Probleme und Chancen im Vereinssport
Quo vadis TV Wolbeck?

Münster-Wolbeck -

Die Kinder haben seit „G8“ weniger Zeit für Tanz und Tischtennis – dafür boomt der Rehasport. Trends kommen und gehen, und die Konkurrenz mit ihren Fitnessstudios schläft nicht. Wie kommt der TV Wolbeck mit diesen Veränderungen klar?

Donnerstag, 28.12.2017, 15:12 Uhr

„Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich geändert“. Die Geschäftsführerin Merisa Emstermann und der Vorsitzende Stefan Langer über die Zukunft des TV Wolbeck.
„Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich geändert“. Die Geschäftsführerin Merisa Emstermann und der Vorsitzende Stefan Langer über die Zukunft des TV Wolbeck. Foto: isa

Wo liegen Probleme und Chancen, und: „Quo vadis (wohin gehst du) Vereinssport?“ Darüber sprach unsere Redakteurin Iris Sauer-Waltermann mit dem TV-Vorsitzendem Stefan Langer und Geschäftsführerin Merisa Emstermann .

Frau Emstermann, Was ist der allerneueste Trendsport, den der TV Wolbeck im Programm hat?

Merisa Emstermann: Das ist „Jumping-Fitness“, ein Gelenk schonendes Training auf Mini-Trampolins.

Wie kam dieses Angebot zustande?

Stefan Langer: Wir hatten einige Geräte für das Sommerfest ausgeliehen. Und sofort kam die Frage auf: „Wann startet der erste Kurs?“ Und wenn es irgendwie möglich ist, gehen wir auf solche Anregungen ein. Inzwischen besitzen wir selbst 20 Geräte.

Ist das nicht ein enormer finanzieller Aufwand?

Langer: Die Trampoline kosten rund 400 Euro pro Stück. Aber die Kurse waren aus dem Stand ausgebucht, die Gebühren fließen also. Wir brauchen solche attraktiven Angebote, denn wir können nicht nur von Luft und Liebe leben. Die Trend-Sportarten können schwächere Sparten zum Teil mit finanzieren.

Bleibt bei den vielen Trendsportarten im Verein nicht der Leistungssport auf der Strecke?

Langer: Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich geändert. Die jungen Leute sind zwischen sozialen Netzwerke und der Vielzahl anderer Angebote hin und her gerissen. Die Zahl derjenigen schrumpft, die ausdauernd für den Wettkampf trainieren wollen. Trotz allem gibt es aber auch noch den Wettkampfsport mit durchaus respektablen Ergebnissen, wie den Aufstieg der Basketballer in die Oberliga und zwei U13-Westfalenmeister im Judo.

Emstermann: In der Tat liegt unser Kerngebiet heute bei den Angeboten im Bereich Fitness, Reha- und Gesundheitssport.

Da wären wir beim Thema „Fitnesstudio“. Ein solches gibt es heute quasi an jeder Ecke. Spüren Sie deren enorme Konkurrenz?

Emstermann : Für uns bedeutet die Vorliebe vieler Menschen für das Fitnessstudio eher eine Chance. Der TV Wolbeck hat im Jahr 2012 selbst auf diese Karte gesetzt. Heute hat unsere Fitnesssparte stattliche 750 Mitglieder.

Die „Muckibude“ scheint aber eher etwas für Einzelgänger zu sein. . .

Emstermann: Wer in unser Fitnessstudio geht, ist kein Einzelkämpfer. Während der gesamten Öffnungszeit sind qualifizierte Trainer und Betreuer vor Ort.

Langer: Außerdem geht es bei uns gesellig zu. Sowohl im Fitness-, als auch im Rehabereich oder in anderen Sparten sieht man die Menschen miteinander plaudern, oft entstehen Kontakte und Freundschaften. Ganz wichtig sind da zum Beispiel auch die Weihnachtsfeiern.

Also hat ein Sportverein nach wie vor auch einen sozialen Auftrag?

Langer: Unbedingt. Bei uns herrscht wirklich eine herzliche Atmosphäre. Auch viele Flüchtlinge haben bei uns trainiert, als das Wohnheim am Brandhoveweg noch belegt war. Und Kinder aus Migrationsfamilien sind bei uns völlig selbstverständlich integriert.

A propos Kinder: Bereiten Nachmittagsunterricht und G8 (die Verkürzung der Gymnasialen Oberstufe auf acht Jahre) den Sportvereinen nach wie vor Bauchschmerzen?

Langer: Durch den Nachmittagsunterricht wurden unsere Belegpläne durch­einander gewirbelt. Jugendliche hatten plötzlich fast nur noch abends Zeit, wenn auch die Berufstätigen kamen. Aber wir haben uns nicht in die Schmollecke verzogen. Wir sind einfach in die Schulen und Kitas hin­ein gegangen. Das hat sich bewährt.

Emstermann: Und wir sind ständig in Bewegung. Kürzlich haben wir zum Beispiel einige neue Angebote auf den Sonntag und nun auch den Samstag gelegt, was sehr gut angenommen wird.

„Wohin entwickelt sich der TV Wolbeck?“ oder mit Blick auf das Weihnachtsfest: Welche Wünsche haben Sie?

Emstermann: Ich finde, es läuft alles sehr gut und kann nur sagen „Weiter so!“

Langer: Münster wächst, Wolbeck auch, ich denke etwa an die Baugebiete Wolbeck-Nord und Petersheide. Auch die Lebenserwartung steigt immer weiter. Das beutet für uns: Wir machen uns schon Gedanken, wo der TV Wolbeck in den nächsten fünf, zehn Jahren steht, und Stillstand ist nicht unser Geschäft. Wir überlegen schon zu erweitern, um den Wünschen unserer Mitglieder zu entsprechen und für die Zukunft gewappnet zu sein.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5383433?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F144%2F
Akonos Führungstor reicht nicht - Halle gewinnt verdient gegen Preußen Münster
Fußball: 3. Liga: Akonos Führungstor reicht nicht - Halle gewinnt verdient gegen Preußen Münster
Nachrichten-Ticker