Sommerakademie im Bürgerhaus Kreativ mit Meißel und Knüpfel

Münster-Kinderhaus -

Im Außenbereich des Bürgerhauses ist genaues Hinsehen angesagt: Auf der einen Seite versuchen sich Hobby-Künstler an Skulpturen aus Sandstein, auf der anderen herrschen Bauarbeiten. Doch nur auf den ersten Blick birgt das Bild Verwechslungsgefahr.

Von Hubertus Kost
Stefan Rosendahl (M.) unterstützt die Teilnehmer bei den ersten Versuchen in der Bildhauerei. Ziel des Kurses ist es, dass die Teilnehmer ihre eigenen Formen und Ideen entwickeln und ausarbeiten.
Stefan Rosendahl (M.) unterstützt die Teilnehmer bei den ersten Versuchen in der Bildhauerei. Ziel des Kurses ist es, dass die Teilnehmer ihre eigenen Formen und Ideen entwickeln und ausarbeiten. Foto: hko

So ein bisschen sieht es nach professioneller Betätigung aus, was die kleine Gruppe im Außenbereich hinter dem Bürgerhaus in Kinderhaus bearbeitet. Das Seminar „Skulpturen aus Sandstein“ findet direkt neben der großen Baustelle statt, die zur Zeit am Bürgerhaus eingerichtet ist. Die beiden „Arbeitsplätze“ haben allerdings nichts miteinander zu tun. Im Seminar geht es um individuelles künstlerisches Gestalten, auf dem Gelände nebenan um Bauarbeiten.

„Skulpturen aus Sandstein“ und „Die Poesie des Alltäglichen“ sind in dieser Woche die zusammenhängenden Themen der Sommerakademie. Die Veranstaltung des Kulturamtes der Stadt Münster war mit einem einwöchigen Zeichenkursus gestartet. Die Resonanz ist gut. Fast 40 Interessierte haben sich für die beiden Angebote angemeldet.

Dozenten sind in dieser Woche Thomas Gerhards für die Poesie und Stefan Rosendahl für die Bildhauerei. Gerhards hat an der Kunstakademie in Münster studiert und ist Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen. Rosendahl hat nach seiner handwerklichen Ausbildung zum Steinmetz Kunst und Bildhauerei studiert und ist mit seiner Arbeit international unterwegs.

In der „Poesie des Alltäglichen“ stehen künstlerische Strategien im Mittelpunkt, die Situationen und Räume verändern, so heißt es im Flyer zur Sommerakademie. Ein Experimentierfeld, bei dem es nicht um die Bewältigung technischer Herausforderungen geht, sondern um künstlerische Lösungen von Ausdrucksmöglichkeiten. Zum Beispiel Dinge neu zu entdecken.

Das gilt auch für die Bildhauerei. Stefan Rosendahl führt die Teilnehmerinnen – und die ganz wenigen Teilnehmer – an die Grundlagen der Sandsteinbearbeitung heran und vermittelt das Erlebnis, dass es bei der Steinbildhauerei nicht so sehr auf Kraft, sondern auf das Formen mit den beiden Werkzeugen Meißel und Knüpfel ankommt.

Und natürlich auf eigene Ideen und deren Umsetzung. „Es geht um das Entdecken“, sagt Stefan Rosendahl. Wer mit ganz konkreten Vorstellung in das Seminar komme, der werde wahrscheinlich enttäuscht. Und deshalb motiviert er die Hobby-Künstler, „die eigene Form zu entdecken und zu entwickeln“. Seine Erfahrung: Männer arbeiten mit Steinen sehr zielorientiert und sind auf ein Motiv fixiert, das sie umsetzen wollen, Frauen probieren eher etwas aus.

„Lust auf Kunst?“ ist das Thema der Sommerakademie. Und das haben die Mitwirkenden. Die Freude am Experimentieren ist den Hobby-Künstlern anzumerken, alle sind ebenso motiviert wie konzentriert.

Eine Ausstellung im Bürgerhaus zeigt am 9. September – die Eröffnung ist für 17 Uhr geplant – die entstandenen Arbeiten und Fotos von den Arbeitsprozessen.

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