Musiktalent Stimme und Waldhorn

Münster-Gievenbeck -

In der Jury sitzen Kenner wie Jane Comerford (Sängerin bei „Texas Lightning“, Natalie Horler von „Cascada“ und Giovanni Zarrella (ehemals Sänger bei „Bro‘Sis“). Aus 100 ausgewählten Chören schaffte es der „Junge Chor Münster“ in die Top-Ten der Sendung „Der beste Chor im Westen“ beim WDR. Das ist auch der Verdienst der erst elfjährigen Sängerin Mathilde Wesselmann.

Von Peter Sauer
Mathilde probt mit ihrem Waldhorn am Liebsten in der Hänge-Schaukel.
Mathilde probt mit ihrem Waldhorn am Liebsten in der Hänge-Schaukel. Foto: Peter Sauer

Ihr „Vater Unser“ auf Kisuaheli überzeugte: Bei der WDR-TV-Sendung „Der beste Chor im Westen 2017“ steht mit dem „Jungen Chor Münster“ nicht nur eine münsterische Formation im Halbfinale, sondern auch eine elfjährige Sängerin aus Gievenbeck im Fokus.

Mathilde Wesselmann begeisterte zum Beispiel Jurymitglied Giovanni Zarrella („Bro‘Sis“). Er sei „völlig platt“ gewesen über ihren „schönen Gesang“ und zähle Mathildes Auftritt zu seinen „Top-10-Erlebnisse“, berichtet Mathildes Vater Harald Berger . Die Gievenbeckerin zeigte ihr Können auch schon bei anderen Auftritten, ob im Chor oder im Duett mit ihrem Vater: klarer und einfühlsamer Gesang mit schwungvoller Bühnenpräsenz. Dazu spielt sie Klavier ihr geliebtes Waldhorn.

Bereits seit ihrem zweiten Lebensjahr singt Mathilde. Geschult wird sie zu Hause von ihrem Vater Harald Berger. Der hat sich als DiplomMusikpädagoge, Komponist, Musicalautor und Chorleiter einen Namen gemacht. Er begleitet seine Tochter an der Gitarre.

Die spielt Mathilde auch selbst. Schon mit sechs Jahren begann sie mit dem Unterricht. „Für das Lehrbuch braucht man normalerweise zwei bis drei Jahre“, sagt ihr Vater stolz, „Mathilde hat das in nur einem Jahr geschafft.“

Auch bei der Stimmbildung und beim Atemtraining hängt sie sich voll rein: „Ich finde es interessant, wie viele Töne man hinkriegt, wenn man aus dem Zwerchfell Luft holt.“ Falsches Atmen und Pressen, was man öfter bei der „Deutschland sucht den Superstar“ erleben könne, ist für sie tabu.

Während ihrer Grundschulzeit hatte sie beim Schul-Casting Pech. „In der Wartburg-Schule wollen jedes Jahr 16 von 20 Kindern singen. Doch es werden immer nur acht Kinder genommen.“ Viermal nacheinander wurde Mathilde nicht ausgelost. „Also während meiner gesamten Grundschulzeit“, seufzt sie. Das wurmt sie noch heute, hält sie aber nicht davon ab, weiter an sich zu glauben und regelmäßig zu üben.

Mit ihren Vater Harald Berger feilt Mathilde regelmäßig an ihrer Stimme. Foto: Peter Sauer

Obwohl die Elfjährige wenig Französisch kann und kein Kisuaheli, singt sie in beiden Sprachen. Wie macht sie das, ohne die Sprachen zu kennen? „Mathilde kann sehr gut nachsprechen und auswendig lernen“, erklärt ihr Vater. Das ist auch bei englischen Liedern ähnlich, denn viele Wörter und Ausdrücke kannte sie vom Englisch-Unterricht in der Schule noch nicht.

Seit sie neun Jahre alt ist singt sie auch beim „Junger Chor Münster“ mit, dessen ältestes Mitglied 30 Jahre alt ist. „Da habe ich kein Problem mit“, sagt Mathilde, „ich finde es toll, wenn sich mehrere Stimmen mischen“. Und so erfolgreich, dass der Chor beim sechsten Erwitter Kinder- und Jugendchor-Wettbewerb mit Grönemeyers „Mambo“ den Preis für die beste Pop-Interpretation gewann.

Bei alledem ist die Gievenbeckerin ein ganz normales Mädchen geblieben. Mathilde spielt gerne Monopoly, schmust mit Kater Othello, hat die Harry Potter-Bücher „verschlungen“ und ist bei den „Go Flamingos“ in Roxel Cheerleaderin. „Ich höre sehr gerne Justin Bie­ber.“ Nur als Mensch mag sie den US-Popstar nicht so: „Auch weil der nachts offenbar Autorennen fährt.“ Da schätzt sie schon mehr die Popsängerinnen Lena oder Selena Gomez.

Mit Waldhorn und Gitarre spielen sich Vater und Tochter ein. Foto: Peter Sauer

Singen prägt Mathildes Alltag. Wenn ein tolles Lied im Radio läuft, singt die Elfjährige es sofort mit. „Manchmal bleibe ich auch im Auto, wenn das Lied noch dran ist, während meine Mutter zum Beispiel schon im Supermarkt ist.“ Manche Musik-Hits ihrer Generation, findet sie dagegen nicht so gut, da sie arm an Höhepunkten seien.

Ihre berufliche Ziele kennt die Elfjährige auch schon: „ Ich will Sängerin werden und im Fernsehen bei der Vox-Sendung „The Voice-Kids“ auftreten.“ Und wenn das nicht klappen sollte? „Dann will ich Lehrerin werden. Für Musik, Englisch, Mathe und Sport – weil das meine Lieblingsfächer sind.“

Für Mathilde Wesselmann ist Singen mehr als nur Gesang: „Wenn ich Druck habe, etwa vor Klassenarbeiten, da fange ich beim Üben an zu singen, und dann geht es mir besser. Singen ist einfach sehr entspannend.“

So blickt die Elfjährige relativ locker dem Halbfinale bei „Der beste Chor im Westen“ entgegen. Zwei Tage ist sie dazu in Köln. Am 8. Dezember ab 20.15 Uhr kann jeder Zuschauer während der Live-Sendung im WDR-Fernsehen für Mathilde und den „Jungen Chor“ voten. Bis dahin übt die Gievenbeckerin noch fleißig in ihrem Hängesitz. Leicht locker schaukelnd.

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