Journalistin begleitet ein Jahr lang Roxeler Kaplan Valerie und der Priester: Auf den Fersen eines Geistlichen

Münster-Roxel -

Im Mai dieses Jahres fing alles an: Im Rahmen eines außergewöhnlichen Projekts begleitet die Berlin Journalistin Valerie Schönian den Roxeler Kaplan Franziskus von Boeselager und schreibt darüber.

Von Larissa Schwedes
Ungleiches Duo auf Zeit: Ein Jahr lang berichtet die Journalistin Valerie Schönian im Internet über ihre Erfahrungen mit dem Roxeler Geistlichen Franziskus von Boeselager.
Ungleiches Duo auf Zeit: Ein Jahr lang berichtet die Journalistin Valerie Schönian im Internet über ihre Erfahrungen mit dem Roxeler Geistlichen Franziskus von Boeselager. Foto: Guido Kirchner

Welten liegen zwischen dem Leben von Valerie Schönian und dem des Roxeler Priesters Franziskus von Boeselager. Die Berliner Journalistin begleitet den Kaplan ein Jahr lang in seinem Alltag. In diesem Sommer hat sie – wie berichtet – damit angefangen. Ihre Erfahrungen hält sie in einem Internetblog fest.

Dazu gehört die wöchentliche Messe ebenso wie die hitzige Diskussion über die Rolle der Frau in der Katholischen Kirche . Sie beide sind „Valerie und der Priester“ – ein Projekt der Deutschen Bischofskonferenz .

„Meine ersten Gedanken waren: keine Familie, keine Frau, kein Sex, keine freien Sonntage. Was bewegt jemanden dazu, all das in Kauf zu nehmen und Priester zu werden?“. So erklärt Schönian, warum sie vom Projekt fasziniert ist. Für sie selbst spielte Kirche spätestens seit der Konfirmation keine Rolle mehr in ihrem Alltag.

Neuer Lebensabschnitt

Im Mai dieses Jahres änderte sich das drastisch. Seitdem wohnt die 25-Jährige rund die Hälfte des Monats im Hotel Brintrup direkt neben der Roxeler Pfarrkirche St. Pantaleon. 30 Sekunden sind es bis ins Pfarrhaus. Im Terminplan stehen jetzt Morgenandacht, Priesterweihe und Beerdigungen statt Hauptstadttrubel.

Facebook-Seite "Valerie und der Priester"

Auch bei Facebook berichtet Valerie Schönian über ihr Langzeitprojekt.

Sich auf Schritt und Tritt begleiten zu lassen, war für von Boeselager zunächst unvorstellbar. „Aber ich glaube, dass es auch der Wille Gottes ist. Es ist mein Job preiszugeben, was mich erfüllt“, begründet der Kaplan, warum er dennoch zustimmte. Es mache Spaß, von seinem Glauben zu reden.

Gespräche über den umstrittenen Bischof Tebartz-van Elst oder den Missbrauchsskandal der katholischen Kirche seien anstrengender, erzählt der Priester, gehörten aber auch dazu. Was der 38-Jährige zu alldem sagt und was Schönian denkt, beschreibt sie in Texten und Videos .

Blog wird gut angenommen

Die Deutsche Bischofskonferenz finanziert das Projekt. „Das entscheidende Ziel ist, über Fragen des Glaubens ins Gespräch zu kommen“, erklärt Michael Maas, Projektinitiator und Leiter des Zentrums für Berufungspastoral. „Franziskus ist eben nicht nur eine Amtsperson, sondern wird auch als Mensch erfahrbar.“

Der Priester sei bereit, Auskunft zu geben über Leben und Glauben. Dadurch könnten sich andere Gedanken zu diesen Fragen machen. Über 100.000 Blog -Besucher monatlich sieht er als Erfolg.

"Valerie und der Priester" - die Videos

Bei  Youtube  sind  alle Videos zum Projekt  zu sehen.

Und Schönian? Ist es für sie ein Gewissenskonflikt, für die Interessen einer Organisation zu arbeiten, der sie eher skeptisch gegenübersteht? „Die Frage war für mich nicht, ob ich der Kirche damit helfe, sondern ob ich fragen und schreiben kann, was ich will“, antwortet die Journalistin im Gespräch. Sie darf. Nur nicht den Dialog abbrechen, das ist die einzige Bedingung ihrer Auftraggeber.

Leichter gesagt als getan. Sich abzuwenden, wenn von Boeselager anders denkt, ist keine Option. Nach einer erbitterten Diskussion über Homosexualität auf einem Flug nach Rom landete das Flugzeug – und das uneinige Gespann musste den Weg in die Innenstadt suchen. Das Thema erstmal abhaken und weiter zum nächsten Termin, das sei in solchen Situationen die einzige Lösung, darin sind sich beide einig.

Gegenseitiges Verständnis entwickeln

„Franziskus wird weder aufhören, Priester zu sein, noch werde ich zur Nonne“, vermutet Schönian lachend. Doch auch wenn sie sich gegenseitig nicht vollends überzeugen können, wollen beide ihren Horizont erweitern. „Natürlich werden wir damit nicht die Welt retten. Aber wir versuchen, einen anderen Standpunkt zu verstehen, ohne unsere Meinung zu ändern“, sagt sie.

Wilhelm Tolksdorf, Dozent für Pastoraltheologie an der Katholischen Hochschule in Paderborn, sieht in diesem Dialog eine Chance für die Kirche: „Ich wünsche mir, dass es ganz viele Valeries gibt, Menschen, die Fragen stellen. Nur so kann sich die Kirche weiterentwickeln.“

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