Sinkende Wasserstände
Droht der Hiltruper See auszutrocknen?

Münster-Hiltrup -

Der Hiltruper See droht auszutrocknen. Die Wasserstände sind so tief wie nie, klagen Kenner des See. Die Stadtwerke, die in der Hohen Ward Grundwasser fördert, sieht keinen Grund für einen Alarm, will aber gleichwohl Maßnahmen ergreifen.

Montag, 11.12.2017, 10:12 Uhr

In seinem südlichen Teil beginnt der Hiltruper See regelrecht zu verlanden. In diesem Bereich ist er nie besonders tief gewesen. Daher macht sich dort der gesunkene Wasserspiegel besonders bemerkbar.
In seinem südlichen Teil beginnt der Hiltruper See regelrecht zu verlanden. In diesem Bereich ist er nie besonders tief gewesen. Daher macht sich dort der gesunkene Wasserspiegel besonders bemerkbar. Foto: gro

Es war noch Herbst, da kündigte die Stadt Baumschnittarbeiten an, die auf der „schmalen, dammartigen Insel im Hiltruper See“ stattfinden sollten. Der aufgeschichtete Berg aus Ästen und Baumstämmen zeugt noch heute davon, dass diese Arbeiten stattgefunden haben. Wer jedoch am Hiltruper See spazieren geht, fragt sich unweigerlich, von welcher Insel die Stadt gesprochen hat. Es gibt keine Insel am Hiltruper See. Die gab es mal, ja, aber daraus ist eine Landzunge geworden.

Seit Jahren beobachtet Hubert Helterhoff , wie der Wasserstand immer weiter sinkt. Immerhin seit 40 Jahren angelt er auf dem See, Extensiv, wie er betont. „Man sieht uns kaum. Wir sind nur drei Leute.“

Sinkende Pegel

Zum Wasserstand sagt Helterhoff, dass er aktuell um 80 Zentimeter niedriger gegenüber dem Stand von vor fünf Jahre liege. Im Vergleich zum Jahr 2000 hätte der Pegel um über einen Meter abgenommen. Die Folgen sind offenkundig: Die „Insel“ ist mittlerweile fußläufig das gesamte Jahr zu erreichen.

Sinkende Pegel bedeuten aus seiner Sicht steigende Wassertemperaturen – mit Folgen für das ökologische Gleichgewicht. So gehörten die Algen an der Wasseroberfläche bis in den Herbst zum Erscheinungsbild des Sees. „Erst mit der Kälte sanken sie zu Boden“, hatte der ehemalige Direktor des Hotel Krautkrämer, Kay Plesse, beobachtet.

Ungünstige Vorzeichen

Helterhoff vermutet, dass die Trinkwassergewinnung durch die Stadtwerke nicht ohne Einfluss auf den Wasserstand bleibt. Der See verfügt über einen Grundwasseranschluss. Wenn die Wasserstände künftig weiter so strapaziert werden, so ist sich Helterhoff sicher, werde der See austrocknen. Und die Vorzeichen sind aus seiner Sicht nicht gut.

Denn wenn die Stadtwerke sich – wie angekündigt – bei der Trinkwasserförderung künftig auf die Wasserwerke Sprakel und Hohe Ward konzentrieren werden, steigen zwangsläufig die Fördermengen. „Die Stadtwerke geben Fakten zu den jährlichen Fördermengen nicht preis.“

Immerhin, was das Wasserrecht vorsieht, erläutert Florian Adler, Sprecher des Unternehmens, gerne. Jährlich dürfen die Stadtwerke insgesamt sieben Millionen Kubikmeter in der Hohen Ward fördern. 1,5 Millionen Kubikmeter dürfen aus natürlichem Grundwasser stammen. Der Rest müsse angereichert werden. Bei den tatsächlichen Fördermengen bleibt er vage. Nur so viel: „2017 war es etwas weniger als 2016.“ Und: „Es liegt auch in unserem Interesse, den Grundwasserleiter nicht leer zu saugen.“

Handlungsbedarf 

Offensichtlich sehen die Stadtwerke Handlungsbedarf. Sie wollen jetzt zusätzliche Anreicherungsbecken in Nachbarschaft des Hiltruper See anlegen. „Wir wollen mehr Wasser im Westen der Hohen Ward versickern lassen. Das verringert in Richtung des Hiltruper Sees den Einfluss der Förderung auf den Grundwasserstand.“

Grundsätzlich, so betont der Unternehmenssprecher, sei der Wasserstand des Sees „nicht außergewöhnlich, aber auch nicht alltäglich“. „Schwankungen bis zu einem Meter sind immer zu beobachten gewesen.“

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