„Work-Life-Balance“ -Ausstellung im Kunsthaus Angelmodde Alltäglichkeit im Spiegel der Rabenkrähe

Münster-Angelmodde -

Als knallharter Hausverwalter mit unendlichem Rechnungsblock, 8000-er-bezwingende Original-Österreichische Bergdohle oder als fliegend-dreister Dieb einer schweren Mozart-Skulptur: Ab Sonntag (5. November) sind im Kunsthaus Angelmodde wieder die Raben los – auf vielfachem Wunsch der Ausstellungsbesucher.

Von Peter Sauer
Rabenschwarzer Humor: Galeristin Hedwig Sölter-Bolte zeigt ab Sonntag 50 neue schwarz-bunte Tuschezeichnungen des Salzburger Illustratoren Michael Ferner im Kunsthaus Angelmodde. Die Vernissage ist um 11 Uhr.  
Rabenschwarzer Humor: Galeristin Hedwig Sölter-Bolte zeigt ab Sonntag 50 neue schwarz-bunte Tuschezeichnungen des Salzburger Illustratoren Michael Ferner im Kunsthaus Angelmodde. Die Vernissage ist um 11 Uhr.   Foto: Pesa

Kuratorin Hedwig Sölter-Bolte zeigt neue Werke des Zeichners und Illustratoren Michael Ferner in der Ausstellung „Work-Life-Balance“, zum Teil limitiert und Hand signiert. Der Salzburger ist ein guter Beobachter. In 50 luftig-leichten Grafiken karikiert der 48-Jährige allzu menschliche Verhaltensweisen und Berufe im reduzierten Dialog zwischen Rabe und Welt, mit Hingabe an den besonderen Augenblick und jeder Menge erfrischendem Humor.

So ergibt sich eine kunstvolle, da nie bösartige Situationskomik, die zuweilen an Stummfilm-Slapstick erinnert. Und in der Tat agieren die spitzschnabeligen Krähenvögel wortlos. Herausragend ist Ferners satirische Persiflage des roten Männchen von Pop-Art-Ikone Keith Haring, das – täuschend echt – als lebendige Vogelscheuche Reißaus vor den Raben nimmt. Vielleicht so, wie manch überschätzte Kunstobjekte vor bodenständigen Kritikern? Dem Mutations- und Schönheitswahn setzt Ferner im wahrsten Sinne die Krone auf, indem sich allzu schicke Raben in coole Hirsch-Krähen verwandeln und posieren wie auf dem Laufsteg. Humoristische Akzente beim Zeichnen und Malen halfen ihm seit seiner Jugend gut, da kreativ und konstruktiv, über schwierige Lebenssituationen hinweg. Rund um den alten Kamin des Kunsthauses gruppieren sich moderne Porträts der Sternkreiszeichen.

Die Grenze zwischen Karikatur und freier Zeichnung ist bei Michael Ferner stets fließend, wie auch sein Arbeitsstil. Sein Markenzeichen: Feiner Pinselstrich und subtile Verästelungen, die durch den eigenen Atem auf das Papier gebracht werden. Dazu bläst er die Tusche mit großem Feingefühl durch einen Strohhalm. So wirken seine Kunst-Raben mit ihrem markanten gelben Schnabel, weich-abstehenden Federn und menschlichen Accessoires weitaus kuscheliger als ihre Artgenossen in freier Natur.

Michael Ferner selbst kann nicht zur Vernissage am Sonntag nach Angelmodde kommen. Es ist bereits seine dritte Ausstellung im Kunsthaus. Kuratorin Hedwig Sölter-Bolte hält um 11 Uhr die Einführung.

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