Marktallee „Wir brauchen neue Akteure“

Münster-Hiltrup -

Vor dem Bahnhof und an der Marktallee selbst sind große neue Handelsflächen entstanden. Zugleich ist der Leerstand an der Marktallee so hoch wie nie. Ein Überblick.

Von Michael Grottendieck
Ein kunterbuntes Sortiment verspricht der künftige Spielwarenladen „Fiffikus“. Ein wohltuender Anblick im Vergleich zum tristen Leerstand, den es zuhauf gibt.
Ein kunterbuntes Sortiment verspricht der künftige Spielwarenladen „Fiffikus“. Ein wohltuender Anblick im Vergleich zum tristen Leerstand, den es zuhauf gibt. Foto: gro

Neuaufbruch und Stagnation liegen oft eng nebeneinander. Wer wüsste das besser als die Kaufleute an Hiltrups zentraler Einkaufsstraße, der Marktallee. Vor dem Bahnhof und an der Marktallee selbst sind große neue Handelsflächen entstanden. Zugleich ist der Leerstand so hoch wie nie.

Wie passt das zusammen? Diese Frage beschäftigt Makler Stefan Harling tagtäglich. „Hiltrup hat ein großes Potenzial“, sagt er. „Hiltrup wächst, aber warum wächst der Einzelhandel nicht mit?“ Märkte wie Kodi und Wiewel, das ist bekannt, sind zum Bahnhof gezogen. Etwas Neues ist bislang nicht nachgefolgt.

„Es sind zu viele neue große Flächen entstanden“, kritisiert Oliver Ahlers, Sprecher des Wirtschaftsverbundes, den Ausbau der Handelsflächen. In Höhe des ehemaligen Wiewel-Marktes warten gleich zwei Bestandsimmobilien und ein Neubau auf eine Nutzung.

Zugleich sind die Deutsche Bank, Sportivo und Miss Sporty, ein Tattoo-Geschäft, die Reinigung und der Weinkeller verschwunden. Eine Wiederbesetzung klappt nicht immer sofort.

Leerstand hat viele Gesichter. Makler plakatieren auf kompletter Fensterfront. Daneben gibt es leergeräumte Ladenlokale, denen nicht mehr anzusehen ist, was dort früher einmal stattfand. Leerstand versteckt sich hinter Baugerüsten, wenn Neubauten nicht fertig werden. Er macht sich unsichtbar, wie bei Annettes Weinkeller. Hier erkennt der Flaneur erst auf dem zweiten Blick, dass nur noch telefonische Order möglich ist.

Zugleich tut sich einiges, was gerne übersehen wird. Der Textiler Ernstings Family hat sich vergrößert und setzt positive Impulse. Verschiebungen hat es durch das Ärztezentrum (im ehemaligen Markant-Markt) und das Clemens Carré gegeben. Neu hinzu gekommen sind Friseurgeschäfte, Apotheken, eine Damenschneiderei, ein orientalischer Lebensmittelmarkt und die Fleischerei Philipp Büning. Vor der Neueröffnung steht der „Asia Quick 4“, ein Restaurant mit online Lieferservice.

In wenigen Tagen kommt das Spielwarengeschäft „Fiffikus“ hinzu, das schon jetzt Tagesgespräch ist. Das Fahrradgeschäft Hölscher hat einige Quadratmeter abgetreten. Am 18. Januar wird die gemeinsame Ladenfläche eröffnet. Dieser Neuaufbruch steht symptomatisch für das, was im Bereich zwischen Clemenskirche und Westfalenstraße positiv in Bewegung geraten ist. „Das wurde auch Zeit“, sagt Thomas Hölscher.

Weitere Impulse könnte die Mitte gebrauchen. „Wir müssen sehen, dass wir die Marktallee lebendig erhalten“, sagt Angelika Schmuck von der Hiltruper Buchhandlung. Die Kaufleute spüren längst, was jetzt auch im jüngsten Handelsimmobilienreport der Wirtschaftsförderung Münster zu lesen ist: Die Passantenfrequenz ist im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig. 612 Passanten wurden zuletzt pro Stunde gezählt.

Was könnte helfen? Weitere „neue Akteure“, wie Stefan Harling sagt. Der „Fiffikus“ könnte für einen hoffnungsvollen Start ins Jahr 2018 stehen.

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