geführt werden kann.

Das noch eingleisige Bahnstück ist das Nadelöhr auf der überregional wichtigen Strecke von Hamburg nach Dortmund. Dort rollt der Fernverkehr, dort rollen Güter – und nach Angaben des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr Münsterland (ZVM) täglich auch rund 4500 Fahrgäste im Nahverkehr. Die Folge: In Stoßzeiten drubbelt es sich mächtig. Die Konsequenzen daraus: viele Verspätungen – und jede Menge Pendlerfrust.

Durch zwei zweigleisige Begegnungsstücke – vor Monaten war von den Abschnitten zwischen Münster-Amelsbüren und Davensberg sowie zwischen Werne und Lünen die Rede – soll sich die Situation deutlich entzerren, wodurch sich wiederum die Verspätungen minimieren. Dass Staats­sekretär Ferlemann schon jetzt grünes Licht gab, „hat mich überrascht“, erklärte gestern der Warendorf CDU-Bundestagsabgeordnete und Vize-Vorsitzende im Bundesverkehrsausschuss, Reinhold Sendker.

Die Ergebnisse ei­ner neuen Wirtschaftlich keitsberechnung sollen nämlich erst Ende des Jahres vorliegen. „Da müssen ja schon die ersten, frühen Zahlen eindeutig gewesen sein.“ Ihn habe „die Deutlichkeit der Aussage überrascht“, erklärte Uli Beele, Sprecher des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe. ZVM-Chef Michael Geuckler sagte, er sei „total begeistert“. Die Bahn in NRW begrüßte, „dass es zum Ausbau kommt“.

Foto: -lisa-

Dessen Beginn ist nun offenbar gar nicht mehr so fern. Bis 2030 soll mit dem Bau aller im Bundesverkehrswegeplan prioritär gelisteten Projekte begonnen worden sein. Das Geld liegt bereit, wobei derzeit noch niemand beziffern kann oder will, wie teuer die ab­gespeckte Münster-Lünen-Variante wird.

Wieder umplanen kann die Deutsche Bahn nun möglicherweise die RRX-Anbindung Münsters. An das neue Schnellzug-Netz, dessen Vorläufer ab 2018 zwischen Köln und Dortmund verkehren, soll später auch Münster über einen Seitenast angebunden werden. Ursprünglich als solcher dienen sollte die Münster-Lünen-Strecke.

Voraussetzung dafür war jedoch zumindest der Teilausbau. Als Reaktion auf die schlechte Positionierung des Projekts im Bundesverkehrswegeplan switchte die Bahn um und favorisierte stattdessen die RE-7-Route über Dülmen, Recklinghausen, Gelsenkirchen und Essen als abgespeckte RRX-Variante. Jetzt kann sie die alten Pläne wieder hervorholen.

Rhein-Ruhr-Express

Der RRX ist eine neue Schienenverbindung in NRW. Sieben RRX-Linien werden die Metropolen des Landes verbinden. Die Kernstrecke verläuft zwischen Köln und Dortmund. Dort soll in einigen Jahren ein 15-Minuten-Takt die Regel sein. So sollen bis zu 60.000 Fahrgäste pro Tag befördert werden können. Die ersten RRX-Züge werden ab 2018 rollen, dann noch auf den normalen RE-Linien.

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