Vergessenes katholisches Jugendzentrum an der Ems „Auf nach Fuestrup“: Erinnerungen an ein Kinderparadies

Münster-Gelmer -

Mit seinem Buch über ein vergessenes katholisches Jugendzentrum an der Ems traf der Autor Heinz-Ulrich Eggert auf breite Resonanz. Nun stellte er „Auf nach Fuestrup!“ in unmittelbarer Nachbarschaft vor: als Gast der Heimatgruppe Gelmer.

Von Reinhold Kringel
Heinz-Ulrich Eggert (l.) stellte als Gast der Heimatgruppe sein Buch vor; Obmann Klemens Lindenblatt bedankte sich für den Vortrag
Heinz-Ulrich Eggert (l.) stellte als Gast der Heimatgruppe sein Buch vor; Obmann Klemens Lindenblatt bedankte sich für den Vortrag. Foto: Reinhold Kringel

„Auf nach Fuestrup!“ nennt der Autor Dr. Heinz-Ulrich Eggert seinen geschichtlichen Rückblick auf die Christophorus-Kapelle an der Ems, wo in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts die katholische Jugend ein Landheim erbaut hatte , in dem sich arme Kinder aus Münster erholen durften. Der Autor berichtete als Gast der Heimatgruppe Gelmer vor vielen Zuhörern in der Mehrzweckhalle von seinen eigenen Erinnerungen und von seinen Nachforschungen – die in der Veröffentlichung dieses Buches mündeten.

Reste der ehemaligen Kapelle in den Fuestruper Bergen Foto: Günter Benning

Der ehemalige Studiendirektor am Wilhelm-Hittorf-Gymnasium bezeichnete den Ort an der Grenze zwischen Münster und Greven als „Spiegel der deutschen Geschichte“: Hier seien viele junge Katholiken tätig gewesen. Unter anderem auch Karl Leisner, der im KZ Dachau interniert war und 1996 von Papst Johannes Paul II. im Berliner Olympiastadion selig gesprochen wurde.

Der Heinz-Ulrich Eggert hatte sich auf eine mühsame Spurensuche begeben und im Stadtarchiv Greven einen Bauantrag von 1931 für die Christophorus-Kapelle gefunden. In den besten Zeiten besuchten 70 bis 90 Besucher pro Tag den Ort, der auch ein kleines Kinderparadies für Jungen und Mädchen war – mit Schwimmen in der Ems und Bootfahren.

Entwurf der Christophorus-Kapelle Foto: Günter Benning

Nach der Machtergreifung Hitlers wurde alles anders, den Katholiken wurde nur noch ein rein religiöses Programm erlaubt; alles andere, was Jugendliche fasziniert, war allein der Hitler-Jugend vorbehalten. Die katholischen Jugendführer wurden verhaftet, der Kollaboration mit Kommunisten bezichtigt und des Hochverrats angeklagt. Der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, nahm in seiner Predigt von Xanten darauf Bezug und sprach von einer „neuen Christenverfolgung“.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte die katholische Jugend in den „Waldesdom“ zurück und feierte Messen in den von Nachbar Bauer Thiemann geretteten liturgischen Gewändern. Das Motto lautete: „Zurück nach Fuestrup!“ 1958 kam dann das endgültige Aus für den Ort, als die Umgebung zum militärischen Übungsgelände erklärt wurde. Danach verfielen die Gebäude. Heute sind nur noch spärliche Reste davon im Gestrüpp zu finden.

Zum Thema

„Auf nach Fuestrup! Der Fall des vergessenen Jugendzentrums in den Fuestruper Bergen“ von Heinz-Ulrich Eggert, ist in der Reihe „Kleine Schriften aus dem Stadtarchiv Münster“ beim Aschendorff Verlag erschienen, 238 Seiten, ISBN 978-3-402-13118-3, 19,80 Euro

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