Asylsuchende aus dem Assad-Clan im Kreis Warendorf Verwaltung wurde nicht über familiären Hintergrund informiert - und ist empört

Warendorf -

Bei den Behörden im Kreis Warendorf sorgt derzeit der Fall eines besonderen Flüchtlings für Unmut. Seit Anfang des Jahres hält sich dort Fatima Massoud al-Assad auf, ein Mitglied des Assad-Clans in Syrien. Die Frau, Witwe ei­nes Cousins des Despoten Baschar al-Assads, hat vergangenes Jahr in Deutschland Asyl beantragt. Das haben Recherchen unserer Zeitung ergeben, die Landrat Dr. Olaf Gericke am Freitag auf Nachfrage bestätigt hat.

Von Elmar Ries
Während ihrer Odyssee landete Fatima Massoud al-Assad zuerst in der Flüchtlingsunterkunft in Bad Berleburg. Derzeit lebt sie im Kreis Warendorf. Foto: dpa
Während ihrer Odyssee landete Fatima Massoud al-Assad zuerst in der Flüchtlingsunterkunft in Bad Berleburg. Derzeit lebt sie im Kreis Warendorf. Foto: dpa

Die Frau ist in ihrer Heimat offenkundig Opfer familieninterner Auseinandersetzungen geworden – im September 2015 wurde sie von einem anderen Mitglied des Clans mit vier Kugeln niedergestreckt. Schwer verletzt überlebte sie den Angriff.

Ihr Mann war Chef einer Assad-treuen Milizengruppe und wurde 2014 von Rebellen getötet, ihren Sohn wiederum ließ der Staatspräsident festnehmen, nachdem dieser einen Offizier getötet hatte. Unklar ist, ob dadurch auch die Mutter in Ungnade fiel.

Tod und Zerstörung bestimmen das Bild in Syrien, in weiten Teilen des Landes hat Diktator Baschar al-Assad noch die Kontrolle. Foto: dpa

Landrat ist empört

Dass sie als Asylsuchende in den Kreis Warendorf gekommen ist, kritisiert vor Ort niemand. „Dass sie uns aber zugewiesen wurde, ohne dass uns die Bezirksregierung in Arnsberg oder das Düsseldorfer In­nenministe­ri­um auf den besonderen Hintergrund der Frau hingewiesen haben, kann ich nicht akzeptieren“, sagt Gericke . Dass sie zur syrischen Herrscher-Familie gehört, war sowohl in Arnsberg als auch in Düsseldorf bekannt.

Massoud al-Assad kam im Sommer 2016 nach Deutschland, wurde in ei­ner Erstaufnahmeeinrichtung in Bad Berleburg untergebracht und stellte im September 2016 ihren Asylantrag. Anfang 2017 wurde sie einer Stadt im Kreis Warendorf zugewiesen. Welche das ist, spielt hier keine Rolle.

Dr. Olaf Gericke, Landrat: "Dass sie uns zugewiesen wurde, ohne dass wir auf den besonderen Hintergrund hingewiesen wurden, kann ich nicht akzeptieren." Foto: Kopmann

"Wenn hier Schlimmeres vorgefallen wäre, wäre der Teufel losgewesen"

Das Problem an dieser Geschichte ist: Die Frau gehörte in ihrer Heimat einst zu den oberen Zehntausend – viele Landsleute kennen sie. Als Mitglieder des Assad-Clans ist sie vielen Syrern offenkundig aber auch verhasst – unabhängig von der Tatsache, dass sie selbst Opfer der Familie geworden ist. In Bad Berleburg ist sie jedenfalls von Flüchtlingen erkannt und übel angegangen worden. Ähnliches ist im Kreis Warendorf passiert.

„Wenn hier Schlimmeres vorgefallen wäre, wäre der Teufel losgewesen“, sagt Gericke. Den Schwarzen Peter hätten in jedem Fall die Behörden vor Ort gehabt.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat den Asylantrag der Frau inzwischen abgelehnt, gegen den Entscheid hat Massoud al-Assad allerdings geklagt. Gleichzeitig hat sie offenbar aus persönlichen Gründen einen Umverteilungsantrag nach Niedersachsen gestellt – wie es darum steht, weiß im Kreis Warendorf derzeit niemand.

Foto: Jens Rademacher

Der Fall Massoud al-Assad

„Wir haben aber sofort die zuständige Ausländerbehörde in Hannover über die besondere Biografie der Frau in Kenntnis gesetzt“, sagt der Leiter des Kreisordnungsamtes, Ralf Hollstiege. Schließlich wolle sich die Kreisverwaltung nicht dem Vorwurf aussetzen, selbst jenes Verhalten an den Tag zu legen, das sie bei der Bezirks- und Landesregierung scharf kritisiert.

Unabhängig davon wie die Klage gegen den Asylbescheid ausgeht: Nach Syrien abgeschoben werden darf die Frau nicht. Da sie aber zusätzlich die libanesische Staatsangehörigkeit besitzt, „könnte sie dorthin grundsätzlich abgeschoben werden“, sagt Hollstiege.

Das zuständige Sozialamt, die Polizei und das Kreisordnungsamt haben vereinbart, im Fall Massoud al-Assad engen Kontakt zu haben. „Wir stehen in ständigem Austausch“, sagt der Ordnungsamtschef. Sicher ist sicher.

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