Tag des offenen Denkmals in der Hautklinik Gemauerte NS-Ideologie

Münster-Gievenbeck -

Beeindruckend groß, hinter einem üppigen Grüngürtel malerisch gelegen und dadurch von der Straße kaum sichtbar steht ein monumental anmutendes Gebäude. Es wirkt imposant und dokumentiert die charakteristische Bauweise der Nazis von Repräsentationsgebäuden im Dritten Reich.

Von Kay Böckling
Die Hautklinik diente in der NS-Zeit als Standortlazarett. Am Tag des offenen Denkmals können Interessierte das Gebäude an der Von-Esmarch-Straße genauer unter die Lupe nehmen.
Die Hautklinik diente in der NS-Zeit als Standortlazarett. Am Tag des offenen Denkmals können Interessierte das Gebäude an der Von-Esmarch-Straße genauer unter die Lupe nehmen. Foto: Kay Böckling

Die Rede ist von der heutigen Hautklinik der Uni, die am Tag des offenen Denkmals ihre Türen für Interessierte öffnet. Martin Gietzen wird unter dem Titel „Gesundung nach Plan – Standortlazarette in der NS-Zeit“ das Gebäude vorstellen.

Laut den Aufzeichnungen der städtischen Denkmalbehörde der Stadt Münster wurde der gesamte Komplex seit 1935 geplant und in den Jahren 1937/38 umgesetzt. „Das Lazarett war das zentrale Krankenhaus für den Militärstandort Münster und den zugehörigen Militärbereich“, schreibt die Denkmalbehörde. Es ersetzte ein bereits bestehendes kleines Lazarett.

Nach Auskunft des Fachamts war Münster seinerzeit einer der bedeutendsten Militärstandorte Nordwestdeutschlands, der später deutlich ausgebaut werden sollte.

Getreu dem Motto „Alles unter einem Dach“ waren verschiedene medizinische Abteilungen in der heutigen Hautklinik zu finden. Das diente laut der Denkmalbehörde allerdings nicht unbedingt medizinischen Zwecken. Der wuchtige und monumentale Bau hatte vor allem einen Hintergrund: Baumasse sollte die Bedeutung des Gebäudes dokumentieren: „Dieses Phänomen ist charakteristisch auch für die Repräsentationsbauten des Dritten Reiches.“

Seit 1993 steht das ehemalige Standort-Lazarett unter Denkmalschutz. In der Begründung der Stadt heißt es unter anderem, dass es einen wichtigen Teil der Architekturgeschichte der Stadt Münster darstellt, „da es den klassizistischen, mit Formen des traditionellen und landschaftsgebundenen Bauens gekoppelten Stil des Dritten Reichs vertritt“. Die Anordnung von Elementen und Verwendung antiker Ordnungen strebte die monumentale Wirkung an. Bis 1992 nutzten auch die britischen Streitkräfte das ehemalige Standortlazarett.

Auf eine Überraschung stieß man bei den Bauarbeiten zur Herrichtung des Gebäudes für das Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin im Jahr 2010: Reste des Wandgemäldes „Heilkräfte der Natur“ des Kunstmalers Ernst Bahn kamen zum Vorschein. Ein Restaurator befreite daraufhin vorsichtig eine der am besten erhaltene vom Überanstrich. Das Resultat ist auf der Wandfläche rechts vom Haupteingang neben der dortigen Tür zu sehen.

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Der Tag des offenen Denkmals findet statt am 10. September. Beginn der Ausführungen über die Hautklinik an der Von-Esmarch-Straße ist um 15.30 Uhr. Treffen ist am Beginn der Auffahrt.

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