Hilfe für kranke Kinder in Afrika
„Kindern eine Chance geben“

Münster-Roxel -

Der Roxeler Arzt Dr. Thomas Dirksen reist zweimal im Jahr nach Eritrea. In dem nordafrikanischen Land engagiert sich der Mediziner für die Hilfsorganisation „Archemed“, die schwerkranke Kinder behandelt.

Dienstag, 09.01.2018, 20:01 Uhr

Eine der zahlreichen Aufgaben der engagierten Mitarbeiter von „Archemed“: Der Roxeler Thomas Dirksen (r.) vermittelt medizinisches Wissen an Fachkräfte vor Ort.
Eine der zahlreichen Aufgaben der engagierten Mitarbeiter von „Archemed“: Der Roxeler Thomas Dirksen (r.) vermittelt medizinisches Wissen an Fachkräfte vor Ort. Foto: Dirksen

„Die Kinder dort haben keine Tränen in den Augen“, sagt Dr. Thomas Dirksen : „Sie haben das Recht, fröhlich zu sein“, meint der Roxeler Arzt. Die Jungen und Mädchen in Eritrea sind vor allem eines: Kinder. Die manchmal aber mit ganz vielen Problemen zurechtkommen müssen. Mit Krankheit, Armut und fehlender Bildung. Dirksen fliegt zweimal im Jahr in das nordostafrikanische Land, um zu helfen.

Der Roxeler engagiert sich in der Hilfsorganisation „Archemed“, die sich um eritreische Kinder mit schweren gesundheitlichen Problemen kümmert. Die Hoffnung betroffener eritreischer Eltern sei groß, dass die Ärzte aus Europa helfen könnten, sagt Dirksen. Er kümmert sich in einem eigenen „Archemed“-Projekt um Kinder mit Autismus, Down-Syndrom und spastischen Lähmungen, die vor Ort nicht selten nur unzureichend oder aber gar nicht behandelt werden.

Behinderungen würden in Eritrea oft als schicksalhaft angesehen. Nicht wenige Kinder würden von ihren Eltern „versteckt“, da eine Behinderung als „Schande“ angesehen werde.

Nicht vergessen wird Dirksen den Anblick eines 18-Jährigen, der sein Leben seit seiner Geburt unbehandelt liegend im Bett verbrachte, ohne das Haus jemals zu verlassen: „Er hätte wieder laufen können“, ist Dirksen überzeugt. Durch Physiotherapie und regelmäßig durchgeführte Übungen. Genau die möchten Dirksen und seine Kollegen vor Ort vermitteln. An Eltern und an Fachkräfte aus Eritrea. „Manche erwarten auch, dass wir mit einer Pille kommen, die alles wieder in Ordnung bringt“, so Dirksen. Doch so einfach sei es nicht. Dennoch, die Erfolge sind sichtbar. Dirksen sieht viele seiner Patienten regelmäßig: „Ich merke, wer seine Übungen gemacht hat.“

Neben den körperlichen Einschränkungen gibt es auch psychische Behinderungen. Dafür ist Dirksen der richtige Mann, denn er ist auch Kinder- und Jugendpsychiater. Wichtig sei etwa, dass Kinder mit Autismus eine spezielle Verhaltenstherapie erfahren. In Eritrea sei das noch Neuland. Dirksen möchte neue Erkenntnisse in der Behandlung auch den betroffenen afrikanischen Kindern zukommen lassen.

Ihnen fehlt es an vielem. Es gebe in Eritrea zwar einen freien Zugang zum Gesundheitssystem, sagt der Roxeler, aber die Mittel seien begrenzt. Das betreffe ganz unterschiedliche Gebiete der Medizin, so auch die Herzchirurgie für Neugeborene. Dank „Archemed“ könnten lebensnotwendige Operationen am offenen Herzen durchgeführt werden. Während die jungen Patienten sonst schnell versterben würden, liege die Erfolgsrate bei 98 Prozent.

Jeder, der in Eritrea hilft, hat seine eigene Geschichte. Bei Thomas Dirksen fing es ganz unspektakulär an. „Ich wurde auf einer Party in Roxel vom „Archemed“-Gründer Dr. Peter Schwidtal angesprochen“, erinnert er sich. Schnell war er von dem Projekt für behinderte Kinder überzeugt. Ehefrau Uta Dirksen, die krebskranke Kinder im Uniklinikum Münster behandelt, engagiert sich ebenfalls für Eritrea. Einem sterbenskranken Kind ermöglichte sie eine Behandlung in Deutschland – es überlebte.

Jüngst hat das Ehepaar Dirksen auch die Pfarrei St. Liudger überzeugt. Pfarrer Dr. Christan Schmitt flog mit nach Eritrea und machte sich vor Ort ein Bild. Im Sommer fiel der Pfarreiratsbeschluss, dass die Hilfe für das nordostafrikanische Land unterstützt werden soll.

Es ist eine Hilfe zur Selbsthilfe. Die gezeigten krankengymnastischen Übungen etwa, so Dirksen, könnten die Eltern wiederum an andere weitervermitteln. Auch werde Know-how weitergegeben, wie Patienten-Selbsthilfeorganisationen gegründet werden und welche Arbeit sie leisten könnten.

Es gibt noch viel zu tun. „Eine Chance geben“ solle man den Kindern dort, sagt Dirksen überzeugt. Damit sie fröhlich sein könnten. Denn dazu hätten sie ein Recht.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5413135?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F142%2F
Einfach nur Kroos-artig
Maßarbeit: Toni Kroos (hinten) zirkelt den Ball in der Nachspielzeit zum 2:1 ins Netz. Schwedens Torhüter Robin Olsen hat keine Abwehrchance.
Nachrichten-Ticker