Klärbecken werden gereinigt 90 Zentimeter hoch Schlamm

Münster-Kinderhaus -

Vor über 20 Jahren wurden die Regenbecken am Kinderhauser Pastorat gebaut. Was heute wie ein idyllischer Teich aussieht, ist ein technisches Bauwerk mit einer wichtigen Funktion: Es soll den Kinderbach, wenn es richtig schüttet, vor schmutzigem Regenwasser schützen.

Von Katrin Jünemann
Ausgebaggert werden muss eine 90 Zentimeter hohe Schlammschicht  aus den Regenbecken am Kinderhauser Pastorat.
Ausgebaggert werden muss eine 90 Zentimeter hohe Schlammschicht  aus den Regenbecken am Kinderhauser Pastorat. Foto: kaj

Deshalb sind die beiden Becken, das Regenklärbecken – auch Sedimentationsbecken genannt – und das angrenzende größere Regenrückhaltebecken nördlich vom Pfarrhaus mit Betonit abgedichtet. Eine Verbindung zum Grundwasser ist nicht erwünscht.

Das kleine Sedimentationsbecken links der Landzunge in der eingezäunten Fläche an Pastors Wiese sei schon dreimal gereinigt worden. „Das große Rückhaltebecken ist noch gar nicht gereinigt worden“, berichtet Bauingenieurin Jutta Möhring vom Tiefbauamt. So habe sich über die Jahre eine 90 Zentimeter hohe Schlammschicht vor allem aus organischen Stoffen angesammelt.

500 Kubikmeter dieses Sand-Wasser-Gemisches werden noch bis zum Ende der Woche mit wasserdichten Fahrzeugen abgefahren und zur ehemaligen Roxeler Deponie gebracht. Dort gebe es alte Trockenbeete, auf denen sich die Masse absetzen könne, erklärt die Ingenieurin. Drei bis vier Monate blieben die Sedimente in Roxel liegen und würden dann von einer zertifizierten Firma abgefahren und wieder verwertet.

Regnet es stark und strömt das Regenwasser von den Straßen und Plätzen von Kinderhaus ins Kinderbachtal, läuft es am Pastorat zunächst ins Regenklärbecken. Dort wird es langsamer und läuft über eine Kaskade weiter ins Rückhaltebecken. Vor dem Zufluss in den Kinderbach wartet noch ein Schacht mit einer Schutzdrossel.

Durch diese Verlangsamung wird verhindert, dass zu viel und dreckiges Wasser in den Kinderbach strömt, der in die Wasserzone mündet. Dort befindet sich noch eine Entnahmestelle für Trinkwasser. 2016 hatten die Stadtwerke eine Schließung des Kinderhauser Wasserwerks für 2021 angekündigt.

Gehölzpflege gehöre ebenfalls zur Maßnahme dazu, berichtet Jutta Möhring. Auch werde die Wiese am Pfarrhaus anschließend wieder in Ordnung gebracht.

Das schöne grüne Tal zwischen Pastorat und Grevener Straße gehört zum geschützten Landschaftsbestandteil „Kinderbach“. Ein Gebiet, das sich mit Unterbrechungen durch Straßen und Siedlungen zwischen Grevener und Steinfurter Straße erstreckt und 21,2 Hektar groß ist. Seit 1998 steht es unter Schutz.

Der Altarm des Kinderbachs wurde 2009 entschlammt. Die Wiese wird jedes Jahr gemäht. Das Amt für Grünflächen hat ein Auge auf die Vegetation: Das indische Springkraut hat dort noch nicht Fuß fassen können. „Das wollen wir auch weiterhin so halten“, sagt Jürgen Dreier vom Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit. An anderen Stellen in Münster sei das schon nicht mehr möglich.

Im Kinderbachtal am Pastorat gibt es größere Bestände – das ist selten – der Sumpfdotterblume. Und dort wächst auch das wechselblättrige Milzkraut – eine kleine Rarität. Im Frühjahr hat der braune Storchschnabel am Kinderbach seinen Auftritt.

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