Kunst vor Ort „Rätselhafte Blicke“ im Pfarrheim

Münster-Nienberge -

Eindrucks- und ausdrucksvoll, abwechslungsreich und ambitioniert: der Kunst-Parcours der Freien Künstler Nienberge lohnt immer einen Besuch.

Von Siegmund Natschke
Imposant wurde es in der Deele des St.-Sebastian-Pfarrheims: Im Vordergrund die Holzarbeiten von Otto Pollmeier, an den Wänden die beeindruckenden Landschaftsbilder von Alessandro Ciaciulli (4. v. r. ). Die Künstler schauten sich auch die Werke ihrer Kollegen interessiert an.
Imposant wurde es in der Deele des St.-Sebastian-Pfarrheims: Im Vordergrund die Holzarbeiten von Otto Pollmeier, an den Wänden die beeindruckenden Landschaftsbilder von Alessandro Ciaciulli (4. v. r. ). Die Künstler schauten sich auch die Werke ihrer Kollegen interessiert an. Foto: Natschke

Es ist jedes Mal ein richtiges Abenteuer, eine Ausstellung der „Freien Künstler Nienberge“ zu durchwandern. Am Wochenende gab es im St.-Sebastian-Pfarrheim die neueste Auflage zu erleben, ein spannendes Motto weckte noch zusätzliches Interesse. „Rätselhafte Blicke“ war das Leitthema, zu dem sich die elf Künstler und zwei Gast-Aussteller Gedanken gemacht hatten. Wie etwa Alessandro Ciacciulli aus Mailand.

Dessen Nichte Debora Lenti hatte den Kontakt zu den „Freien Künstlern“ hergestellt. Sie sah das Ladenlokal der Gruppe und hatte die Idee, dass ihr Onkel da mitmachen könnte: „Er malt seit 40 Jahren.“ Die erste Ausstellung des Italieners in Deutschland, das war sein großer Traum. „Durch meine Eltern, die Bauern in Süditalien waren, habe ich schon als Kind die wundervolle Landschaft lieben gelernt.“

Es sind diese majestätischen und zugleich rätselhaften Bilder, die den Betrachter in den Bann zogen. Vier Monate dauert es zum Beispiel, bis ein Werk von Ciacciulli fertig ist. Das liegt auch an der aufwendigen Maltechnik. Und daran, dass Ölfarbe Zeit braucht, um zu trocken.

Faszinierend sind die Nordsee-Impressionen von Anne Eickholt; auch Textilarbeiten gibt es, so etwa zwei lustige Raben, die einem Trickfilm entsprungen zu sein scheinen.

Reni Ketteler-Eising zog mit ihren Bildern, die geometrische und auch gegenständliche Motive zeigen, den Besucher in den Bann. Elisabeth Esser präsentierte Werke, die dank Pinsel, Walze und Rakel (Kratzeisen) verschiedene Schichten aufweisen.

Ingeborg Resing zeigte ebenfalls Bilder mit Struktur. „Bei mir darf man die Kunst auch anfassen“, sagte sie. Am nächsten Sonntag zeigt sie im Gevelsberger Rathaus (Beginn: 11.30 Uhr) deshalb auch Werke, die blinde Menschen mit ihrem Tastsinn „ergreifen“selbst erleben zu können.

Es gab noch viel zu entdecken bei den „Rätselhaften Bildern“. Ob die Farbenspiele Margret Schröders, die aus Kohlezeichnungen entstehen, das freie Spiel der Formen bei Margret Ossege oder die modernen Farbeinflüsse aus der Mode, die in den Werken von Gabriele Splitthöver zu entdecken sind: Das war ein beeindruckendes künstlerisches Potpourri. Ingrid Sahlmann meinte: „Ein Bild malt sich von selbst.“

Das denkt man auch manchmal bei Arnold Stelzig, der schon seit Langem durch Motive aus Nienberge beeindrucken kann, die er manchmal nur unwesentlich, aber dafür mit viel Wirkung ändert. Etwa die Farben, die plötzlich ganz bunt werden. Behilflich ist ihm bei dieser Technik oft Walter Tupikevics, der allerhand Bildverarbeitungseffekte am Computer dieses Mal auch „live“ zeigte.

Ebenfalls vor Ort tätig war der Holzkünstler Otto Pollmeier. An seiner Drechselmaschine erarbeitet er Holzspielzeug, Schalen, Weihnachtsengel und Vasen. So kann jeder sein eigenes Stillleben zusammenstellen – mit Fundstücken aus der Natur, meint Pollmeier. „Wenn man etwa mit dem Fahrrad zum Büro fährt und man entdeckt am Wegesrand Pflanzen oder Beeren“. Die bekommen dann durch die samtweichen Behältnisse eine neue, ganz besonders ansehnliche Heimat.

Die großflächigen und bunten Bilder mit Menschen im Fokus sprangen auch dieses Mal dem Betrachter ins Auge: Sie stammen von Elisabeth Wiemhöfer und lassen Spielraum zum Nachdenken. „Was unsere Gefühle anspricht, das bleibt für lange Zeit“, meinte die Künstlerin.

Ein Jahr lang Zeit haben die Besucher der Ausstellung nun, um ihre Eindrücke zu verarbeiten und sich Gedanken zu den vielfältigen Kunstwerken zu machen. Die nächste Präsentation der „Freien Künstler“, dann wieder unter einem ganz neuen Motto, kommt bestimmt.

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