Mervyn Lobo ist Nachfolger von Ruth Pfau „Lepra ist nicht ausgerottet“

Münster-Kinderhaus -

Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe stellte im Kapuziner-Kloster den Nachfolger der kürzlich verstorbenen Dr. Ruth Pfau vor.

Von Reinhold Kringel
Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe stellte im Kapuziner-Kloster den Nachfolger der kürzlich verstorbenen Dr. Ruth Pfau vor. Mervyn Lobo (3.v.l.) arbeitete seit 1991 mit der charismatischen Lepra-Ärztin zusammen. Pfarrer Wolfgang Heide (v.l.), Karl-Heinz Deters und Jürgen Belker-van den Heuvel berichteten von ihrem Besuch beim Ruth Pfaus Hilfswerk in Pakistan.1987 pflanzte die Ärztin in Kinderhaus eine Eiche (Bild r.).
Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe stellte im Kapuziner-Kloster den Nachfolger der kürzlich verstorbenen Dr. Ruth Pfau vor. Mervyn Lobo (3.v.l.) arbeitete seit 1991 mit der charismatischen Lepra-Ärztin zusammen. Pfarrer Wolfgang Heide (v.l.), Karl-Heinz Deters und Jürgen Belker-van den Heuvel berichteten von ihrem Besuch beim Ruth Pfaus Hilfswerk in Pakistan.1987 pflanzte die Ärztin in Kinderhaus eine Eiche (Bild r.). Foto: Reinhold Kringel

Am 10. August diesen Jahres starb die Lepra-Ärztin Dr. Ruth Pfau in Pakistan, dem Land, in dem sie seit 1960 lebte und arbeitete. Sie half den Lepra-Kranken und drängte die Krankheit in Pakistan zurück. Die pakistanische Regierung ordnete eine Trauerbeflaggung und ein Staatsbegräbnis an, über 3000 Menschen nahmen an ihrer Beerdigung teil.

Auch in Kinderhaus hat Ruth Pfau Spuren hinterlassen: Auf dem Gelände des ehemaligen Leprosoriums pflanzte sie 1987 eine Siecheneiche, nachdem sie zwei Jahre zuvor das Bundesverdienstkreuz im Rathaus von Münster überreicht bekommen hatte. 2007 hielt sie einen Vortrag im Schloss und 2014 im Bürgerhaus. Ihre Besuche im Lepramuseum, in dem sich inzwischen auch das Büro der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) befindet, zeigen ebenfalls ihre Verbindung zu Kinderhaus. Die Idee zur Gründung der Ruth-Pfau-Stiftung in Würzburg entstand im Pfarrzen­trum St. Josef, und demnächst könnte auch ein Fußweg in Kinderhaus nach ihr benannt werden.

Jürgen Belker-van den Heuvel vom DAHW-Büro Kinderhaus begrüßte am Sonntag im Kapuzinerkloster ihren Nachfolger Mervyn Lobo in Münster. Der Pakistani hatte seit 1991 mit Ruth Pfau zusammengearbeitet und war von ihr zum Nachfolger bestimmt worden. Er war ihr aufgefallen, weil er als einziger den Mut hatte, ihr manchmal zu widersprechen. „Sie nahm Kritik an“, sagte Mervyn Lobo, „das war ihre Größe.“ Sie sei auch eine großartige Teamleiterin gewesen und habe immer betont, dass nicht sie, sondern das Team die Lepra zurückgedrängt habe. Sie sei ein großes Vorbild, betonte ihr Nachfolger. Im Gesundheitsministerium habe sie immer hartnäckig solange gewartet, bis man sie angehört habe.

Der 46-jährige Nachfolger hat kein medizinisches, sondern ein Wirtschafts-Studium absolviert. Er ist ein Organisator und hat Ruth Pfau viele Jahre lang den Rücken frei gehalten.

„Ich bin sehr von deiner Arbeit abhängig“, habe sie einmal zu ihm gesagt. Die Probleme der Zukunft sieht er als Herausforderungen, denen man entschlossen begegnen muss. „Lepra ist nicht ausgerottet, Tuberkulose ist auf dem Vormarsch, und der Einsatz für Behinderte ist ein neues Betätigungsfeld für unsere Organisation.“

Das von Ruth Pfau gegründete Marie Adelaide Leprosy Centre (MALC) in Karachi hat über 500 Mitarbeiter in ganz Pakistan.

Pfarrer Wolfgang Heide, Karl-Heinz Deters und Jürgen Belker-van den Heuvel haben es besucht und berichteten von ihrer Reise. Ihre Worte und ihre Fotos machten großen Eindruck auf die Besucher. Die meisten von ihnen waren ehrenamtliche Helfer des DAHW, das die Arbeit des Krankenhauses finanziert.

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