Schule trifft Karneval Kunst für die Tonne

Münster-Hiltrup -

KvG-Schüler gestalten Karnevalswagen und gehen mit den Skulptur-Projekten 2017 kritisch ins Gericht. Was dabei herauskommt wird, wird man im Straßenkarneval 2018 erleben können.

Von Michael Grottendieck
Kunstschüler am KvG-Gymnasium, Kunsterzieher Michael Rickert und die unArtigen „Narrenfreunde“ Falk Westerholt, Oliver Schmidt und Stefan Harling versprechen eine kritische Auseinandersetzung mit den Skulptur Projekten 2017.
Kunstschüler am KvG-Gymnasium, Kunsterzieher Michael Rickert und die unArtigen „Narrenfreunde“ Falk Westerholt, Oliver Schmidt und Stefan Harling versprechen eine kritische Auseinandersetzung mit den Skulptur Projekten 2017. Foto: gro

Die Skulptur Projekte 2017, so zieht der bildende Künstler und KvG-Kunsterzieher Michael Rickert eine erste Bilanz, tat sich nicht gerade „mit einer glänzenden Bestückung“ hervor. „Es war nicht alles schlecht, vor allem aber: Es war nicht alles gut, was zu sehen war.“

Getreu der alten Frage: „Ist das Kunst oder kann das weg?“, die immer aufgeworfen wird, wenn es um moderne Kunst geht, die sich nicht aus sich selbst heraus erklärt, geht der Kunsterzieher an eine Aufarbeitung der Ausstellung. Die lockte 600 000 Besucher nach Münster, lud aber nicht zu kontroversen Diskussionen ein. Von Skandalen ganz zu schweigen.

An die konkrete Arbeit macht Rickert sich gemeinsam mit einem Kunstkurs der Jahrgangsstufe zehn. Das allein klingt schon ambitioniert. Das unerhört Spannende verspricht dabei die Präsentation zu werden.

Sie wird in Kooperation mit den „Hiltruper Narrenfreunden“ möglich: Die Ergebnisse werden auf der Straße präsentiert vor einem riesigen Publikum – auf den vier großen Karnevalsumzügen in Hiltrup, Münster, Wolbeck und Amelsbüren.

Die „Narrenfreunde“ stellen ihren bekannten „Narrenflieger“ zur Verfügung, der 2014 als erster Motivwagen im münsterischen Karneval für Furore sorgte. Der Wagen wird vorsichtig überarbeitet. Das sympathische Gesicht bleibt selbstverständlich erhalten.

Doch dann kommt es knüppeldicke – und es wird deutlich, warum die „Hiltruper Narrenfreunde“ als „unArtige Narren“ auftreten. An beiden Längsseiten werden 14 Restmüll-Tonnen aufgehängt, in die alle jene Kunstgegenstände der Skulptur Projekte kommen, die es aus ihrer Sicht nicht anders verdient haben. „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Die Frage lässt sich in mindestens 14 Fällen offenbar klar beantworten.

Um sich ein eigenes Bild von den Skulptur Projekten 2017 zu verschaffen, ist der gesamte Kunstkurs einen Tag lang kreuz und quer durch die Stadt gefahren. Sie haben Kunstwerke erkunden, die es wert waren, angekauft zu werden. Sie haben auch die diesjährigen Arbeiten inspiziert. „Mit einer tollen Treffsicherheit haben sie herausgefunden, was Mist ist“, berichtet Rickert. „Dieser Mist kommt nun in die 14 Tonnen.“

Es geht dem Kunsterzieher nicht um den bloßen Verriss. Es entstehen 14 autonome Kunstwerke. Jede einzelne Skulptur, die in die Tonne geht, wird zu einem eigenen Kunstwerk – das selbstverständlich auch im Fach Kunst benotet wird.

„Durch die Kooperation mit einem Künstler wie Michael Rickert stellen wir unser Thema auf ein solides Fundament“, sagt Oliver Schmidt, der gemeinsam mit Falk Westerholt und Stefan Harling den Schülern bei ihrer Arbeit über die Schulter blickte. Den Kontakt hatte Stefan Harling hergestellt, der einst Schüler von Rickert war. Ganz nebenbei verfolgen die Narrenfreunde das Ziel, junge Leute zum Straßenkarneval zu locken.

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