Tanzen mit der Company „Nativos“ / Für jugendliche Flüchtlinge ungewohnt Schwieriger als Fußball

Münster-Angelmodde -

Fünf Wochen lang waren sie in Deutschland: eine Gruppe von acht brasilianischen Schülern, daheim nahe Recife, auf der Ilha de Deus. Als Botschafter hatten sie als Tanz-Company „Nativos“ ein Tanz-Theaterstück im Gepäck, aber auch einen Workshop. Münster, Osnabrück und München waren Stationen, bei denen sie Kultur und Lebensstil vermittelten. In Münster war das „Blaukreuzwäldchen“ der Diakonie Schauplatz.

Von Andreas Hasenkamp
Die Brasilianer tanzten mit Jugendlichen aus dem Blaukreuzwäldchen auch den Ciranda-Tanz.
Die Brasilianer tanzten mit Jugendlichen aus dem Blaukreuzwäldchen auch den Ciranda-Tanz. Foto: anh

Tanzen heißt Mitmachen, für alle – auch wenn in der Turnhalle des Blaukreuzwäldchens einige Jungs dem Tanz zunächst vorsichtig gegenüberstehen. Das scheinen die Brasilianer zu kennen, gehen hin, überreden, ziehen freundlich. „So etwas habe ich noch nie gemacht“, entschuldigt sich ein Jugendlicher aus Afghanistan, als er einige Minuten später den Kreis wieder verlässt, das sei schwieriger als Fußball. Kurz darauf ist er doch wieder dabei. Beobachtungen, über die sich auch die Betreuerin Mareike Kleppe freut. Die Einrichtung der Diakonie ist derzeit ganz für „unbegleitete minderjährige Ausländer“ reserviert. Diese kommen aus Ghana, von den Philippinen, aus Afghanistan, Eritrea und Syrien.

Wenn es um das Vermitteln der Tanzschritte geht, ist auch mal Übersetzen aus dem Portugiesischen gefragt. Um an der Deutschland-Tournee teilnehmen zu dürfen, mussten die Schüler gute Noten vorweisen. Schon in Recife lernten sie auch etwas Deutsch, dafür hatte Luciano Januário de Sales gesorgt, der 2008 in Münster den Verein Interesse Brasil Alemanha (IBA) gründete. Darüber ergab sich auch ein Kontakt nach Recife.

Mit im Boot waren auch bei diesem Projekt im Blaukreuzwäldchen Ehrenamtliche der Stiftung „Bürger für Münster“. Sie hatten seit 2015 in vielen Projekten geholfen, etwa bei einem Holz- und einem Computer-Workshop, erzählt der scheidende Leiter von acht Projekten, Dieter Ptock. Mit eingestielt hatte das Tanzprojekt Norbert Siebers, Bereichsleiter Jugendhilfe bei der Diakonie Münster.

„Ciranda“ heißt der Tanz, der alle in einem Kreis zusammenführt, ein Tanz zum Abschied – in den Gesichtern der Teilnehmer ist Anstrengung zu lesen, auch Freude. Am Samstag nach dem Workshop zog es die Brasilianer in die Innenstadt. Am Sonntag zeigten sie ihr Tanz-Theaterstück, dessen Titel für sich steht: „Tote Flüsse, Mangroven ohne Leben – ein hungerndes Volk“.

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