Erörterungstermin zu Windrad Letztes Wort noch nicht gesprochen

Münster-Nienberge -

Um es gleich vorweg zu sagen: Eine Entscheidung, ob in Nienberge-Häger von den Stadtwerken das geplante Windrad gebaut werden darf oder nicht, stand am Mittwochmorgen erst gar nicht zur Debatte. Vielmehr ging es im Freiherr-vom-Stein-Haus der Bezirksregierung Münster um einen gegenseitigen Austausch.

Von Kay Böckling
Windräder, wie hier die Anlage der Stadtwerke zwischen Roxel und Nienberge, müssen einen gewissen Abstand zur vorhandenen Wohnbebauung haben und sollten nicht erdrückend wirken.
Windräder, wie hier die Anlage der Stadtwerke zwischen Roxel und Nienberge, müssen einen gewissen Abstand zur vorhandenen Wohnbebauung haben und sollten nicht erdrückend wirken. Foto: kbö

Während eines sogenannten Erörterungstermins hatten Kritiker der geplanten Windenergieanlage – mit Ausnahme des Nabu waren dies zwei Anwohner aus Häger – die Möglichkeit, ihre persönliche Sicht der Dinge und ihre Einwendungen zu untermauern. Dies dient der Bezirksregierung als genehmigender Behörde einerseits der künftigen Entscheidungsfindung. Auf der anderen Seite nahmen Gutachter sowie Fachleute verschiedener Ämter und Institutionen Stellung zu den noch im Raum stehenden Fragen.

Bekanntlich wollen die Stadtwerke östlich von Häger an der Straße „Lütke Ladbergen“ eine Windkraftanlage bauen. Dies soll auf Grundlage der im vergangenen Jahr vom Rat beschlossenen und somit ausgewiesenen Konzentrationszonen für Windkraftanlagen erfolgen. Die Anlage ist laut Stadtwerke-Antrag 150 Meter hoch, die Nabenhöhe liegt bei 85 Metern, der Rotoren-Durchmesser beträgt 130 Meter.

Die Erschließung erfolge laut einer Vertreterin der Stadtwerke über die Straße Lütke Ladbergen und einen längeren Schotterweg. Diesbezüglich seien verschiedene Erschließungs-Varianten geprüft worden, wie eine Mitarbeiterin der Bezirksregierung feststellte.

Dem schriftlichen Einwand eines Hägeraners, bezüglich des Flächennutzungsplans sei das Windrad unzulässig, erteilte Wolfgang Hanne vom Bauordnungsamt der Stadt Münster eine Absage. Das Planungsrecht sei gegeben, der Bau des Windrads ergo zulässig.

Auch zum Thema „optisch bedrängende Wirkung“ nahm Hanne Stellung: „Das Gebot der Rücksichtnahme ist von großer Relevanz.“ Windkraftanlagen dürften nicht erdrückend wirken. Das habe das Oberverwaltungsgericht (OVG) festgestellt und eine Faustformel erarbeitet. Demnach müsste der Abstand eines Windrads zur nächsten Wohnbebauung mindestens die zwei- bis dreifache Höhe des Windrads betragen. Und auch dann müsse die Wirkung exakt überprüft werden. Überschreite die Entfernung die dreifache Höhe des Windrads, sei die Zumutbarkeit gegeben.

Auch die zu erwartende Lärmbelästigung kam zur Sprache. Diesbezüglich soll die Anlage nachts in einem sogenannten „schallreduzierten Betrieb“ laufen. Laut Gutachten würden damit die vorgeschriebenen Höchstrichtwerte (45 Dezibel) nicht überschritten. In diesem Zusammenhang machte Wolfgang Hennemann von der Bezirksregierung, der diesen Termin ausgesprochen diplomatisch moderierte, auf zusätzliche Lärmquellen aufmerksam: „Diese müssen separat behandelt werden.“ Kritik bezüglich des Autobahnlärms nötigten ihn zu dieser Stellungnahme.

Blieben noch die Fragen zum Naturschutz und in diesem Zusammenhang insbesondere zum Vogel- und Fledermausschutz. Hier verwies eine Mitarbeiterin der Bezirksregierung auf einen Vorschlag aus dem Landesumweltamt. So soll im Rahmen eines zwei Jahre andauernden Monitorings festgestellt werden, wie sich bestimmte Abstellzeiten – nach verschiedenen Parametern festgelegt – auswirken. Entsprechend könnten dann die Abstellzeiten der Anlage bei Bedarf modifiziert werden.

Und so geht's weiter: „Wir ziehen uns jetzt in unser Kämmerlein zurück und werden alle Anregungen und Stellungnahmen exakt prüfen“, so Moderator Wolfgang Hennemann.

Es werde ein Bescheid erstellt, der allen Seiten zuginge. Dann bestehe weiterhin die Möglichkeit, dagegen juristisch vorzugehen.

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