Oxford-Kaserne Sozialarbeiterin: „Richtig positives Miteinander“

Münster-Gievenbeck -

Schon seit dem Sommer 2015 wohnen in der ehemaligen Oxford-Kaserne Flüchtlinge. Nicht nur von Ehrenamtlichen, auch von hauptamtlichen Sozialarbeitern werden sie unterstützt.

Von Siegmund Natschke
Stefanie Lillmanntöns und Stefan Struchtrup arbeiten als Sozialarbeiter in der Flüchtlingsunterkunft. Fluchtgeschichten haben sie schon viele gehört, die Menschen treffen sie aber nur selten noch einmal wieder. 
Stefanie Lillmanntöns und Stefan Struchtrup arbeiten als Sozialarbeiter in der Flüchtlingsunterkunft. Fluchtgeschichten haben sie schon viele gehört, die Menschen treffen sie aber nur selten noch einmal wieder.  Foto: Foto:Siegmund Natschke

Wenn Stefan Struchtrup über das Gelände der Oxford-Kaserne geht, dann begegnet ihm große Freundlichkeit. Da öffnet sich ein Fenster und Hände winken ihm zu. Früher gingen hier britische Soldaten Richtung Exerzierplatz. Seit 2015 ist auf dem Oxford-Areal die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes für Asylsuchende untergebracht.

Für Flüchtlinge ist dies der erste Ort im fremden Land, an dem sie wohnen und leben. Für Struchtrup ist es sein Arbeitsplatz. Er ist Sozialarbeiter bei der evangelischen Hilfsorganisation „Johanniter“ und betreut in der Oxford-Kaserne diejenigen, die vor Krieg, Bürgerkrieg oder Terror geflohen sind.

Sie kommen aus Syrien, aus dem Irak und Iran oder aus Angola und Nigeria. Derzeit leben 75 Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung an der Roxeler Straße, die ursprünglich für 550 Personen ausgelegt war. Struchtrup kann sich noch erinnern an den Flüchtlingsstrom 2015, ganze Busse seien angekommen. Heute ist das anders. Es wirkt fast leer auf dem großen Gelände, Einsamkeit könnte sich hier breitmachen.

Nur drei Wochen leben die Migranten hier, bevor sie auf andere Unterkünfte in Nordrhein-Westfalen verteilt werden. Für das bürokratische Asylverfahren ist das Bundesamt für Migration zuständig, möglichst schnell wird ein Termin für ein so genanntes „Interview“ mit den Betroffenen vereinbart.

Hier wird nach den Asylgründen, etwa nach einer möglichen politischen Verfolgung aufgrund von Rasse, Nationalität, Religion, politischen Überzeugung oder der Zugehörigkeit zu einer verfolgten sozialen Minderheit, gefragt. Auch eine gesundheitliche Untersuchung steht an. Es wird nach möglichen Impfpässen geforscht, auf Krankheiten untersucht.

Viele Betroffene leiden aber aufgrund von einschneidenden Kriegserfahrungen unter psychischen Traumata. Hier sind die Sozialarbeiter gefragt. Gespräche seien wichtig, weiß Stefan Struchtrup. Aber jeder Betroffene erlebe seine Situation auch ganz individuell. Nicht die objektive Drucksituation spiele für den Menschen dann eine Rolle, sondern sein eigenes Erleben. Struchtrup kennt viele Fluchtgeschichten. Er darf nicht darüber sprechen, das gehört zu seinem Job. Der Schutz der Flüchtlinge steht an oberster Stelle.

Auch Struchtrups Kollegin Stefanie Lillmanntöns mag ihre Arbeit: „Sie ist ein richtig positives Miteinander“, sagt sie voller Überzeugung. Und da schließt sie Mitarbeiter wie Bewohner ein. Viele unterschiedliche Flüchtlinge seien in der ehemaligen Kaserne untergebracht, das betreffe nicht nur die Nationalität: „Familien, Mann mit Kind, Frau mit Kind“, sagt die Sozialarbeiterin.

Auch die kulturellen Unterschiede spielen eine Rolle. Man achte aber darauf, so Struchtrup. So würden, wenn es ginge, auf den Fluren Menschen jeweils aus dem gleichen Kulturkreis untergebracht. Es sei alles friedlich.

Wie geht man mit dieser Arbeit um? Immerhin geht es um Flucht, Krieg und Vertreibung. Struchtrup ist sich bewusst, dass er als Sozialarbeiter auch eine gewisse Rolle ausübt. Die nimmt er aber auch als solche wahr: „Man darf nicht alles an sich heranlassen.“ Froh ist er darüber, dass viele Ehrenamtliche aus Gievenbeck und ganz Münster mithelfen, die Flüchtlinge willkommen zu heißen.

Die Ehrenamtlichen organisieren Deutschkurse oder basteln mit den Kindern in der Unterkunft. Beim Zuckerfest, dem traditionellen Fastenbrechen, das in der Einrichtung veranstaltet wurde, sei es dann plötzlich ganz fröhlich gewesen. Beinahe eine unbeschwerte Atmosphäre. Und der Sozialarbeiter bemerkte etwas: „Bei den Flüchtlingen kam das Leuchten in den Augen zurück.“

Nach drei Wochen ist dann aber auch wieder Abschied angesagt. Die Flüchtlinge werden nun über das ganze Land verstreut. Nur manchmal sieht man sich wieder, dann sei das aber reiner Zufall. Stefan Struchtrup erinnert sich an eine solche Begegnung. Ganz unerwartet lief ihm ein ehemaliger Klient über den Weg. „Große Dankbarkeit“ habe er bei dem gespürt, sagt er. Und das sei so ein Moment gewesen, den er nicht mehr vergessen werde.

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