Auf der Jagd nach dem Stiftskreuz Festgenommener Bremer soll Diebstahl des Kunstschatzes aus Borghorst in Auftrag gegeben haben

Borghorst/Bremen -

Bei der Fahndung nach dem vor drei Jahren in Steinfurt-Borghorst entwendeten „Borghorster Stiftskreuz“ ist der Polizei am Mittwoch in Bremen womöglich der Durchbruch gelungen. 

Von Elmar Ries, Axel Roll
Auf der Jagd nach dem Stiftskreuz : Festgenommener Bremer soll Diebstahl des Kunstschatzes aus Borghorst in Auftrag gegeben haben
Die Polizei hat am Mittwoch einen 42-Jährigen in dessen Wohnung festgenommen. Foto: Christian Butt

Beamte aus NRW nahmen in der Hansestadt einen 42 Jahre alten Mann fest, der verdächtigt wird, den Diebstahl des sa­kralen Kunstwerkes aus dem 11. Jahrhundert in Auftrag gegeben zu haben. Das hat der münsterische Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Die Wohnung des Mannes wurde durchsucht. Spuren, die auf den Verbleib des kunsthistorisch einzigartigen Kreuzes hinweisen, sind offenbar nicht gefunden worden. „Wir wissen nicht, wo sich das Stiftskreuz befindet“, sagte Botzenhardt auf Nachfrage.

Was der entscheidende Anlass für die Ermittler war, jetzt zuzuschlagen und den Mann mit einem vom Amtsgericht in Münster ausgestellten Haftbefehl festzunehmen, ist noch unklar. „Wir hatten neue Erkenntnisse“, erklärte der Oberstaatsanwalt dazu vage.

Augenzeugen und Überwachungskameras

Augenzeugen berichteten nach Angaben des „Weserkurier“ von „einer spektakulären Aktion von Polizei und Zoll, an der etliche Fahrzeuge und viele Beamte mit Sturmhauben“ beteiligt waren.

Das Foto einer Überwachungskamera aus einer Tankstelle in Altenberge hatte den Ermittlern damals entscheidend geholfen, die Diebe festzunehmen. Auf den Bildern waren zwei der drei später verurteilten Täter zu sehen. Sie waren damals mit ihrem schwarzen Mercedes mit Bremer Kennzeichen unterwegs zur Borghorster Niko­me­des­kirche, wo sie die alarmgesicherte Glasvitrine aufbrachen und das Kreuz mitnahmen.

Mit dem Bild aus der Tankstelle ging die Polizei an die Öffentlichkeit. Und tatsächlich: Die Ex-Frau des Bruders eines der Angeklagten gab den entscheidenden Tipp – und beschwor damit eine Fehde zwischen beiden Familien herauf, der im Foyer des Landgerichts mit einer handfesten Schlägerei ausgetragen wurde.

Festgenommene aus dem Miri-Clan

Die festgenommenen Halit T., Mounir M. und Mohammed S. waren für die Polizei keine Unbekannten. Sie sollen dem sogenannten Miri-Clan angehören, einer libanesisch-arabischen Großfamilie aus Bremen, der mafia-ähnliche Strukturen nachgesagt werden.

Die Tippgeberin, die im Prozess als Kronzeugin auftrat, hatte damals den Onkel von einem der drei Diebe als Auftraggeber beschuldigt. Er habe die Tat initiiert und dem Trio 45 000 Euro als Belohnung gezahlt. Die Zeugin sagte damals, sie sei davon überzeugt, dass das Kreuz versteckt und nicht etwa eingeschmolzen sei.

Wert des Stiftskreuzes: mehrere Millionen Euro

Ist der jetzt Festgenommene der im Prozess als Drahtzieher beschuldigte Onkel? Einiges deutet darauf hin. Wie unsere Zeitung erfuhr, stammt der 42-Jährige aus dem Libanon und soll ebenfalls dem Miri-Clan angehören.

Das Stiftskreuz war im Oktober 2013 entwendet worden. Es ist eine der bedeutendsten Goldschmiedear­beiten aus dem 11. Jahrhundert und mehrere Millionen Euro wert.

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