Kann der historische Giebel sichtbar bleiben? Die Zukunft des Zollhauses

Münster-Wolbeck -

Knapp gegenüber vom Drostenhof steht das alte Zollhaus von Wolbeck. Seitdem das Nachbargebäude abgerissen wurde, steht es erstmals frei. Der Eigentümer würde es auch gerne dabei belassen – die Denkmalbehörde ist jedoch dagegen.

Von Markus Lütkemeyer
Die Stadtarchäologie hat das freigeräumte Areal am Drostenhof untersucht. Durch den Abriss steht das Nachbargebäude erstmals frei und sein Fachwerk wird sichtbar (kl. Bild). Der Eigentümer würde es gerne dabei belassen.
Die Stadtarchäologie hat das freigeräumte Areal am Drostenhof untersucht. Durch den Abriss steht das Nachbargebäude erstmals frei und sein Fachwerk wird sichtbar (kl. Bild). Der Eigentümer würde es gerne dabei belassen. Foto: mlü

Unscheinbar ist das weiße Haus nur auf den ersten Blick. In Wahrheit ist das Gebäude wohl eines der älteren im Ort. Unter dem weißen Putz verbirgt sich nämlich altes Fachwerk, Experten erkennen das an den so genannten Knaggen – hervorragende Holzkonsolen, bunt bemalt, auf ihnen ruht das Dach. „Vermutlich wurde es sogar im 16. oder 17. Jahrhundert gebaut“, schätzt Mechthild Mennebröcker von der städtischen Denkmalbehörde.

Seitdem das Nachbargebäude abgerissen wurde, steht das so genannte „Alte Zollhaus“ in unmittelbarer Nähe zum Wolbecker Drostenhof erstmals frei. Der Eigentümer würde es auch gerne dabei belassen – und mit seinen geplanten Neubau auf dem Nachbargrundstück freiwillig nach hinten rücken. Die Denkmalbehörde ist jedoch dagegen.

Der Eigentümer Thorsten Hülsmann versteht die Welt nicht mehr. Müsste nicht die „Erlebbarmachung“ eines der ältesten Gebäude in Wolbeck im Vordergrund stehen? Erstmals nach langer Zeit ist der Fachwerkgiebel an der Südseite sichtbar – warum ihn wieder zubauen? Und was ist gegen mehr Platz im engen Ortskern einzuwenden? „Gerne würde ich das historisch bedeutsame Gebäude wieder als solches sichtbar machen, die freie Sicht auf den Drostenhof würde dadurch noch erhöht“, argumentiert der Versicherungskaufmann.

Die Stadt Münster legt jedoch Wert darauf, die historisch gewachsene Baulinie zu erhalten. „Würde das Nachbarhaus nach hinten rücken, würde ausgerechnet der Eingang zum historischen Wigbold einen ganz neuen Charakter bekommen“, betont Denkmalpflegerin Mechthild Mennebröcker die Bedeutung der städtebaulichen Struktur. „Der Grundriss Wolbecks ist bis heute erhalten geblieben“, gerade an dieser Stelle überwiege daher der Schutz der Baulinie über der Sichtbarmachung eines Denkmals. Durch die Enge am Drostenhof entstehe auch eine „Torsituation“, die ja nach den Plänen für die Ortskernneugestaltung auch noch unterstrichen werden soll: Geplant sind an den Eingängen zum Wigbold je zwei Stelen, die Stadttore symbolisieren sollen.

Hülsmann und sein Architekt halten dagegen, dass die historische Enge an dieser Stelle vergleichsweise jung sei (aus dem 19. Jahrhundert) und die Baugrenzen des Bebauungsplanes sogar einen zurückspringenden Neubau vorsehen würden. „Dass die Bedeutung des alten Zollhauses seitens der Stadt Münster nicht in den Vordergrund gestellt wird, ist für mich nicht nachvollziehbar“, so Hülsmann. „Wir werden nochmalig das Gespräch suchen, müssen aber letztendlich wohl die Vorgaben des Amtes für Denkmalpflege akzeptieren.“

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