Vogelfreunde vermissen Schwärme Kraniche meiden das Münsterland

Münster-Coerde -

Weite Felder, ein kleines Wäldchen und der rote Glanz der untergehenden Abendsonne – fast ist das Landschaftsbild perfekt. Lediglich ein paar Vögel am Horizont fehlen für die makellose Abendidylle in den Rieselfeldern.

Von Franziska Eickholt
Die Kraniche treten ihre Reise in den Süden im Vergleich zu anderen Zugvögeln erst spät an. Solange Felder und Gewässer noch ausreichend Futter bieten, bleiben viele Tiere in Deutschland.
Die Kraniche treten ihre Reise in den Süden im Vergleich zu anderen Zugvögeln erst spät an. Solange Felder und Gewässer noch ausreichend Futter bieten, bleiben viele Tiere in Deutschland. Foto: dpa

Dass sich Vogelfreunde – anders als in den Jahren zuvor – in den Rieselfeldern derzeit kaum an den gen Süden ziehenden Kranichen am Himmel erfreuen können, ist kein Zufall. Ungünstige Wetterverhältnisse sorgen dafür, dass mehrere Tausend Kraniche ihre Zugroute in Richtung Ostwestfalen verlagern und das Münsterland meiden.

Hans-Uwe Schütz , Sprecher der Biologischen Station in den Rieselfeldern, erklärt, mit welchem Problem die Kraniche zu kämpfen haben: „Es fehlt der Rückenwind. Starke Regenfälle und Winde in nordöstlicher Richtung machen den Flug in den Süden zu kräfteraubend für die Kraniche.“

Kraniche in „einem echten Dilemma“

Etwa 45.000 Tiere befinden sich derzeit noch in der Diepholzer Moorniederung, die einige Kilometer nördlich des Teutoburger Waldes liegt. Dort rasten die Kraniche bevor sie ihre Reise in Richtung Frankreich oder die Region Extremadura im Südwesten Spaniens starten. „Die Kraniche befinden sich in einem echten Dilemma“, erläutert Schütz. „Durch die recht milde Witterung gibt es im Moment noch genug Futter, etwa auf den frisch geernteten Maisfeldern oder die letzten Insekten. Gleichzeitig bleibt allerdings die Angst vor Frost und Schnee, wenn die Kraniche die Region zu spät verlassen.“

Wer den Kranichzug live erleben will, muss auf die passende Witterung warten. Foto: dpa

Einige Tiere nehmen deswegen eher ungünstige Bedingungen in Kauf und fliegen trotz Winden in Richtung Osten schon los. „Die aktuelle Witterung führt dazu, dass sich die Route der Kraniche auf den Raum Bielefeld verlegt. Sobald es trocken ist, fliegen kleinere Schwärme los. Das kann auch bei Nacht passieren“, sagt Schütz.

Enttäuschung in den Rieselfeldern

Für die Ornithologen und Vogelfans der Rieselfelder bedeutet das eine Enttäuschung. Eine größere Anzahl von Kranichen wurde im Münsterland zuletzt am 19. Oktober gesichtet. Etwas mehr als 1400 Tiere waren an diesem Tag unterwegs – eine verschwindend geringe Zahl, wenn man etwa den Vergleichswert aus Hessen mit 37.000 Kranichen an diesem Tag betrachtet.

„Manchmal ziehen die letzten Kraniche erst im Januar“, erklärt Schütz. „Kraniche sind die Zugvögel, die als letztes verschwinden und als erstes zurückkommen. Es gab sogar schon den Fall, dass die in den Süden ziehenden Kraniche den Rückkehrern aus dem Norden entgegengekommen sind.“

Tipps für Vogelfreunde

Schütz hat deswegen ein paar Tipps, mit denen Vogelfreunde aus dem Münsterland den Kranichzug vielleicht doch noch live erleben können: „Wer Kraniche über das Münsterland ziehen sehen möchte, muss nicht früh aufstehen“, erläutert Schütz. „Die Tiere starten in den Morgenstunden und erreichen unsere Region meistens erst mittags.“ Wichtig sei weiterhin trockenes Wetter mit Winden in südwestlicher Richtung.

Kraniche am Himmel erkennen

Wer den Kranichzug beobachten möchte, sollte genau hinsehen. Denn Kraniche und Wildgänse haben ähnliche Zugrouten und Rastgebiete. Beide Vogelarten fliegen häufig in Keilform, um durch den Windschatten Energie zu sparen. Im Gegensatz zu Wildgänsen legen Kraniche aber öfter Segelphasen ein. Zudem unterscheiden sich die Arten in ihrer Silhouette. Mit einer Spannweite von 180 bis 222 Zentimetern sind Kraniche größer als Wildgänse (circa 175 Zentimeter). Kranichflügel zeichnen sich durch ihre eckige Form und lange, gespreizte Federn an den Spitzen aus. Die langen Beine ragen im Flug über die Schwanzfedern hinaus.  

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5267550?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F135%2F