Kinderhauser Straßennamen Historie der Straßennamen

Münster-Kinderhaus -

Wie sich Kinderhauser Straßennamen erklären lassen und zustande kamen, darüber berichtete Walter Kutsch beim Plattdeutschen Gesprächskreis.

Von Reinhold Kringel
Helmut Baumeister vom Plattdeutschen Gesprächskreis empfing Walter  Kutsch (r.), der über Kinderhauser Straßennamen berichtete.
Helmut Baumeister vom Plattdeutschen Gesprächskreis empfing Walter  Kutsch (r.), der über Kinderhauser Straßennamen berichtete.

Wer hätte das gedacht: Pastors­esch bedeutet „des Pfarrers Ackerland“! Das sagt jedenfalls Walter Kutsch , der sich mit den Straßennamen von Kinderhaus beschäftigt und in jahrelanger Arbeit alle Informationen zusammengetragen hat, die er über Münster finden konnte. Beim „Plattdeutschen Gesprächskreis“ im Bürgerhaus gab er einen Einblick in seine Forschungen.

In kleinen Häppchen hatte er vor fast 20 Jahren begonnen, seine Ergebnisse in der ehemaligen Stadtteilzeitung „rund um“ zu veröffentlichen. Kutsch berichtet zum Pastorsesch, dass das Wort „Esch“ seit dem Mittelalter einen mannigfaltigen Bedeutungswechsel erfuhr. Am besten sei es zu übersetzen mit „Ackerland, auf dem Getreide angebaut wird.“ Das Land habe zur Pfarrausstattung des Pastors gehört, dessen ausschließliche Aufgabe früher die geistliche Versorgung der Leprosen und später der Bewohner des Pfründnerhauses gewesen sei. Der Acker war seine wirtschaftliche Grundlage.

„Noch im Jahre 1911 stand an der Stelle des heutigen stattlichen Pastoratsgebäudes oberhalb des Kinderbachs ein altes Bauernhaus“, sagte der Heimatforscher.

Ein langer Weg führte aus der Stadt Münster vom Damenstift Überwasser zum Rektorat Kinderhaus und wurde daher „Rektoratsweg“ genannt. Der unbefestigte Weg verlief zwischen Äckern und Wiesen und wurde von Pferdefuhrwerken befahren, die tiefe Furchen hinterließen, in denen sich das Regenwasser sammelte. „Drecktoratsweg“ hätten ihn deshalb spöttisch viele Kinderhauser genannt, so Walter Kutsch.

„Bur“ heißt Bauer und „Loh“ ist ein kleines Waldstück, dass der Gemeinde gehört und von allen genutzt werde, erzählte der Referent und erklärte damit den Straßennamen „Am Burloh“ und etliche weitere Namen. Die rund 40 Zuhörer aus Kinderhaus hörten gespannt zu und brachten auch ihre eigenen Erinnerungen an Orte und Bewohner ein.

Der Bröderichweg sei nach dem Hof Bröderich benannt und „Bröder“ heiße „Brüder“ im westfälischen Platt, berichtete der emsige Forscher, der seit 1963 ein Archiv von rund 8000 Büchern aufgebaut hat, in dem es um alle Themen rund um seine Geburtsstadt Münster geht. Vor vier Jahren übergab er seine Privatbibliothek dem Stadtarchiv, das sie in einem eigenen Raum archiviert hat.

Der ehemalige Versicherungsangestellte ging auch auf Straßennamen ein, die nach Personen benannt wurden. Dazu gehört etwa der Rinscheweg, benannt nach Franz Rinsche, einem Lehrer am Paulinum, der auch als Theaterautor und Schriftsteller tätig war. Die Arnethstraße erinnert an den Mediziner Dr. Joseph Arneth, der im Clemenshospital und an der Universität tätig war.

Der Eimermacherweg wurde nach dem Freiballonfahrer Ferdinand Eimermacher benannt. Die „Grotemeyerstraße“ wurde nach dem Kunstmaler Fritz Grotemeyer benannt, der in Münster geboren wurde und lange in Berlin gelebt hatte. Eines seiner letzten Werke war der Einzug von Clemens August von Galen in das zerstörte Münster nach dem Zweiten Weltkrieg.

Auch über die Regina-Protmann-Straße wusste Walter Kutsch einiges zu berichten. Die Gründerin des Katharinenordens war 1552 in Braunsberg im Ermland geboren und aufgewachsen. Der Orden hatte nach dem Krieg sein Archiv kurzzeitig in Münster, bevor es nach Rom verlegt wurde. 1999 wurde die Ordensgründerin selig gesprochen.

Helmut Baumeister, Leiter des Plattdeutschen Gesprächskreises, dankte dem Referenten und meinte: „Kinderhaus hat sich komplett verändert.“

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