Interview mit Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine „Zu viele Fragen blieben offen“

Münster-Gievenbeck -

Bauen und Wohnen – kein zweites Thema dominierte vergangenes Jahr die öffentliche Diskussion so stark wie dieses.

Neuer Wohnraum, wie hier am Arnheimweg in Gievenbeck, steht weiterhin ganz weit oben auf der politischen Agenda, findet auch Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine.
Neuer Wohnraum, wie hier am Arnheimweg in Gievenbeck, steht weiterhin ganz weit oben auf der politischen Agenda, findet auch Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine. Foto: kbö

Kein Wunder also, dass sich der persönliche Jahresrückblick von Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine mit unserem Redakteur Kay Böckling hauptsächlich der Wohnungspolitik widmet. Doch da war auch noch ein wenig mehr. . .

Herr Brinktrine, bei der Durchsicht meiner Unterlagen aus den vergangenen Gesprächen zum Jahreswechsel fiel mir auf, dass wir uns stets mit der Entwicklung rund um die Oxford-Kaserne beschäftigten. Mit alten Traditionen soll man nicht brechen. Wie ist der Stand der Dinge? Was hat sich getan in 2017?

Brinktrine: Die Frage wäre eher: Was hat sich nicht getan? Der unterschriebene Kauf-Vertrag ist – anders als versprochen – immer noch nicht da. Es stellt sich die Frage: Wie schlimm ist das für wen? Ich glaube, diejenigen, die später einen Nachteil von den langen Verhandlungen haben, sind die Bürger, die dort hinziehen wollen.

Warum?

Brinktrine: Für mich bleibt das Gefühl, dass dort kein bezahlbarer Wohnraum entstehen kann. Wenn man 2012 mit einer Kaufpreisverhandlung für ein Grundstück beginnt, dann muss das nicht zwingend bis 2017 oder 2018 dauern. Natürlich ist das Thema kompliziert, es handelt sich nicht um ein Einfamilienhaus-Grundstück. Aber ich dachte, dass wir spätestens 2015 mit der Geschichte durch sind.

Sie sind doch im Lenkungskreis Konversion tätig, der sich mit dem Oxford-Areal beschäftigt. Weiß man da nicht mehr?

Brinktrine: Nein, aber selbst wenn ich etwas wüsste, ist es nichtöffentlich. Nur soviel: Der Lenkungskreis hat in diesem Jahr nur ein Mal getagt.

Was hat Sie persönlich am meisten beschäftigt?

Brinktrine: Das Thema Bauen und Wohnen zieht sich natürlich wie ein roter Faden durch das Jahr. Wenn man die erste Sitzung der Bezirksvertretung betrachtet, dann sind wir beim Sportflächenkonzept – und somit wieder bei der Oxford-Kaserne. Und dann sind wir auch schnell bei einem Thema, das mich sehr geärgert hat: die unzureichende Bürgerbeteiligung. Da ist noch ganz viel Luft nach oben.

Sie sprechen die zunächst zugesicherten und später verworfenen Planungen der Sportflächen an. Die Diskussion diesbezüglich ist hausgemacht, ein Kompetenzgerangel der zuständigen Fachämter. . .

Brinktrine: Ja, da streiten sich zwei oder drei Ämter. Fakt ist aber: Wir warten seit Februar auf das Sportflächen-Konzept für Gievenbeck. Meine Befürchtung: Vielleicht kommt es nicht, weil es schlechte Nachrichten beinhaltet und dass die Sportflächen in Oxford verschwinden werden. Doch das wird sich rächen: 3000 Menschen mehr in Gievenbeck und keine weitere Sportfläche – das verträgt sich nicht.

In der städtebaulichen Entwicklung ist Nienberge weit hinten dran. Die dortige Forderung „Jetzt sind wir mal dran“ wird laut. Konkretes gibt es bis auf die angedachte Zukunftswerkstatt aber nicht, oder?

Brinktrine: Das ist leider richtig. Nienberge ist statistisch gesehen der Stadtteil mit der ältesten Bevölkerung. Schon aus diesem Grund ist es dringend notwendig, dass sich dort junge Familien ansiedeln, damit der Ort weiter lebendig bleibt.

Dafür bedarf es aber geeigneten Baulands. Und das scheint es nicht zu geben, oder?

Brinktrine: Flächen wird es bestimmt irgendwo geben, da bin ich aber nicht der Experte. Das Planungsamt der Stadt hat bestimmt die eine oder andere Fläche parat. Das gilt aber nicht nur für Nienberge, sondern für alle Stadtteile in Münster. Wir dürfen nicht nur nachverdichten, sondern müssen auch neue Baugebiete kreieren.

So wie in Albachten. . .

Brinktrine: Richtig. Albachten-Ost ist auf dem Weg. Aber auch hier hätte ich mir mehr Bürgerinformation gewünscht. Bei dem Info-Abend fehlte jemand, der sich mit der Regenwasser-Problematik auskennt und den Leuten die Angst nimmt, dass ihre Keller wieder volllaufen.

Die Friedhofsbebauung in Albachten wird derzeit kontrovers diskutiert.

Brinktrine: Ein sehr sensibles Thema. Da muss man sich mit den Leuten hinsetzen und muss sich alle Seiten anhören und ernst nehmen.

Gehen wir nach Roxel: Dort verschwinden die Container-Unterkünfte für Flüchtlinge an der Pieners­allee. Könnte man aufgrund der sinkenden Zahl Asylsuchender nicht auf den geplanten Bau einer dauerhaften Einrichtung an der Tilbecker Straße verzichten?

Brinktrine: Das wird die Zeit zeigen. Zurzeit ist es ruhig, das ist so. Aber niemand kann sagen, ob dieser Zustand anhält. Wichtig ist aber, dass die geplanten Unterkünfte gebaut werden, um für den Fall gewappnet zu sein, sollte es einen neuen Flüchtlingsstrom geben.

Mit dem Umzug von Beresa am Schwarzen Kamp ist der Weg für ein neues Baugebiet in Mecklenbeck frei. Was ist dort vorgesehen?

Brinktrine: Wenn man dem Investor Glauben schenken darf, wird dort bezahlbarer Wohnraum entstehen. Das ist ganz wichtig.

Ein Aufreger war die AfD-Veranstaltung im Stein-Gymnasium. Wie bewerten Sie die Protestaktionen – allem voran das spontan organisierte Schulfest.

Brinktrine: Alles Negative hat auch etwas Positives. Die Schüler haben die Entwicklung über die gesamte Unterrichtswoche thematisiert. Das ist die Basisarbeit der Demokratie, da muss man anfangen. Da muss man säen, damit man am Ende auch ernten kann.

Wahrscheinlich reden wir im nächsten Jahr an gleicher Stelle wieder über Oxford. . .

Brinktrine: Zunächst einmal sind 20017 zu viele Fragen offen geblieben: Oxford, Baugebiet Albachten und vieles mehr. Ich hoffe auf mehr Antworten in 2018. Ja, vielleicht auch in puncto Zukunft der ehemaligen Oxford-Kaserne.

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