Heftige Debatte in der BV West Henriette Hertz muss weichen

Münster-Mecklenbeck -

Straßenbenennung Neubaugebiet Meckmannweg / Schwarzer Kamp: Christdemokraten und FDP setzen Reinhard-Klose-Weg durch.

Von Thomas Schubert

„Das Ganze sprach für sich. Aber so ist Demokratie. Wer die Mehrheit hat, hat die Mehrheit!“ Mit diesen Worten kommentierte Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine im Gespräch mit unserer Zeitung den Beschluss der Bezirksvertretung West, die vier neuen Straßen im Baugebiet Meckmannweg / Schwarzer Kamp nicht allesamt nach von den Nazis verfolgten oder ermordeten Frauen zu benennen. Statt des Henriette-Hertz-Wegs soll es dort künftig einen Reinhard-Klose-Weg geben.

Als das Stadtbezirksparlament im Mai dieses Jahres – wie berichtet – beschlossen hatte, neue Straßen in Münsters Westen bis auf Weiteres nach Frauen zu benennen, hatte es von Seiten der Christdemokraten Kritik gegeben. Fraktions-Chef Bernd Krekeler kündigte damals an, die CDU werde dies nicht hinnehmen. Falls sie dazu in der Lage und es nötig sei, werde sie den Beschluss torpedieren.

In der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung machten die Christdemokraten ihre Ankündigung wahr: Da SPD und Grüne nicht vollzählig waren, setzten sie mit Unterstützung des FDP-Vertreters Peter Koch-Tölken durch, im künftigen Wohnquartier einen Mann unterzubringen und damit den stimmigen Beschlussvorschlag des Vermessungs- und Katasteramts in ihrem Sinne abzuwandeln. Denn eigentlich sollte im Neubaugebiet stringent an weibliche jüdische Opfer der NS-Schreckensherrschaft erinnert werden.

Nach dem Willen der schwarz-gelben Mehrheit soll es einen Henriette-Hertz-Weg erst zu einem späteren Zeitpunkt und an anderer Stelle in Mecklenbeck geben. Der ihr zugedachte Weg wird dem Mecklenbecker Heimatvertriebenen Reinhard Klose (1932 – 2005) gewidmet. „Sowohl die evangelische Johannes-Kirchengemeinde als auch der Heimatverein Mecklenbeck hatten Reinhard Klose, der sich unter anderem als Kirchmeister große Verdienste um den Stadtteil und die Kirchengemeinde erworben hatte, vorgeschlagen“, rechtfertigt CDU-Bezirksvertreter Peter Wolfgarten die Straßenbenennung.

Bei den Sozialdemokraten stieß der „Neubenennungs-Coup“ von CDU und FDP auf heftige Kritik. Udo Junge warnte davor, Reinhard Klose ein Denkmal zu setzen: „Wir überhöhen da ganz normale Menschen in ihrem Wirken für die Gemeinschaft“, betonte der Mecklenbecker. Beim Vorhaben, ihm eine Straße zu widmen, habe er „wirklich Schwierigkeiten“.

Fraktions-Chefin Beate Kretzschmar ging mit der CDU-Fraktion, die nur mit Männern besetzt sei, hart zu Gericht. Ihr Appell, die vier Straßen – wie von der Verwaltung vorgeschlagen – doch bitte allesamt nach von den Nazis verfolgten jüdischen Frauen zu benennen, und damit im Wohngebiet eine „geschlossene Zone der Erinnerung“ zu schaffen, verhallte ungehört.

Auch SPD-Ratsfrau Doris Feldmann machte ihrem Unmut über das Vorgehen von CDU und FDP deutlich Luft: Den Henriette-Hertz-Weg durch einen Reinhard-Klose-Weg zu ersetzen, sei „ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich der Erinnerungskultur verschreiben“. Es sei auch „ein Schlag gegen alle Frauen“.

Im Vorfeld der Sitzung war den Mitgliedern der Bezirksvertretung ein Schreiben der münsterischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zu Kenntnis gegeben worden: „Dass alle vier Straßen nach verstorbenen jüdischen Frauen aus Münster benannt werden sollen, haben wir mit großer Freude aufgenommen. In Zeiten, in denen Menschen wie der thüringische AfD-Vorsitzende Björn Höcke das Gedenken an den Holocaust als ,dämliche Bewältigungspolitik‘ verleumden, ist dies auch ein Zeichen für die in Münster erfreulich gewachsene, nüchterne und ehrliche Kultur der Erinnerung“, ließ der Vorsitzende und emeritierte Pfarrer Jürgen Hülsmann die Stadtbezirkspolitiker wissen. 

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