Frauenhaus weiterhin auf neuer Standortsuche in Wolbeck
„Wir quillen über“

Münster-Wolbeck -

Informativer Vortrag von Ursula Saatz vom Frauenhaus in Wolbeck bei der kfd St. Nikolaus.

Freitag, 15.12.2017, 20:12 Uhr

Zu Gast beim kfd-Team St. Nikolaus war Ursula Saatz (l.) vom Frauenhaus in Wolbeck, bei der sich Maria Reisender vom kfd-Team für ihren informativen Vortrag über Frauenhäuser bedankt.
Zu Gast beim kfd-Team St. Nikolaus war Ursula Saatz (l.) vom Frauenhaus in Wolbeck, bei der sich Maria Reisender vom kfd-Team für ihren informativen Vortrag über Frauenhäuser bedankt. Foto: hk

„Es gibt immer noch Stolpersteine und Hürden, wenn es um Gewalt- und Kinderschutz geht“, sagte Ursula Saatz vom Verein Frauenhaus und Beratung während des adventlichen Nachmittags der kfd-Frauen im Pfarrheim St. Nikolaus. „Stellen Sie sich vor, wenn Sie auf offener Straße angegriffen werden, haben Sie Ihr Zuhause, zu dem Sie flüchten können. Wenn aber das Zuhause kein Zufluchtsort ist, gerät der ursprünglich gemeinsame Lebensplan durcheinander.“

Meist sind es die Frauen, die leiden, während sich die Männer aus der familiären Verantwortung ziehen. „Es ist ein Dauerkonflikt.“ Ist der Leidensdruck zu groß, kommen sie auf das Frauenhaus zu und erfahren im Mitein­ander, dass es kein persönliches Schicksal ist. Laut einer Studie erfährt jede vierte Familie Gewalt in NRW. Die meisten Morde werden während der Trennungsphase begangen. Sind die Männer noch ansprechbar, sind sie offen für ein Rechtsempfinden? „Gefährlich ist es, wenn sie von der Idee besessen sind, ihre Frauen beherrschen zu wollen“, sagt Ursula Saatz

In Telgte gibt es seit 1981, in Wolbeck seit 1991 ein Frauenhaus. Sie nehmen grundsätzlich Frauen aus anderen Städten auf, damit sie einen gewissen Schutz haben und sich frei bewegen können. Voraus geht jeweils eine Gefährdungsanalyse.

„Im letzten Monat mussten wir 48 Anfragen ablehnen“, sagte Saatz. Die Verweildauer ist ganz unterschiedlich, von einer Nacht, die als Warnschuss gedacht ist, bis zu sechs Monaten oder länger. Nach einem Aufenthalt gehen 70 Prozent der Frauen ihren eigenen Weg, 30 Prozent gehen in die Partnerschaft zurück.

„Wir haben eine Wegweiserfunktion“, sagte Saatz. „Wir vermitteln Arbeit, Wohnung und seelische Begleitung“. Schön sei das Weihnachtsessen, zu dem auch Ehemalige kommen und sich rege austauschen.

Schwierig sei die Finanzierung der Frauenhäuser. Während das Personal bezahlt wird, sind die Frauen, wenn sie Glück haben, auf das Sozialamt angewiesen. Andere können sich selbst finanzieren oder mieten vorübergehend eine Ferienwohnung. Spenden sind willkommen. „Wir haben in den letzten 25 Jahren keine Mieterhöhung erhalten“, freute sich Ursula Saatz. Dennoch ist das Haus in Wolbeck viel zu klein. „Wir quillen über.“ Mit sechs Zimmern pro Familie und einem Büro von 14 Quadratmetern für fünf Bürokräfte ist schlechtes Arbeiten.

Der Antrag für ein größeres, bezahlbares Grundstück in Wolbeck läuft. „Vielleicht finden wir eins, die politische Entscheidung fällt 2018.“

► www.frauenhaus-und-beratung.de

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