Neue Ausstellung zeigt über kleine Technikwunder Ein Museum unter Dampf

Münster-Hiltrup -

Über 70 kleine Technikwunder stellen der Hiltruper Ulrich Möllers und das Wolbecker Vater-Sohn-Gespann Karl-Heinz und Sven Schapmann im Hiltruper Museum aus. Los geht es am Sonntag (29. November) ab 15 Uhr.

Von Markus Lütkemeyer
Noch etwas Öl, dann läuft es wie geschmiert. Ulrich Möllers (v.l.), Hans Muschinski, Karl-Heinz Schapmann und Sven Schapmann bereiten alles für die Ausstellungseröffnung vor.
Noch etwas Öl, dann läuft es wie geschmiert. Ulrich Möllers (v.l.), Hans Muschinski, Karl-Heinz Schapmann und Sven Schapmann bereiten alles für die Ausstellungseröffnung vor. Foto: mlü / colourbox.com

Ulrich Möllers dreht an einem Ventil, es faucht – und plötzlich kommt Bewegung in die zahllosen Dampfmaschinen auf dem Tisch. Kolben zucken gleichmäßig vor und zurück. Schwungräder nehmen Fahrt auf. Keilriemen surren auf den Antriebswellen. Ein Fliehkraftregler dreht sich wild im Kreis. Als hätte jemand die Maschinen beim Müßiggang erwischt, schnurren und rattern sie jetzt alle umso geschäftiger. Ein hypnotischer Anblick.

Über 70 kleine Technikwunder stellen der Hiltruper Ulrich Möllers und das Wolbecker Vater-Sohn-Gespann Karl-Heinz und Sven Schapmann im Hiltruper Museum aus. Los geht es am Sonntag (29. November) ab 15 Uhr. Die drei Technik-Fans sind schon seit Jahren der Faszination der Dampfmaschinen erlegen und loten dabei jeden Aspekt der Technologie aus. So haben sich etwa die Schapmanns auf die Geschichte der Dampfmaschinen spezialisiert. Sie zeigen dampfgetriebene Modelle von historischen Werkhallen sowie mechanische Webstühle. Erstaunlich ist ein Ventilator, der mit einem Sterling-Motor angetrieben wird.

Museumsleiter Hans Muschinski hat es besonders eine Replik des so genannten Heron-Balls angetan. „Das müssen Sie sich ansehen!“ Alt-Historikern ist diese antike Maschine aus dem 3. Jahrhundert vor Christus ein Begriff: Oben befindet sich eine Kugel, die drehbar gelagert ist. Wird das Wasser in der Kugel von unten erhitzt, tritt der Dampf aus zwei Düsen an der Kugel aus – sie dreht sich. Die einfache, aber erstaunliche Maschine beweist, dass bereits in der Antike über Dampfkraft nachgedacht wurde. Warum ging das Zeitalter der Industrialisierung dann nicht früher los? „Es gab in der Antike keinen Bedarf für diese Maschinen“, sagt Karl-Heinz Schappmann. „Es gab ja genügend Sklaven, die schwere Arbeiten verrichten mussten.“

Sohnemann Sven Schapmann hat eine ganz besondere Beziehung zum Dampf – er war früher zuerst Heizer, dann Lokomotivführer für die WLE. „Ich bin gewissermaßen von den großen Maschinen zu den Kleinen gekommen.“ Demnächst stellt er dem Maxi-Park in Hamm seine Garten-Lok zur Verfügung – außerdem restauriert er dampfgetriebene wie tonnenschweren Straßenbaumaschinen.

Ulrich Möllers Steckenpferd sind dampfgetriebene Spielzeuge. „Einmal ist uns ein Modellschiff explodiert, ein Freund ist schnell in den Pool gesprungen und hat das Wrack geborgen“, schmunzelt er. Der Kessel hatte einen Haarriss, Gas trat aus, sammelte sich im Rumpf. Dann krachte es.

Zur Sicherheit werden im Museum alle Modelle nur mit Druckluft betrieben. „Bei gutem Wetter geht es nach draußen und wir nehmen Kohle zum Befeuern“, verspricht Sven Schapmann.

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