Interview mit Gesundheitsamt Schimmel sorgt weiter für Ärger

Münster-Gievenbeck -

Das münsterische Gesundheitsamt und Ordnungsamt beschäftigen sich seit drei Wochen intensiv mit einer Schimmelwohnung in Gievenbeck an der Straße Borkenfeld. An der Wohnungstür besteht die Schimmelbildung weiterhin. Und das bringt die Nachbarschaft auf die Palme.

Von Kay Böckling
Das münsterische Gesundheitsamt und Ordnungsamt beschäftigen sich seit drei Wochen intensiv mit einer Schimmelwohnung in Gievenbeck an der Straße Borkenfeld. An der Wohnungstür besteht die Schimmelbildung weiterhin. Da laut Gesundheitsamt allerdings keine unmittelbare gesundheitliche Gefahr für die übrigen Bewohner in dem Mehrfamilienhaus ausgeht, sieht man im städtischen Fachamt derzeit keinen Handlungsbedarf.
Das münsterische Gesundheitsamt und Ordnungsamt beschäftigen sich seit drei Wochen intensiv mit einer Schimmelwohnung in Gievenbeck an der Straße Borkenfeld. An der Wohnungstür besteht die Schimmelbildung weiterhin. Da laut Gesundheitsamt allerdings keine unmittelbare gesundheitliche Gefahr für die übrigen Bewohner in dem Mehrfamilienhaus ausgeht, sieht man im städtischen Fachamt derzeit keinen Handlungsbedarf. Foto: kbö

Ziemlich heftige Kritik mussten sich das Ordnungs- und das Gesundheitsamt der Stadt bezüglich ihrer zurückhaltenden Haltung zu einer von Schimmel befallenen Wohnung an der Straße Borkenfeld (wir berichteten) gefallen lassen. Insbesondere in sozialen Netzwerken wie Facebook wurde da heftig vom Leder gezogen. Redakteur Kay Böckling sprach nach erneuten massiven Beschwerden von Nachbarn des betroffenen Hauses mit Dr. Michael Lürwer und Dr. Rainer Neumann vom Gesundheitsamt über Schimmel, die gesundheitlichen Folgen und den speziellen Fall in Gievenbeck.

Herr Neumann, Sie nahmen unsere aktuellen Recherchen zum Anlass, sich erneut ein Bild von den Gegebenheiten vor Ort zu machen. Eins muss man feststellen: Der Schimmel hat wieder zugenommen. . .

Neumann: Wir sind am 23. August dort im Rahmen eines Ortstermins gewesen. Im Flur waren keine geruchlichen Auffälligkeiten mehr festzustellen. Das hing aber auch damit zusammen, dass dort jetzt stoßgelüftet wird. Direkt vor der betreffenden Wohnung konnte man optisch feststellen, dass der Rahmen der Tür Schimmelpilzbefall zeigt. Weitere Beeinträchtigungen haben wir nicht feststellen können. Der Wohnungsinhaber hat auf unser Klingeln an der Wohnungstür nicht reagiert.

Lürwer: Wenn ich das ergänzen darf: Eine akute Gesundheitsgefährdung für die Bewohner durch Lästlinge und Schädlinge wie Ratten oder andere Tiere, die vielleicht aus dieser Wohnung für Krankheitsübertragungen sorgen könnten, haben wir nicht mehr festgestellt. Die Firma, die dort für eine entsprechende Entrümpelung und Desinfektion sorgen sollte, hat unserem jetzigen Kenntnisstand nach die Aufgabe erfüllt.

Demnach ging aber durchaus von der Wohnung eine Gefahr aus?

Lürwer: Bis zum Zeitpunkt der Entrümpelung und Desinfektion unserer Kenntnis nach ja. Eine akute gesundheitliche Gefährdung wird von uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr gesehen.

Das ist das Schimmel-Netzwerk

Schimmelpilze in der Wohnung sind nicht nur unschön, sondern ein hygienisches Problem. Die Ursachen sind vielfältig. „Wer Probleme mit Schimmelbildung hat, kann sich gerne mit dem Schimmelnetzwerk Münster in Verbindung setzen“, sagt Dr. Michael Lürwer vom Gesundheitsamt. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss von Sachverständigen, Laboratorien, Sanierungsbetrieben, Mieveeinen, Ärzten, Anwälten der Handwerkskammer münster, der Verbraucherzentrale und Ämtern der Stadt Münster. Eine Broschüre mit den Ansprechpartnern gibt es bei der Stadt Münster. Im Internet:  www.stadt-muenster.de/umwelt/schimmelnetzwerk

Eins ist aber doch nicht von der Hand zu weisen: Ich persönlich hatte nach dem zweimaligen Passieren des Flurs ein sehr unangenehmes Kratzen im Hals.

Lürwer: Es ist durchaus denkbar, dass Sie sehr sensibel auf Schimmelpilz reagieren und eventuell eine entsprechende Allergie haben, von der Sie gar nichts wissen.

Aber ich bin nicht der Einzige, der über Beschwerden berichtet. Zahlreiche Nachbarn versichern, an Durchfall zu leiden. . .

Lürwer: In der Regel ist ein Zusammenhang zwischen einer Schimmelpilzbelastung in der Raumluft und einem Vorkommen von Durchfallerkrankungen medizinisch nicht nachzuvollziehen.

Dann fassen Sie doch mal kurz die Wirkung von Schimmelpilzen zusammen. . .

Lürwer: Der Mensch ist überall Schimmelpilzsporen ausgesetzt. Sie gehören zu unserer Umwelt. Es gibt keinen direkten medizinischen Nachweis dafür, welcher Pilz für  welche Beschwerden verantwortlich ist. Wir sagen: Schimmelpilz in einer Wohnung ist im Sinne der Gesundheitsvorsorge belastend und kann die Gesundheit beeinträchtigen – das ist nicht zu verwechseln mit einer akuten Gefährdung. Und genau das ist im vorliegenden Fall die Schwierigkeit: Wir dürfen nur bei einer gesundheitlichen Gefährdung handeln, das haben wir vor drei Wochen getan, jetzt haben wir keine rechtliche Handhabe für ein Eingreifen mehr.

Aber es ist schwer nachzuvollziehen, dass es beispielsweise für einen Säugling nicht schädlich ist, durch einen entsprechend mit Schimmel belasteten Flur getragen zu werden.

Lürwer: Da der Mensch überall Schimmelpilzsporen ausgesetzt ist und diese zu unserer Umwelt gehören, gibt es eben vergleichbare Belastungen auch anderswo, zum Beispiel beim Spaziergang im Wald.

Was würden Sie denn den betroffenen Nachbarn im Haus raten?

Lürwer: Wir dürfen nicht rechtlich beraten, wollen aber natürlich gerne medizinisch gesundheitlich informieren. Wir befinden uns hier im privatrechtlichen Bereich, nicht im öffentlichen Bereich.

Stellen wir die Frage anders: Was können die Mieter machen, um diese unhaltbare Situation zu verändern?

Lürwer: Es gibt verschiedene Anlaufstellen: Das Schimmelnetzwerk Münster, das Amt für Wohnungswesen, der Mieterbund und die Verbraucherberatung könnten Hilfestellungen aufzeigen. Da es hier um einen rein privatrechtlichen Vorgang geht, ist es letztendlich im Aufgabenbereich des Vermieters die Sanierung seiner Immobilie zu regeln.

Neumann: Vielleicht kann zwischen den Mietern und dem Vermieter eine klärende Situation geschaffen werden. Dazu gibt es verschiedene Hilfs- und Beratungsmöglichkeiten. 

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