Klaus Brinkbäumer
Eine Reise durch Amerika

Münster-Hiltrup -

Klaus Brinkbäumer, der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, kam bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr in den Kulturbahnhof. Dieses Mal las er aus unveröffentlichten Manuskripten seines Amerika-Buches.

Mittwoch, 13.12.2017, 20:12 Uhr

Klaus Brinkbäumer, der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, kam bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr in den Kulturbahnhof.
Klaus Brinkbäumer, der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, kam bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr in den Kulturbahnhof. Foto: gro

„Ich weiß gar nicht“, sagt Klaus Brinkbäumer mit einem leichten Zögern, ehe er zu einem überraschenden Geständnis ansetzt, „ob meine Eltern wissen, dass ich eine Nacht in einem Gefängnis verbracht habe.“ Die Antwort seiner Eltern geht im Kulturbahnhof unter. Zu lebhaft ist die Reaktion des Publikums.

Fast dreißig Jahre ist das her. Noch nicht einmal eine Jugendsünde. Auf einer Party am Rande der San Diego State University hatte der junge Student nicht schnell genug das Weite gesucht, als frühmorgens die Polizei anrückte. Die Lektion, die er lernte: Amerika ist ein Polizeistaat.

Dennoch hat Klaus Brinkbäumer immer wieder Amerika besucht, er hat dort gearbeitet und Steuern bezahlt. Amerika ist sein großes Thema – ähnlich wie der frühere Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust sich mit dem Terror im Deutschen Herbst 1977 befasst. Als Korrespondent in New York war Brinkbäumer von 2004 bis Ende 2010 für das Hamburger Nachrichtenmagazin tätig, ehe er in die Chefredaktion berufen wurde, die er nun seit annähernd drei Jahren leitet. „Der Job meines Lebens“, sagt Brinkbäumer über die New Yorker Zeit. Im tiefsten Innern ist er ein leidenschaftlicher Reporter geblieben.

Nun sitzt er zum zweiten Mal in diesem Jahr auf der Bühne im Kulturbahnhof und kündigt an, aus dem Manuskript eines Buches lesen zu wollen, an dem er aktuell schreibe. Brinkbäumer nimmt die Leser mit auf eine Reise durch Amerika. Gleich zu Beginn geht es zu Donald Trump . Allerdings nicht ins Weiße Haus. Die Begegnung liegt zehn Jahre zurück. Trump hat kaum Zeit, die Geschäfte rufen (oder ist es der Friseur?). „In erster Linie Sohn und Erbe, ansonsten dreist und schroff“, notierte Brinkbäumer.

Auch von Rosa Parks erzählt Brinkbäumer, jener Afroamerikanerin, die 1955 in Alabama verhaftet wurde, weil sie sich weigerte, ihren Sitzplatz für einen weißen Fahrgast zu räumen. Das war der Anstoß für die Bürgerrechtbewegung um Martin Luther King. Bernard James von den Dallas Mavericks begegnet Brinkbäumer in der Umkleide. „Der gierigste Sportler der Welt“, schreibt er über ihn. Und da ist noch Sheriff Joe Apajo in Phoenix in Arizona, der niemals fragte, sondern die Leute gleich einsperrte. Vorzugsweise Latinos. Präsident Trump hat ihn jüngst begnadigt, weil er, wie er sagte, ein Held sei. Das alles ist Amerika und hört sich unglaublich spannend an. Regelmäßig gibt es Applaus. Brinkbäumer ist ein begnadeter Erzähler.

Ob es Fragen gebe?, wendet sich der Autor bereits nach den ersten Episoden ans Publikum. „Ansonsten lese ich weiter, bis Sie nicht mehr können.“ Da hebt sich eine Hand. Warum er gerade jetzt diese Geschichten zu einem Buch zusammenschreibe, will eine Frau wissen.

Jeder spüre, wie die Dinge in der Welt in Bewegung seien, sagt Brinkbäumer. Radikal hätten sich die außenpolitischen Beziehungen Amerikas und Europas verändert. Europa, so viel sei klar, dürfe sich künftig nicht mehr darauf verlassen, dass die USA die Probleme der Europäer lösen.

„Es geht um die Frage, ob Europa handlungsfähig ist“, sagt Brinkbäumer. In dem Buch sind zwei Kapitel den aktuellen Herausforderungen gewidmet. Im Frühjahr wird es erscheinen.

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