Wahlnachlese in Münster-Südost: Stadtweite Spitzenwerte für die FDP / AfD besonders stark in Angelmodde „Kontinuität spielt große Rolle“

Münster-Südost -

Am Tag nach der Bundestagswahl sind die Plakate Schnee von gestern. Die Ergebnisse stehen fest, jetzt wird analysiert und nach Gründen für Erfolge und Misserfolge der Parteien gesucht. In Münster-Südost fällt vor allem das gute Ergebnis der FDP auf. Sorge dagegen macht vielen, dass die AfD in Angelmodde überdurchschnittlich viele Anhänger fand. Unsere Zeitung listet die auffälligsten Werte auf und fragt örtliche Politiker nach ihren Einschätzungen.

Von Iris Sauer-Waltermann
Am Tag nach der Wahl sind die Plakate Schnee von gestern. In Münster-Südost gab es einige auffällige Ergebnisse. Nach Ansicht der FDP stellt auch die Frage nach der Reaktivierung der WLE-Schienen einen Faktor bei den Wahlentscheidungen dar.
Am Tag nach der Wahl sind die Plakate Schnee von gestern. In Münster-Südost gab es einige auffällige Ergebnisse. Nach Ansicht der FDP stellt auch die Frage nach der Reaktivierung der WLE-Schienen einen Faktor bei den Wahlentscheidungen dar. Foto: isa

► Die FDP erreichte im Wahlbezirk Wolbeck mit 16 Prozent der Zweitstimmen stadtweit eines der stärksten Ergebnisse. Besser schnitten die Freidemokraten nur in Handorf (17,4 Prozent) sowie in Gelmer und Sentrup ab (jeweils 16,4 Prozent). Stadtweit lag der Zweitstimmenanteil für die FDP bei 13,5 Prozent.

► Bei den Stimmbezirken erreichte die FDP im Südosten sogar das stadtweit beste Ergebnis. So erhielten die Liberalen bei den Briefwählern in Wolbeck den Spitzenwert von 20,3 Prozent der Zweitstimmen. Gleichhoch war der Wert nur im Stimmbezirk Haus-Kleve-Weg in Handorf.

► Auffällig auch die Südost-Werte für die AfD . Mit 7,6 Prozent der Zweitstimmen erhielt die Partei in Angelmodde stadtweit den dritthöchsten Wert, hinter Coerde und Berg Fidel. Mit 18 Prozent im Bereich Bachstraße kam die AfD stadtweit auf den zweithöchsten Wert bei den Stimmbezirken.

► Bezirksbürgermeister Rolf Schönlau unterstreicht, dass die Ergebnisse für die AfD in Münster insgesamt recht niedrig ausgefallen seien (Zweitstimmenanteil: 4,9 Prozent). Er führt dies unter anderem darauf zurück, dass die münsterische Flüchtlingspolitik großen Wert darauf lege, „die Bürger mitzunehmen“. „Auch im Südosten haben wir stets sehr viel informiert, bevor eine Unterkunft bezogen wurde.“ Die örtliche dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen lobt Schönlau ausdrücklich. 18 Prozent für die AfD im Bereich Bachstraße hält er für einen „Ausreißer“. Die Gründe müsse man analysieren, Das gute Abschneiden der FDP führt Schönlau zum Großteil auf „starke Persönlichkeiten zurück, die im Bezirk Südost häufig in Erscheinung treten“. So sei etwa der Liberale Willi Schriek auch als Mitglied des Bürgerforums häufig präsent.

► Ratsherr Horst Karl Beitelhoff (CDU) gratuliert zunächst Sybille Benning zu ihrem „tollen Ergebnis“. „Sie hat in den letzten vier Jahren gut ihren Mann gestanden“, so Beitelhoff. Die bundesweit hohen Werte für die AfD findet er „besorgniserregend“. „Unsere Sache ist es jetzt, zu sehen, wie wir die Bürger, die zum Teil von der CDU zur AfD abgewandert sind, wieder zurück in unser Lager holen können“, so Beitelhoff.

► Ratsherr Marius Herwig (SPD) ist mit dem „guten Erststimmenergebnis des SPD-Kandidaten Robert von Olberg (28,9 Prozent) sehr zufrieden“. Am hohen Wert für die AfD im Stimmbezirk Bachstraße könne man ablesen, dass es „auch in Münster Orte gibt, wo die Welt nicht ganz so rosig ist“. „Die Antwort muss eine gerechtere Politik für alle sein, bei der niemand abgehängt wird“, so Herwig

► Zum guten Ergebnis der FDP äußert sich der Wolbecker Bezirksvertreter Willi Schriek „sehr erfreut“. „Wir beobachten schon lange, dass die FDP im Südosten Münsters bei Wahlen über dem Durchschnitt liegt.“ Was die Gründe sein könnten? Gespräche im Wahlkampf hätten gezeigt, dass es den Wählern meist um ein Gesamtspektrum aus bundes- und lokalpolitischen Themen gehe, so Schriek. Er vermutet, dass die ablehnende Haltung der FDP zur WLE-Reaktivierung im Südosten „einen wichtigen Faktor“ bei den Wahlentscheidungen darstellte. Außerdem spielt nach Schrieks Ansicht Kontinuität in der Politik eine große Rolle. Er selbst ist seit 13 Jahren in der Bezirksvertretung aktiv.  

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