Roxeler Kneipenvorlesung
„So einen Vortrag hatten wir noch nie“

Münster-Roxel -

Ums Wesen der Kunst ging es bei der jüngsten Kneipenvorlesung der Roxeler Heimat- und Kulturkreises: Im Hörsaal der Gaststätte Kortmann war als Referent Prof. Dr. Erwin-Josef Speckmann zu Gast.

Freitag, 20.04.2018, 20:04 Uhr

Der Neurophysiologe Erwin-Josef Speckmann ist sich sicher: „Kunst entsteht im Kopf“. Foto: sn

„Kunst ist im Kopf und nirgendwo anders“, meinte Prof. Dr. Erwin-Josef Speckmann, seines Zeichens Neurophysiologe und zugleich Bildhauer und Maler, bei der jüngsten Ausgabe der „Kneipenvorlesung“, die wie stets der Roxeler Heimat- und Kulturkreis veranstaltete. Eine fast revolutionäre These war das, die in Wahrheit schon gar keine mehr ist. Das sei in der Wissenschaft selten, sagte Speckmann, aber alle seien in ihren Forschungen zum selben Ergebnis gekommen.

„So einen Vortrag hatten wir noch nie“, meinte Paul Ottmann vom Heimat- und Kulturkreis. Eine ganz andere, für viele auch eine ungewohnte Perspektive brachte der Wissenschaftler den Roxelern näher. Kunst entstehe im Gehirn, so der Neurophysiologe: „Und nur dort.“  Es greife dabei nicht auf Erlerntes zurück, sondern die Epigenetik bilde die Voraussetzungen für das Kunstempfinden.

Das Erleben eines Kunstwerks sei dabei immer gleich. Man sei „wie vom Blitz getroffen“ und wolle das Erlebnis möglichst wiederholen. Durch die Kunst könne sich der Mensch aus den „Bestimmungen des organisierten Lebens“, also dem Alltag, befreien. In ihrer weitergehenden Bedeutung könne Kunst nicht nur optisch wahrgenommen werden. Auch die anderen Sinne könnten zum Einsatz kommen. So gebe es ganze Ausstellungen, die etwa mit Düften arbeiteten.

Kunst werde produziert und rezipiert, sie könne zweidimensional wie bei der Malerei sein oder mehrdimensional, wenn etwa Musik hinzukomme. Da das Kunstempfinden im Kopf entstehe, könne es sogar völlig losgelöst vom Objekt sein, erklärte der Wissenschaftler. So könne man ihn auch mit gutem Recht fragen, warum er denn überhaupt male. Das Kunstschaffen könne eine „positive Unterstützung“ dieses Erlebnisses sein, so die Antwort von Speckmann, der den Roxelern auch den Blick des Künstlers näherbringen konnte. Viel Stoff für einen Abend: „Ich werde zu Hause darüber noch einmal nachdenken“, meinte ein Zuhörer.

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