Ohne Malen geht es nicht Leicht, bunt, unbeschwert

Münster-Coerde -

Elena Kercher aus Coerde malt immer – Pleinair (im Freien), Zeichnungen zu Hause, schnelle gemalte Grüße an die Freunde. Einfach so. Weil sie ohne Malen nicht kann.

Von Daria Berezhnitskaya
Elena Kercher aus Coerde malt, wann immer sie Zeit hat. Ihre Bilder „sind Ausdruck meines Traums – ein Häuschen, einen Seelenhafen mitten in der idyllischen Natur zu haben.“
Elena Kercher aus Coerde malt, wann immer sie Zeit hat. Ihre Bilder „sind Ausdruck meines Traums – ein Häuschen, einen Seelenhafen mitten in der idyllischen Natur zu haben.“ Foto: Daria Berezhnitskaia

Schwarz und Grau sind keine Freunde von Elena Kercher . Die 57-jährige russlanddeutsche Malerin wohnt in Coerde und malt lieber bunt und grell.

„Nicht kleckern, sondern klotzen! Was ins Auge springt und Licht anzieht – das soll das Bild ausmachen“, ist die Autodidaktin überzeugt. Schnell und kräftig den Pinsel in Rosa und Pink tunken. Mit lebendigem Grün ergänzen. Durch friedliches Himmelblau abrunden. Schon ist das Bild „Der See“ fertig. Dann macht sie einen Entwurf für „Den Blumenstrauß“, danach ist „Der Garten Eden“ an der Reihe. Elena liebt die Natur, die auf ihren Bildern wie ein Paradies in der Kinderwelt aussieht.

Geboren wurde Elena Kercher in der kleinen Siedlung Topolevka (auf russisch: Pappeldorf) im Norden Russlands. Ihr Vater Nikolai Kondratiewitsch wurde als Russlanddeutscher während des Zweiten Weltkrieges auf Befehl von Stalin aus der Ukraine nach Sibirien verbannt. Man hatte Angst, die Deutschen würden das „Dritte Reich“ unterstützen.

Um die Berufung zum Beruf zu machen, fehlte Elena nicht die Courage. Mutig war sie schon immer. In der Familie Kercher war man aber gewohnt, dass das Geld schwer verdient werden musste. Ihr Vater Nikolai Kondratiewitsch arbeitete als Tierzüchter auf einer Pelzfarm. Keiner hatte das Recht, das Dorf zu verlassen – Topolevka war für die deutschen Aussiedler ein nach außen geschlossener Ort.

Nikolai Kondratiewitsch malte leidenschaftlich, jedoch nicht beruflich, hatte sich alles selbst beigebracht und das Talent an seine beiden Töchter Elena und Elsa weitergegeben. Elena wählte Erzieherin als Beruf. Aber das Maltalent spross immer wieder durch.

Mit 15 Jahren durfte Elena Kercher die Schulzeitung illustrieren. Dann half sie, die Zeitschrift in der Kita zu gestalten, als sie ihre Erzieherin-Ausbildung begann.

Lieblingsmotive auf Elenas Bildern sind Blumen, Berge, Teiche und Flüsse.

Elena malt immer – Pleinair (im Freien), Zeichnungen zu Hause, schnelle gemalte Grüße an die Freunde. Einfach so. Weil sie ohne Malen nicht kann.

Ihre Bilder kommen gut an. Leicht, bunt, unbeschwert. „Sie sind Ausdruck meines Traums – ein Häuschen, einen Seelenhafen mitten in der idyllischen Natur zu haben“, erklärt Elena Kercher.

Erst 2002 kam ihre Familie nach Deutschland. Mehrere Aussiedlerlager, Ämter, Heimweh. „Ich vermisse den Schnee, den man in Topolevka schon mal zu viel hatte, die schnellen nördlichen russischen Flüsse, die Pappelbäume aus meinem Heimatdorf, deren Flaum im Frühling so romantisch wirkte“, erzählt die Malerin.

Angst vor einem leeren Blatt hatte sie noch nie. Gezeichnet, gemalt hat Elena Kercher, seit sie sich erinnern kann.

Sie schreibt außerdem Gedichte, Kurzgeschichten und Lieder. „Wir sind im Kindheitsland geboren“, „Das Liebespoem“, „Ich werde dein Wegweiser-Stern sein“ und viele andere. Über 100 von ihnen wurden in russisch-sprachigen Zeitungen schon publiziert.

In Sibirien durfte Elena Kercher kein Deutsch sprechen. In Deutschland wird sie komisch angeguckt, wenn sie russisch spricht. Das Gefühl überall fremd zu sein, kennt sie zu gut. Jedoch wenn sie malt, ist sie ganz zu Hause. „Morgen gehe ich wieder neue Leinwände kaufen, um die Seele baumeln zu lassen“, sagt Elena Kercher und strahlt.

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