Kinderhauser erinnern sich an die Lepra-Ärztin Ruth Pfau „Das war eine zupackende Frau“

MÜNSTER-KINDERHAUS -

Sie pflanzte in Kinderhaus eine Eiche und wird vielen immer in Erinnerung bleiben.

Von Jan Schneider
Über ihr Wirken in Pakistan berichtete die verstorbene Lepra-Ärztin Ruth Pfau im Mai 2014 im Kinderhauser Bürgerhaus. Martin Gertler, Gründungsmitglied der Ruth-Pfau-Stiftung, führte damals mit der Medizinerin und Ordensfrau auf der Bühne ein Gespräch.
Über ihr Wirken in Pakistan berichtete die verstorbene Lepra-Ärztin Ruth Pfau im Mai 2014 im Kinderhauser Bürgerhaus. Martin Gertler, Gründungsmitglied der Ruth-Pfau-Stiftung, führte damals mit der Medizinerin und Ordensfrau auf der Bühne ein Gespräch. Foto: jans

Das Staatsbegräbnis findet am heutigen Samstag in Karatschi statt. In der größten Stadt Pakistans wird die mit 87 Jahren verstorbene Lepra-Ärztin und Ordensfrau Dr. Ruth Pfau – wie berichtet – auf einem christlichen Friedhof bestattet. Auch in Kinderhaus denken viele Menschen in diesen Tagen an Ruth Pfau.

„Als Persönlichkeit der Lepra-Hilfe war sie immer präsent“, betont Dr. Ralf Klötzer, Vorsitzender der Gesellschaft für Leprakunde, die auch das Kinderhauser Lepramuseum betreibt. „Das war eine zupackende Frau“, so Klötzer weiter.

Ein Foto aus der Geschichte des Lepra-Museums dokumentiert das: Es zeigt die Ärztin 1987 beim Pflanzen der „Siecheneiche“ am Lepra-Museum. Beherzt greift sie zur Gießkanne. Dass ihr Schuhwerk für eine solche Aktion vielleicht ein wenig leicht geraten ist, stört sie nicht.

Charisma

Klötzer schreibt Ruth Pfau einen weltweiten Einfluss auf die Lepra-Hilfe zu. Sie habe „das Charisma der prägnanten Rede“ mit direktem Handeln verknüpft.

Davon konnten sich zahlreiche Kinderhauser und viele Gäste auch beim letzten Besuch Ruth Pfaus im Stadtteil überzeugen. Am 24. Mai 2014 sprach sie auf Einladung der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) im Bürgerhaus.

„Alles, was ich lebe, ist Privatleben“, betonte Pfau damals im Gespräch mit Prof. Dr. Martin Gertler, Gründungsmitglied der 1996 in Münster ins Leben gerufenen Ruth-Pfau-Stiftung. Mit leiser, aber eindringlicher Stimme stellte Pfau damals klar: „Wenn mir das Ordensleben nicht einen Zuwachs an Freiheit gebracht hätte, wäre ich ausgetreten.“

Gründungsmitglied

Auch Dieter Stockhausen , Gründungsmitglied der Gesellschaft für Leprakunde, traf die Verstorbene mehrfach. „Sie konnte die Menschen sehr stark motivieren“, erinnert er sich. Er würdigt besonders Pfaus Haltung, dass niemand allein im Elend zurückgelassen werden dürfe. „Auch wenn man nichts tun kann, aber man muss bei ihnen sein“, sei eine Devise im Handeln der Ärztin gewesen.

Stockhausen, der die Verstorbene erstmals 1962 bei einem Vortrag im münsterischen Lindenhof traf, erinnert sich aber auch an die Beständigkeit, mit der die Nonne und Ärztin ihre Werte einerseits gegenüber der „westlichen Wegwerfkultur“ und andererseits in einem muslimischen Land vertat.

Ruth Pfau wurde 1949 in Leipzig geboren. Sie folgte ihrem Vater in den Westen und studierte in Mainz und Marburg Medizin. 1951 ließ sie sich taufen und trat der evangelischen Kirche bei. 1953 wechselte sie zum Katholizismus. 1957 trat sie in den Orden Kongregation der Gesellschaft der Töchter vom Herzen Mariä ein. Diese Gemeinschaft schickte sie 1960 nach Indien. Dort sollte Pfau als Frauenärztin arbeiten. Wegen eines Visum-Problems blieb sie aber im pakistanischen Karatschi hängen – und half dort fortan in Elendsquartieren Leprakranken, später auch Tuberkulose-Opfern und Blinden. Sie gründete ein Lepra-Fachkrankenhaus, dessen Leitung sie 2013 abgab. Hauptförderer ihrer Arbeit war seit 1961 die DAHW.

Gedenken

Seit 1980 war Pfau in Pakistan Regierungsberaterin im Rang einer Staatssekretärin für das Lepra- und Tuberkulose-Kontrollprogramm. Seit 1996 gilt Lepra in Pakistan als unter Kontrolle. Mit Blick auf die Fortsetzung der Hilfen in diesem Staat betonte Ruth Pfau schon 2014 in Kinderhaus: „Ich habe meine Nachfolger!“

Eine Gedenkveranstaltung für Dr. Ruth Pfau findet am 9. September um 13 Uhr im Pfarrzentrum St. Josef statt. In der Pfarrkirche St. Josef folgt an diesem Tag um 15.30 Uhr ein Gedenkgottesdienst.  

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