Cold-Water-Challenge-Verfahren Richter sorgt für Überraschung

Isselburg/Bocholt -

Mit diesem Ausgang des Cold-Water-Challenge-Prozesses hatte nach dem Auftakt vor ei­ner Woche wohl niemand gerechnet: Der Besitzer (51) des Teleskopladers ist gestern vom Amtsgericht Bocholt zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Am ersten Verhandlungstag hatte der Richter am ersten Prozesstag Ende September angedeutet, dass das Verfahren gegen den Besitzer und den Fahrer (37) des Teleskopladers eingestellt werden könnte (WN berichteten ). Beide waren angeklagt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung.

Von Claudia Feld
Jux-Aktion endete als tödlicher Unfall: Der mit Wasser beladene Teleskoplader kippte im Juli 2014 um und erschlug einen 34-Jährigen.
Jux-Aktion endete als tödlicher Unfall: Der mit Wasser beladene Teleskoplader kippte im Juli 2014 um und erschlug einen 34-Jährigen. Foto: Guido Schulmann

Im Juli 2014 endete eine Spaßveranstaltung tödlich. Bei der Cold Water Challenge ging es darum, dass sich Vereine möglichst kreativ nass machen und ein Video davon ins Internet stellen. Das endete tödlich, als ein Teleskoplader auf die Mitglieder eines Kegelklubs stürzte und einen 34-jährigen Familienvater erschlug . Während des ersten Prozesstages hatte ein Sachverständiger festgestellt, dass die Schaufel völlig überladen und zu schwer war.

Tatsächlich stellte das Gericht am zweiten Prozesstag nur das Verfahren gegen den Fahrer ein. Er muss 3500 Eu­ro als Auflage zahlen. Der Staatsanwalt stimmte der Einstellung nur unter der Be­dingung zu, dass das Verfahren gegen den Besitzer weiterläuft.

Der Staatsanwalt sah die Anklage bestätigt. Beide, sowohl der Fahrer als auch der Besitzer, hätten sich der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht. Es gebe jedoch einen unterschiedlichen Grad der Schuld, weshalb nicht beide Verfahren eingestellt werden könnten.

In seinem Urteilsspruch bestätigte der Richter, dass der Besitzer gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen habe. Er muss eine Geldstrafe in Höhe von 4800 Euro (80 Tagessätze à 60 Euro) zahlen. So habe er Prüfungen nach den Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften nicht machen lassen. Das hatte der 51-Jährige zugegeben und zwei Zeugen hatten das bestätigt. Außerdem hatte der Besitzer eingeräumt, den Fahrer nicht auf den Defekt der Überlastanzeige hingewiesen zu haben. Zu seinen Gunsten spreche, dass er keine Kenntnis davon gehabt habe, dass die Warnanzeige nicht vollständig funktionierte, und nicht nachgewiesen sei, dass der Besitzer wusste, dass der Stecker der Anzeige gezogen war, so der Richter. Er habe darüber nachgedacht, was er als Teil eines Klubs in der Situation gemacht hätte, ob er sich dazugesetzt hätte, sagte er. „Ich für meinen Teil kann das nicht verneinen.“

Der Staatsanwalt hatte dem Fahrer zuvor in seinem Plädoyer vorgeworfen, ihm seien „alle erforderlichen Pa­rameter bekannt“ gewesen, „um die Gefahr zu erkennen, dass der Lader umkippt“. Zu seinen Gunsten spreche, dass er nur zufällig und ungewollt der Fahrer war. „Er war in dieser Position austauschbar. Ob dann der Unfall verhindert worden wäre, ist fraglich.“ Außerdem habe der 37-Jährige glaubhaft angegeben, dass er davon ausgegangen sei, dass die Überlastanzeige funktionierte.

Bei der Verurteilung des Besitzers gehe es nicht darum, einen „alleinigen Sündenbock“ zu finden, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Der 51-jährige Besitzer habe jedoch gewusst, dass die Überlastanzeige defekt war, deshalb habe das Fahrzeug nicht verliehen werden dürfen.

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