Neues Heimatblatt Von Küstern und Hausierern

Münster-Nienberge -

Die Leser des neuen Heimatblatts für Nienberge, das der örtliche Heimatverein nun herausgegeben hat und das an verschiedenen Stellen im Stadtteil ausliegt, dürfebn sich auf interessante Geschichten aus dem Dorf freuen.

Von Kay Böckling
Das neue Heimatblatt des Heimatvereins Nienberge stellten Reinhold Klumpe (l.) und Josef Rölver vor.
Das neue Heimatblatt des Heimatvereins Nienberge stellten Reinhold Klumpe (l.) und Josef Rölver vor. Foto: kbö

Die Postboten in Nienberge-Dorf waren bis Mitte der 1950er-Jahre wahrlich nicht zu beneiden – zumindest diejenigen nicht, die sich in Nienberge nicht auskannten. Der Grund: Es gab schlicht keine Straßennamen. Die Häuser waren nummeriert, die Zahlen wurden in der Reihenfolge der jeweiligen Fertigung vergeben. Und so gab es ein munteres Durcheinander statt einer geordneten Nummerierung.

Das und mehr erfahren die Leser des neuen Heimatblatts für Nienberge, das der örtliche Heimatverein nun herausgegeben hat und das an verschiedenen Stellen im Stadtteil ausliegt. Nachdem es in den vorherigen Ausgaben um die Geschichte der Bauerschaft Schonebeck sowie der Dorfbauerschaft ging, widmen sich die Autoren Reinhold Klumpe und Werner Döring jetzt der Nienberger Dorfgeschichte. Und die birgt so manch Wissenswertes und Unterhaltsames.

In dem jetzt erschienenen Heimatblatt geht es hauptsächlich um die Häuser des Dorfes mit den Nummern 1 bis 20. „Die älteste uns zur Verfügung stehende Quelle aller Häuser des Dorfes ist ein amtliches Adressbuch aus dem Jahr 1844“, sagt Reinhold Klumpe. Dieses Adressbuch nenne die Namen der Bewohner des Dorfes sowie deren Berufe.

Im Zentrum des Dorfes stand laut Heimatvereins-Vorsitzendem Josef Rölver die Kirche. Entsprechend hatte auch der Pfarrer die Hausnummer „Dorf 1“. „Rund um die Kirche hatten wir nicht weniger als fünf Gaststätten“, berichtet Klumpe belustigt. In diesen hätten die Männer sonntags nach dem Gottesdienst ihren Frühschoppen abgehalten, während die Frauen aus den Bauerschaften in den kleinen „Kramläden“ ihre Lebensmittel einkauften.

„Es kam durchaus auch schon vor, dass einige auf dem Weg nach Hause auf dem Kutschwagen eingeschlafen sind“, meinte Rölver mit Blick auf den Alkoholkonsum während der Frühschoppen.

Ein Blick auf besagtes Adressbuch lässt den Betrachter insbesondere an einer Stelle schmunzeln: Während dort neben den Schneidern auch ein Küster oder Schenkwirte aufgeführt sind, taucht als Nummer 21 als Beruf ein „Hausierer“ auf.

„Ursprünglich gehörten viele Häuser und Grundstücke des Dorfes der Familie Schonebeck“, so Klumpe. „Die Bewohner mussten auf dem Rittergut Dienste leisten und Abgaben zahlen“, ist in dem Heimatblatt zu lesen. Und weiter: „Sogar für das Waschen an der Schoenebeckschen Gräfte musste pro Haushalt 5 DM Brückengeld gezahlt werden.“

Einige Häuser des Altdorfes gibt es nicht mehr, andere haben ihre Besitzer gewechselt oder dienen einer anderen Nutzung. „Dieses Heimatblatt soll dazu beitragen, dass die Geschichte dieser Häuser und ihrer Besitzer nicht in Vergessenheit gerät“, sagt Klumpe.

Neben den Recherchen Klumpes und Dörings gibt es auch einen Beitrag, der sich dem Goldschmied Josef Reifig und seines geschaffenen „Silberdorfs“ widmet. Prof. Eckehard Löhnert beschäftigt sich zudem mit „Gedanken zum Grienkenschmied“. Für das Layout des Heimatblattes zeichnet Rudi Neise verantwortlich.

Übrigens: Straßennamen gibt es erst seit den 1950er-Jahren. Klumpe: „1956 beauftragte der Roxeler Amtsrichter Baumeister den Nienberger Gemeinderat, die Straßen mit Namen zu benennen.“ Ab dann hatten es wohl auch die Postboten wieder ein wenig leichter.

Zum Thema

Das Heimatblatt kostet fünf Euro und liegt in den Banken sowie bei Ottenjann aus. Dort gibt es auch noch Exemplare der Zusammenfassungen über Schonebeck und die Dorfbauerschaften. Mitglieder des Heimatvereins bekommen das Heimatblatt kostenlos beim Grünkohlessen am Freitag (8. Dezember) ab 18 Uhr im „Wirtshaus zur Post“.

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