Schüler gestalten Karnevalswagen
Ist das Kunst oder kann das weg?

Münster-Hiltrup -

Mit der Skulpturenausstellung des vergangenen Sommers haben sich Schüler eines Kunstkurses am KvG-Gymnasium kritisch auseinandergesetzt. Das Ergebnis wird im münsterischen Karneval präsentiert.

Donnerstag, 21.12.2017, 20:12 Uhr

Von Hand modelliert werden die Mülltonnen, in denen Objekte der Skulpturen Projekte 2017 verschwinden. In Kürze erhält alles einen farbigen Anstrich, damit die Kunstwerke an dem Karnevalswagen der Narrenfreunde richtig etwas hermachen.
Von Hand modelliert werden die Mülltonnen, in denen Objekte der Skulpturen Projekte 2017 verschwinden. In Kürze erhält alles einen farbigen Anstrich, damit die Kunstwerke an dem Karnevalswagen der Narrenfreunde richtig etwas hermachen. Foto: gro

Es geht um Kunst, es geht um Karneval . Kunsterzieher Michael Rickert spricht jedoch mit Leidenschaft über das Smartphone. Nicht über sein eigenes, sondern über die Handy-Nutzung, die allgemein den Alltag seiner Schüler prägt. Denn ohne Handy geht bei den meisten von ihnen nur noch wenig.

Grundsätzlich ist das Handy zunächst einmal ein Bildschirm und damit eine Fläche. Was auf dem Handy passiert, ist damit zweidimensional. Wenn es aber – wie nun im Kunstunterricht – darum geht, eine Skulptur zu erschaffen, kommt die dritte Dimension mit ins Spiel. Das erfordert so Dinge wie handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen und einen Sinn für Proportionen und Größenverhältnisse. „Unser Projekt ist eine wunderbare pädagogische Maßnahme gegen das Smartphone“, resümiert Rickert.

Es war auch eine Einführung in handwerkliches Arbeiten: Der Umgang mit Hammer, Bohrer und Säge war für viele tatsächlich Neuland. Bevor die elektrische Klammerpistole eingesetzt werden durfte, „gab es einen Sicherheitskurs“, erzählt Rickert und schiebt hinterher: „Die Schüler lernen schnell.“

Und schließlich: Das Projekt erfordert die Bereitschaft der Schüler, ständig neue Entscheidungen zu treffen. Das fing bereits im Sommer an, als sich die Kursmitglieder (Jahrgangsstufe 10) in die 600 000 Besuch der Skulpturen Projekte 2017 einreihten und sich zu fragen hatten: „Was ist ein Kunstwerk, das mir gefällt? Was gehört eher in die Mülltonne?“ Sie hatten somit die alte – und immer neue – Frage zu beantworten: „Ist das Kunst oder kann das weg?“

Es ist kein Geheimnis, dass die Schüler von den neuen Skulpturen nicht sonderlich angetan waren. Was aber nichts macht, denn genau das passt ins Thema: Die Schüler haben die Aufgabe künstlerisch darzustellen, wie Kunst in die Tonne wandert.

Das ist eine Aufgabe, die für sich genommen in jedem Kunstunterricht an einer Schule in Münster gestellt werden könnte. Nicht so im Kunstkurs der Jahrgangsstufe zehn von Michael Rickert. Bei ihm darf es gerne etwas Besonderes sein.

Die Schüler werden – dank der Kontakte zu den Akteuren der Hiltruper Narrenfreude um Stefan Harling, Falk Westerholt und Oliver Schmidt – einen Karnevalswagen gestalten. Das rollende Gefährt der Narrenfreude wird mit den Kunstwerken der Schüler bestückt. Im neuen Jahr werden sie mit dem Lackieren der Objekte beginnen.

Mehrfach wird der Wagen zum Einsatz kommen und vermutlich von vielen tausend Menschen bewundert werden.

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