Straßenbenennung in Mecklenbeck Schwarz-gelber Umbenennungs-Coup „beschämend für Münster“

Münster-Mecklenbeck -

Der „Umbenennungs-Coup“ von CDU und FDP in der Bezirksvertretung Münster-West erntet herbe Kritik: Schwarz-Gelb hatte einen Reinhard-Klose-Weg durchgeboxt, was allerdings nicht überall auf Verständnis stößt.

Von Thomas Schubert
Großbaustelle: Die Erschließungsarbeiten im neuen Mecklenbecker Baugebiet sind im vollen Gange. Allerdings werden die vier dort noch zu bauenden Straßen nicht allesamt nach jüdischen Frauen benannt, die von den Nazis verfolgt wurden. Es wird dort auch einen Reinhard-Klose-Weg geben.
Großbaustelle: Die Erschließungsarbeiten im neuen Mecklenbecker Baugebiet sind im vollen Gange. Allerdings werden die vier dort noch zu bauenden Straßen nicht allesamt nach jüdischen Frauen benannt, die von den Nazis verfolgt wurden. Es wird dort auch einen Reinhard-Klose-Weg geben. Foto: sch

Die Berichterstattung über den künftigen Reinhard-Klose-Weg im Neubaugebiet zwischen Meckmannweg, Weseler Straße und Schwarzem Kamp hat Wellen geschlagen: Mehrere Leser haben der Redaktion Briefe geschrieben, in denen sie sich kritisch zum „Umbenennungs-Coup“ von CDU und FDP äußern. Die münsterischen SPD-Frauen und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit meldeten sich mit Pressemitteilungen zu Wort.

Da in der Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Münster-West am vergangenen Donnerstag sowohl bei der SPD als auch bei den Grünen je ein Mitglied fehlte, hatten Christdemokraten und FDP ihre vorübergehende Stimmenmehrheit genutzt, um bei der Straßenbenennung im neuen Wohnquartier eine Änderung durchzudrücken. Hatte die Verwaltung vorgeschlagen, alle vier Straßen quasi in einem Guss nach von den Nazis verfolgten jüdischen Frauen zu benennen, so setzte Schwarz-Gelb – wie berichtet – einen Reinhard-Klose-Weg durch: Der Henriette-Hertz-Weg musste dafür weichen.

„Beschämend für Münster“

Der Vorfall in der Bezirksvertretung sei „beschämend für Münster“. Mit diesen Worten geht Anneka Beck, Vorsitzende der sozialdemokratischen Frauen Münsters, mit dem Vorgehen von CDU und FDP hart ins Gericht. Beide seien nicht bereit gewesen, den Beschluss der BV West mitzutragen, Straßen im Stadtbezirk bis auf Weiteres nach Frauen zu benennen, weil diese bislang fast ausschließlich nach Männern benannt worden seien.

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Die CDU verlässt den Münster-Konsens. Was wollen neun Männer von CDU und FDP nun damit erreichen, dass sie verweigern, die Straße nach einer jüdischen Frau zu benennen?

Anneka Beck, Vorsitzende der sozialdemokratischen Frauen Münsters

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„Die CDU verlässt den Münster-Konsens. Was wollen neun Männer von CDU und FDP nun damit erreichen, dass sie verweigern, die Straße nach einer jüdischen Frau zu benennen?“, fragt die Vorsitzende der Sozialdemokratinnen. Das sei bestenfalls männliches Imponiergehabe. Oder gar schon ein Vorgeschmack darauf, dass die CDU ihr konservatives Profil schärfen wolle? Den jüdischen Schwestern gelte besondere Solidarität.

Erschrocken, so heißt es in der Pressemitteilung weiter, sei Beate Kretzschmar, SPD-Chefin in der BV West, über das Diskussions-Niveau von CDU und FDP im Stadtbezirks-Parlament gewesen.

Pfarrer Hülsmann: „Chance vertan“

Deutlich moderater, aber dennoch kritisch meldet sich die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zu Wort: In Mecklenbeck sei „die aktuelle Chance einer deutlichen Wegmarkierung“ vertan worden, schreibt der Vorsitzende und emeritierte Pfarrer Jürgen Hülsmann. Was sich in der BV West abgespielt habe, sei im Ganzen eher „kleines Karo“. Von einem fragwürdigen Beschluss ist die Rede.

Gleichwohl weist Hülsmann in seiner Mitteilung aber auch darauf hin, dass mit der Wahl des „verdienten Mecklenbecker Bürgers Reinhard Klose “ (1932 – 2005) als Namensgeber einer Straße im neuen Wohnquartier auch eines engagierten Mannes gedacht werde. Er sei Leiter eines kirchlichen Posaunenchors gewesen und habe mit seinen Bläsern mehrfach christliche Pilger- und Studienreisen ins Heilige Land musikalisch bereichert. Klose sei „ein erklärter Freund Israels und seiner jüdischen wie arabischen Bürger“ gewesen.

Vorschlag von evangelischer Gemeinde und Heimatverein

Seitens der Christdemokraten heißt es, dass ihre Fraktion in der BV West dem Ansinnen, Straßen im Stadtbezirk nach Frauen zu benennen, grundsätzlich positiv gegenüber stehe. Nichtsdestotrotz plädiere man für eine flexible Regelung, um Anregungen der Bürgerschaft Rechnung tragen zu können. Deshalb müssten Ausnahmen zulässig sein. Sowohl die evangelische Gemeinde als auch der Heimatverein hätten Klose aufgrund seiner Verdienste um den Stadtteil und die Kirchengemeinde als Namensgeber für eine neue Straße vorgeschlagen.

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