Betrugsvorwurf und gefeuerte Leitung Land hält am Landgestüt fest

Wie geht es ei­gentlich weiter beim NRW-Landgestüt in Warendorf? Einfache Frage, keine leichte Antwort. Folgendes steht derzeit fest: Allen Vorwürfen ge­gen das Ex-Führungstrio zum Trotz hält das Land NRW als Ei­gen­­tümer an der Warendorfer Einrichtung fest.

Von Elmar Ries
Das rheinisch-deutsche Kaltblut steht auf der Roten Liste. Das NRW-Landgestüt besitzt 26 Hengste und trägt somit zum Erhalt der bedrohten Rasse bei.
Das rheinisch-deutsche Kaltblut steht auf der Roten Liste. Das NRW-Landgestüt besitzt 26 Hengste und trägt somit zum Erhalt der bedrohten Rasse bei. Foto: Wilfried Gerharz

Inzwischen liegt der Abschlussbericht des LKA bei der Staatsanwaltschaft ; die Ermittlungen gehen damit in die entscheidende Runde. Und drittens bemüht sich das Gestüt darum, Vertrauen zu­rückzu­ge­win­nen und erfolgreich zu wirtschaften – beides hängt zusammen, beides klappt offenbar.

Gestiegene Bedeckungszahlen

„Im vergangenen Jahr sind die Bedeckungszahlen deutlich gestiegen, und sie steigen weiter“, sagt der kommissarische Leiter Hans Leser. 1400 in 2015, ein Jahr später 1800. „2017 werden wir die 2000 erreichen.“ Den Zuwachs begründet der aus dem NRW-­Umweltministeri­um entsandte Leser mit „ei­ner günstigen Marktlage“ und „der Stimmung in der Branche.“

Letztere hat mit Vertrauen zu tun und ist ent­schei­dend: Offenkundig setzen wieder mehr Züchter auf das Gestüt, jetzt, da die vormalige Leiterin, der frühere Verwaltungschef und der ehe­ma­­lige Erste Hauptberittmeister gefeuert sind.

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„Warendorf ist die Pferdehauptstadt Nordrhein-Westfalens.“

Pia Kemper, Gestüts-Sprecherin

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In der Branche steckt der Wurm. Ermittlungen beim Pferdestammbuch in Münster wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung und Untreue. Ein paar Kilometer weiter, in Warendorf, mutmaßliche Betrügereien beim Landgestüt. Der schwerste Vorwurf dort: Zwischen 2013 und 2014 sollen die drei leitenden Angestellten gegen den Willen der Landesregierung privat teure Pferde in den Wüstenstaat Katar vermittelt und sich dafür statt­liche Provisionen gegönnt haben.

Im Februar 2016 wurden sie vom Umweltministerium suspendiert, in diesem März folgte die fristlose Kündigung – nachd em Ministeriale Einblicke in die Ermitt lungsakte genommen hatten.

Geschichtsträchtige Einrichtung

Knapp 190 Jahre alt ist das Landgestüt in Warendorf, im Ranking der zehn deutschen Landgestüte rangiert es weit vorne. Damals wie heute liegt seine Aufgabe darin, Züchtern genetisch hochwertige Hengste zur Verfügung zu stellen und so für einen erstklassigen Pferdebestand in NRW zu sorgen. Das ist der Landesregierung jährlich 4,9 Millionen Eu­ro wert, von denen „derzeit 1,9 Millionen Euro durch Einnahmen gedeckt sind“, sagt der Sprecher des Umweltministeriums, Frank Seidlitz.

Trotz des Skandals hält das Land am Landgestüt fest. Weil es „ein Aushänge schild für Westfalen und NRW insgesamt“ ist, sagt Seidlitz. 150 000 Besucher pro Jahr sprächen eine eindeutige Sprache. Es komme doch nicht von ungefähr, ergänzt Gestüt-Sprecherin Pia Kemper, dass sich die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), der Dachverband der Reiter, und das Bundesleistungszentrum (BLZ) inklusive Deutschem Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) dort angesiedelt hätten, wo sich das NRW-Landgestüt befände.

„Warendorf ist die Pferdehauptstadt Nordrhein-Westfalens.“ Und die stehe für Qualität. So trainieren die Spitzen-Reiter beim DOKR, während das Landgestüt für den passenden Un­tersatz sorgt. Ein Drittel der Pferde, mit denen Deutschland an den vergangenen Olympischen Spielen teilnahm, stammt aus dem Landgestüt, sagt Leser.

Pferd als Wirtschaftsfaktor

Das Pferde hat im Laufe der Jahrhunderte zwar an Bedeutung verloren, ist aber noch immer ein durchaus nennenswerter Wirtschaftsfaktor. Mit dem Geschäft rund ums Hengst und Stute wird in Deutschland ein Umsatz von bis zu sechs Milliarden Euro erzielt. Davon entfällt eine Milliarde auf NRW.

Hier leistet das Warendorfer Landgestüt ei­nen wichtigen Beitrag, will aber, so sagt der Chef, in punkto Wirtschaftlichkeit besser werden. Indem es unter anderem den Verkauf intensiviert. „Erstmals haben wir einen Hengst für 148 000 Euro veräußert“, sagt Leser. Und schiebt nach kurzer Pause mit gequältem Lächeln hinterher: „Das Geld wurde wirklich bezahlt.“

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