Sreit vor Gericht Die Boulebahn darf bleiben

Münster-Hiltrup -

Das Verwaltungsgericht Münster hatte zu entscheiden, ob die Errichtung einer Boulebahn im Hiltruper Museumspark rechtens ist. Möglicherweise beschäftigt der Streit bald die nächst höhere Instanz.

Von Markus Kampmann
Die Boulebahn im Museumspark war am Freitag Zankapfel vor dem Verwaltungsgericht: Ein Anwohner verlangte die Aufhebung der Baugenehmigung.
Die Boulebahn im Museumspark war am Freitag Zankapfel vor dem Verwaltungsgericht: Ein Anwohner verlangte die Aufhebung der Baugenehmigung.

Der Anwohner des Hiltruper Museumsparks hat die Nase gestrichen voll, genauer: die Ohren. „Alle zwei Minuten wird da geschrien. Das ist es, was mich gewaltig stört“, sagte er am Freitag vor dem Verwaltungsgericht . Dorn im Auge ist ihm die Boulebahn. Deshalb hatte er gegen die Baugenehmigung geklagt.

Der Kläger bewohnt ein Mehrfamilienhaus am Rande des Spielplatzes, zu dem die Boulebahn gehört. Vor Gericht schilderte er, dass er weniger mit dem Klackern der Kugeln ein Problem hat. Viel lauter seien die Gespräche über das Spiel und vor allem die Freuden- oder Enttäuschungsrufe. Und gespielt werde von diversen Gruppen an warmen Tagen vor- wie nachmittags.

„Ich würde gerne auf dem Balkon sitzen, ein Buch oder Zeitung lesen, aber das geht nicht“, sagt der Anwohner. Er habe bereits mit allen Gruppen gesprochen und um Rücksichtnahme gebeten, ohne nachhaltigen Erfolg. Nach fast zwei Jahren habe er es aufgegeben. „Ich bin heute hier, um meine Lebensqualität wiederzubekommen“, so der Kläger.

Er fordert, die Baugenehmigung, die das Bauordnungsamt dem ebenfalls städtischen Grünflächenamt erteilt hat, aufzuheben. Zur Begründung führen der Anwohner und sein Anwalt ins Feld, dass die Anlage vornehmlich von Erwachsenen genutzt werde und es sich nicht um einen Spielplatz, sondern eine unzulässige Sportanlage handele.

Anders sieht das die Stadt: Die Boulebahn sei gegenüber dem Spielplatz untergeordnet und keine Sportanlage, die Spielfläche für Kinder stehe im Vordergrund. Dem stehe auch nicht entgegen, dass die Bahn überwiegend von Erwachsenen genutzt werde. Auch Lärm-Grenzwerte würden nicht überschritten.

Schon in der Erörterung machte der Richter deutlich, dass es schwierig sei, gegen Kinderspielplätze vorzugehen. Er appellierte an die Parteien, einen Kompromiss zu finden, etwa durch die Ausweisung von Nutzungszeiten und Schildern, die zur Rücksichtnahme auffordern.

„Da steht ein Schild“, erwiderte der Kläger, „Schilder nützen gar nichts.“ Ihm reiche auch die Begrenzung der Nutzungszeiten nicht. „Diese Bouleanlage gehört zur Sportanlage Süd“, forderte er eine Verlagerung. Auch sein Anwalt beharrte darauf, dass hier ein Spielplatz genehmigt und „ganz bewusst eine Boulebahn für Erwachsene gebaut“ worden sei: „Das ist unzulässig.“

Dem aber folgte der Richter nicht: Hier handele es sich um eine „wassergebundene Spielfläche“ vorzugsweise für schulpflichtige Kinder, die neben Boule auch für andere Spiele genutzt werden könne. Dass sie für Erwachsene bestimmt sei, ließe sich den Unterlagen nicht entnehmen. Und ob dort vor allem Erwachsene spielen, sei eine Frage der tatsächlichen Nutzung, nicht der Baugenehmigung. Die sei bauordnungsrechtlich legal. Auch hätten die Messungen keinen unzumutbaren Lärm ergeben. So sah der Richter keine andere Möglichkeit, als die Klage abzuweisen. Wohlwissend, dass der Streit damit nicht vom Tisch sein dürfte, sondern wohl noch das Oberverwaltungsgericht beschäftigen wird.

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