Wolbecker Studierende berechnen Umstellungskosten Alles Bio – oder was?

Münster-Wolbeck -

Der Biomarkt wächst ständig – aber wer riskiert die Umstellung? Zwei landwirtschaftliche Betriebe aus Velen und Recklinghausen wollen es versuchen. Beratung gab es jetzt aus Wolbeck, von Studierenden der Fachschule für Agrarwirtschaft.

Von Markus Lütkemeyer
Milchviehhaltung, Schweinemast, Ackerbau: Angehende Landwirte haben sich in der Projektarbeit mit den Chancen der ökologischen Landwirtschaft auseinandergesetzt.
Milchviehhaltung, Schweinemast, Ackerbau: Angehende Landwirte haben sich in der Projektarbeit mit den Chancen der ökologischen Landwirtschaft auseinandergesetzt. Foto: Colourbox.com

Was kostet die Umstellung von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft ganz konkret für diesen oder jenen Betrieb? Die Fachschüler haben sich damit beschäftigt. Die Ergebnisse der Projektarbeit wurden jetzt in der Aule der Schule diskutiert. „Früher haben wir einfach nur Bio-Landwirte besucht“, berichtet Schulleiter Dr. Ulrich Reul . Die Projektarbeit sei da wesentlich intensiver – und lehrreicher.

Die Analyse der Studenten geht ins Detail: Für einen Schweinemastbetrieb in Recklinghausen haben die Studierenden im ersten Fachschuljahr sogar Grundrisse für einen neuen Wartestall und Abferkelstall entworfen. „Wenn die Ferkel aus der selben Tränke trinken, wird das Immunsystem der Ferkel durch den Speichel der Sau gestärkt“, referierte ein Student. Unterm Strich müsste der Betrieb rund 2,5 Millionen Euro in die Hand nehmen, rund 9638 Euro pro Schwein, um seinen Betrieb wie geplant umzustellen.

In der Milchviehhaltung steht und fällt alles mit der Produktionsmenge. Die Studenten haben zwei Szenarien durchgerechnet. Für einen Landwirt aus Velen lohnt sich die Umstellung auf Bio, wenn er am Ende 9000 Kilo Milch verkauft. Bei 8000 Kilo wird es wieder unrentabel. Der Ertrag hängt auch stark von der Fütterung ab, und die kostet bei Bio mehr als in der konventionellen Landwirtschaft. Außerdem müssen die Ställe umgebaut werden. Zum Beispiel darf die Auslauffläche der Kälber nur zu 75 Prozent überdacht sein. Der Betrieb muss nachrüsten.

Wie in der konventionellen Landwirtschaft, gibt es auch in der biologischen Landwirtschaft nicht die einzig richtige Lösung für eine Fruchtfolge. Es gibt verschiedene Aspekte, die der Landwirt abwägen sollte. Die entsprechende Projektgruppe hat eine Empfehlung für die Landwirte herausgearbeitet.

„Öko-Landwirtschaft ist ein wichtiges Thema für unsere Schüler. Angehende Landwirte müssen wissen, was es für Möglichkeiten gibt und ob das etwas für sie selber ist“, betont Schulleiter Dr. Ulrich Reul.

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