Kneipenvorlesung des Heimat- und Kulturkreises Bilder einer einst prachtvollen Stadt

Münster-Roxel -

Die letzte Kneipenvorlesung des Jahres 2017 entführte die Zuhörer nach Syrien: Sie wurde von einem Flüchtling aus Aleppo gehalten.

Die syrische Familie Thagrid, Baraa und Iman Bozan (v.l.) gab einen Einblick in ihr Leben in Aleppo, bevor sie nach Deutschland flüchtete. Dr. Paul Ottmann (r.) vom Heimat- und Kulturkreis moderierte.
Die syrische Familie Thagrid, Baraa und Iman Bozan (v.l.) gab einen Einblick in ihr Leben in Aleppo, bevor sie nach Deutschland flüchtete. Dr. Paul Ottmann (r.) vom Heimat- und Kulturkreis moderierte. Foto: ann

Ein Neubürger bestritt die letzte Vorlesung des Roxeler Kneipensemesters 2017: Imad Bozan . Der 53-jährige Englischlehrer ist Syrer und lebt seit seiner Flucht im Jahr 2015 mit der Familie in Roxel. Seinen Vortrag hielt er auf Deutsch und auf Englisch, denn Englisch ist einfacher für ihn.

„Aleppo war ein Paradies auf Erden“, begeistert er sich für seine Heimat. Die Bilder aus der Zeit vor dem Krieg zeigen eine prachtvolle Stadt mit repräsentativen Gebäuden, großzügigen Plätzen und gepflegten Anlagen. Frauen hätten sich alleine, ohne Begleitung, bewegen können, Geschäfte seien bis Mitternacht geöffnet gewesen.

Die Zerstörung und Verwüstung von nahezu apokalyptischem Ausmaß, die die Stadt mittlerweile getroffen hat, stellte Bozan den früheren „historischen“ Bildern gegenüber: Heute kein intaktes Haus mehr, Väter tragen Babys über von Trümmern übersäte Straßen, ein Mann sitzt in seinem zerstörten Schlafzimmer auf dem Bett – der schroffe Gegensatz der Fotos machte betroffen und konnte kaum vermitteln, dass in dieser Trümmerwüste tatsächlich noch Menschen leben können: So wie Imad Bozans 85-jährige Mutter, zu der Kontakt per Handy möglich ist.

Die Sicherheit, die gute Behandlung und den Rechtsstaat schätzt der Syrer in seiner neuen Heimat sehr hoch. Er ist dankbar für jede Hilfe, die er empfangen hat. Aber das große Ziel ist und bleibt die Rückkehr in seine Heimat. In der Pause verwöhnte seine Ehefrau Thagrid die „Studenten“ mit selbst gebackenen Fladen mit Rinderhack, Teigtaschen „Laham Ajen“, Barze (süße Sesamplätzchen) und Pistazien-Keksen.

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