Fußball „Fußball ist einfach mein Leben“

Münster-Gievenbeck -

Erst Gievenbeck, später Lotte und Bochum: Ismail Atalan kennt sich als Spieler und Trainer mit Fußball gut aus. Am Dienstag stand er jungen Nachwuchskickern in Gievenbeck im Rahmen eines Ferienkurses des „Talentschuppens“ Rede und Antwort. Und gab fleißig „Ballo-Gramme“.

Von Peter Sauer
Gut war die Stimmung bei der Autogramm- und Frage-Runde mit Ismail Atalan (Mitte) und Scotty Pieper.
Gut war die Stimmung bei der Autogramm- und Frage-Runde mit Ismail Atalan (Mitte) und Scotty Pieper. Foto: Peter Sauer

Große Augen bekam Nachwuchskickerin Johanna. Ismail Atalan unterschrieb ihren Fußball als Ersten. Das junge Mädchen gehörte zu den rund 70 fußballinteressierten Kindern im Alter von sechs bis 14 Jahren, die im Rahmen des Ferienkurses des „Talentschuppens“ auf der Sportanlage des FC Gievenbeck mit Atalan ein früheres Nachwuchstalent trafen, das seitdem Fußballgeschichte geschrieben hat.

Johanna und Ismail Atalan. Foto: Peter Sauer

Im Eiltempo hatte Ismail Atalan die Karriereleiter genommen, über Gievenbeck und Sportfreunde Lotte bis zum VfL Bochum. Dort wurde er am 9. Oktober entlassen. „Warum eigentlich?“ war die erste Frage einiger Jungen im offenen Interview mit Atalan, das Moderator Scotty Pieper , Betreuer Justus Stech und ihre Kollegen ermöglicht hatten. Ehrlichkeit prägte von Anfang an die Antworten des charismatischen Atalan: „Sie wollten einen Trainer, der öfter gewinnt.“ Und Scotty Pieper ergänzte. „Das war dann aber mit dem neuen Trainer nicht der Fall.“

Ismail Atalan und Scotty Pieper (r.) Foto: Peter Sauer

Die Frage nach den Unterschieden zwischen den Ligen beantwortete Atalan spitzzüngig: „Bei den Vereinen der Bundesliga wird schärfer geschossen. In den unteren Ligen ist es menschlicher.“ Einige Jungen bewunderten Atalan höchste Siege als Trainer, so spielte Lotte gegen starke Paderborner 6:0.

Für die Nachwuchskicker in Gievenbeck ist Atalan ein großes Vorbild, schließlich war der Stadtteil eine wichtige Station seiner Fußballkarriere als Spieler an. Es waren schließlich muskuläre Probleme, die mit 25 seine aktive Laufbahn als Kicker beendeten. Als Trainer war er den Teilnehmern des Gievenbecker Ferienkurses ein Begriff.

Zusammen mit Moderator Scotty Pieper wollten sie wissen, was er denn jetzt so als derzeit arbeitsloser Trainer künftig machen will: „Ich schaue mir Spieler im In- und Ausland an, treffe mich mit Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann.“ Pieper informierte den Fußballnachwuchs auch darüber, dass es gar nicht so einfach ist, einen neuen Trainerjob zu bekommen, weil etliche ehemalige Trainer derzeit auf Jobsuche sind, darunter auch der „Fußballtrainer des Jahres 2016“ Dirk Schuster, der beim SV Darmstadt 98 erfolgreich war.

Einige Jungen wollten auch etwas Privates von Ismael Atalan wissen, zum Beispiel über seine Herkunft. „Ich bin in Anatolien geboren und kurdischer Abstammung.“ Im Alter von fünf Jahren kam er als Flüchtling mit seiner Mutter und fünf Geschwistern aus der Türkei nach Dülmen. Mittlerweile wohnt der 37-Jährige mit seiner Frau und drei Kindern in Senden.

„Kannst du Dir auch einen anderen Beruf als Fußball vorstellen?“, das wollen zwei Jungs wissen. „Nein“, war die klare Antwort des gelernten Versicherungskaufmanns. „Egal, was es ist in meinem beruflichen Leben, es muss mit Fußball zu tun haben.“ Das sagte er mit so ernster Miene, das man erkannte, wie sehr er daran glaubt: „Fußball ist einfach mein Leben.“ Scotty Pieper lobte ihn dafür, dass er stets darauf geachtet habe, dass Spieler mit beiden Füßen mit dem Ball umgehen können.

Auch Frauen können gut kicken. Foto: Peter Sauer

Wie die jungen Teilnehmer des Ferienkurses des „Talentschuppens“ mit dem Ball umgehen können, zeigten sie – trotz ungemütlich nass-feuchter Witterung gut gelaunt auf den Plätzen des FC. Und das ist schon längst keine Frage des Geschlechts mehr. Beispielsweise führten Charlotte und Alina so geschickt den Ball, das Verteidiger Dominik und Torwart Florian trotz guter Körperhaltung das Nachsehen hatten.

Aber ganz gleich, ob Sieg oder Niederlage – alle hatten viel Spaß am Kicken – auch weil es zur Stärkung Spaghetti Carbonara gab.

Die Teilnehmer des Ferienkurses haben viel Spaß. Foto: Peter Sauer

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