Prävention vor sexueller Gewalt „Wir wollen einen Prozess anstoßen“

Münster-Südost -

Pastoralreferent Thomas Hußmann und Jugendreferent Berthold Sander erarbeiten für die Kirchengemeinde St. Nikolaus Münster ein Institutionelles Schutzkonzept (ISK).

Von Martina Schönwälder
Für die Erstellung eines Schutzkonzeptes für die Kirchengemeinde St. Nikolaus Münster sind Pastoralreferent Thomas Hußmann (l.) und Jugendreferent Berthold Sanders verantwortlich
Für die Erstellung eines Schutzkonzeptes für die Kirchengemeinde St. Nikolaus Münster sind Pastoralreferent Thomas Hußmann (l.) und Jugendreferent Berthold Sanders verantwortlich Foto: na

Pastoralreferent Thomas Hußmann und Jugendreferent Berthold Sanders von der Kirchengemeinde St. Nikolaus Münster haben sich in den vergangenen Wochen besonders intensiv mit der „Ordnung zur Prävention von sexuellem Missbrauch“ beschäftigt, die Bischof Dr. Felix Genn 2014 eingeführt hatte ist.

Der Grund: Sie sind von ihrer Kirchengemeinde beauftragt, die Verantwortung für die Präventionsarbeit zu übernehmen und ein Institutionelles Schutzkonzept (ISK) in der Form eines Leitfadens zu erstellen. Der Ursprung dieses Engagements liegt jedoch beim Bistum. „Der Bischof hat den Auftrag an die Pfarreien erteilt“, erklärt Hußmann. Und diesem sind insgesamt sechs Pfarreien aus dem Stadtdekanat Münster gefolgt.

Liegen die mit viel Aufsehen aufgedeckten Missbrauchsvorfälle unter dem Dach der Kirche auch bereits einige Jahre zurück, könnte der Bezug momentan kaum aktueller sein, meint Hußmann mit Blick auf die von sexualisierter Gewalt bestimmten Vorfälle in der amerikanischen Filmbranche. „Auch hier handelt es sich um das Ausnutzen einer Machtposition gegenüber Schutzbefohlenen“, zieht Hußmann eine Parallele.

Mit der Erstellung eines Papieres, in dem die Schritte auf dem Weg zu einem ISK für die eigenen Kirchengemeinde aufgelistet sind, „habe wir quasi den ersten Aufschlag gemacht“, erklärt Sanders. Was nun folgen wird, ist die Bildung einer Steuerungsgruppe. „Wir möchten möglichst viele aus dem Bereich der Jugendarbeit mit einbinden,“ betont Sanders. Ein erstes Treffen ist für den 12. Dezember geplant. „Wir wollen damit einen Prozess in unserer Gemeinde anstoßen, für ein Klima der Aufmerksamkeit sorgen“, nennt Hußmann einen der wesentlichen Gründe ihrer Arbeit.

Die Erstellung einer Situationsanalyse in der Pfarrei St. Nikolaus Münster unter Einbindung aller ehrenamtlich in der kirchlichen Jugendarbeit Tätigen steht als weiterer wichtiger Schritt auf dem Verlaufsplan. Konkrete Überlegungen, wie das umgesetzt werden könnte, gibt es bereits. „Wir könnten dazu breit angelegte Fragebögen entwickeln, oder direkte Gespräche führen“, erklärt Hußmann.

Ein Verhaltenskodex soll erarbeitet werden. „Der wird sich zum Beispiel mit der Sprache auseinandersetzen, die besonders in Ferienlagern oft sehr ruppig ist“, sagt Sanders. Aber auch besonders in dem problematischen Bereich eines grenzverletzenden Verhaltens, soll der Kodex Hilfestellung geben, soll, wie Hußmann sagt, zu einer verstärkten Sensibilisierung gegenüber Kindern auffordern, die ganz offensichtlich jeden Körperkontakt ablehnten.

Ein erster Entwurf des Schutzkonzeptes soll im zweiten Halbjahr 2018 vorliegen. Seine Verabschiedung ist für Ende 2018/Anfang 2019 vorgesehen.

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5339476?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F144%2F