Ex-Feuerwehr-Chef Benno Fritzen gibt Tipps für den Notfall Katastrophen immer häufiger

Münster-Nienberge -

Was tun, wenn es zum Super-GAU im Atomkraftwerk kommt? Oder zum flächendeckenden Stromausfall? Ex-Feuerwehr-Chef Benno Fritzen erklärte beim "Talk im Forum", wie man sich im Katastrophenfall verhalten sollte.

Von Siegmund Natschke
Beim Jahrhundertunwetter im Juli 2014 kam es in Nienberge zur Flut-Katastrophe. Selbst Tage später stand das Wasser noch auf Straßen und in Kellern. Benno Fritzen (kleines Bild, Mitte) sprach auf Einladung von Anneliese Janning (l.) und Magdalena Berendsen vom Verein „Kulturforum“ über derartige Katastrophen und wie man sich im Ernstfall verhalten sollte.
Beim Jahrhundertunwetter im Juli 2014 kam es in Nienberge zur Flut-Katastrophe. Selbst Tage später stand das Wasser noch auf Straßen und in Kellern. Benno Fritzen (kleines Bild, Mitte) sprach auf Einladung von Anneliese Janning (l.) und Magdalena Berendsen vom Verein „Kulturforum“ über derartige Katastrophen und wie man sich im Ernstfall verhalten sollte. Foto: mfk / sn

„Es wird häufiger und heftiger, als wir bis jetzt gedacht haben“, meinte Benno Fritzen im Nienberger Kulturforum. Es war die Rede von Katastrophen und wie oft sie eintreten. Fritzen zeigte eine Kurve, die exponenziell nach oben führte. Das sorgte für Sorgenfalten bei den Zuhörern. „Fragen sie nichts, ein Teil meiner Antworten würde sie verunsichern“, so der Titel der Veranstaltung, angelehnt an das bekannte Zitat des Bundesinnenministers Lothar de Maizière.

Fritzen ist erst seit Kurzem Ruheständler, bis Anfang dieses Jahres war er Münsters Feuerwehr-Chef. Mit 15 sei er bereits in die Jugendfeuerwehr in Coesfeld eingetreten, erklärte Fritzen. Mit 17 war er schon Mitglied im Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr. Dann folgten ein Studium und schließlich die Entscheidung, bei der Feuerwehr auch berufstätig zu sein; erst in Köln, dann ab 1994 als Leiter der Feuerwehr in Münster. Mit 60 wird man dort in den Ruhestand versetzt, sonst hätte Fritzen ganz bestimmt weiter gemacht.

Und nun saß er also im Kulturforum, gut gelaunt und agil. Und noch etwas pointierter in den Ausführungen als bereits zu seiner Amtszeit. Fritzen ist Nienberger, das wissen nicht viele. „Meine Frau sagt immer: Du wohnst in Nienberge, aber Du lebst nicht dort.“ Gedanklich war er stets in Münster, bei „seiner“ Feuerwehr. Aber seit dem Ruhestand wolle er im Stadtteil auch wirklich „leben“, versicherte Benno Fritzen.

Was sollte man eigentlich tun, wenn in unmittelbarer Nähe ein Atomunfall passiert? Plötzlich waren alle im brisanten Thema drin. „Am besten gar nicht da sein“, meinte der ehemalige Feuerwehr-Chef. Aber auf jeden Fall gelte: „Jeder Kilometer zählt.“ Müsse man doch durch die Radioaktivität, so gelte es, sich der Kleidung schnell zu entledigen und zu duschen.

Außerdem würden im Fall der Fälle innerhalb von sechs bis 24 Stunden an die Bevölkerung Jodtabletten verteilt. Allerdings nur an unter 45-Jährige. „Warum?“, fragte einer. Das hänge mit der Zellteilung zusammen, so Fritzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass in der Lebenszeit aufgrund der Kontamination noch eine Tumorerkrankung auftrete, sei im Alter geringer, so Fritzen.

Wahrscheinlicher als ein Atomunfall sei aber in Zukunft wohl ein großflächiger Stromausfall. Mögliche Auslöser seien Cyberattacken. „Die üben noch“, so Fritzen. Auch großflächige Waldbrände wie in den USA seien möglich: „Die hat es in Deutschland auch schon gegeben.“ Die letzte Katastrophe in Münster sei das Juli-Unwetter 2014 gewesen: „Alles andere waren nur schlimme Ereignisse.“

Fritzen empfahl, für die Katastrophe vorzusorgen und etwa Notvorräte anzulegen, so wie es das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe vorsieht. Auch deren Warn-App sei hilfreich. Eines aber solle man nicht vergessen: alle Akkus aufzuladen. Denn das ist bei einem großflächigen Stromausfall nicht mehr möglich. Auch bei 99 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass solch ein Katastrophenfall nicht eintrete: Das eine Prozent machten immerhin drei Tage im Jahr aus, und für die sei eine Vorsorge notwendig.

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