Neues Polder südlich des Baugebietes Landsberger Straße Freiheit für den Emmerbach

Münster-Amelsbüren -

Der Emmerbach wurde naturnah ausgebaut. Südlich der Landsberger Straße hat der Fluss jetzt viel Auslauf – eine Überflutungsfläche ist entstanden. In einem Detail sind die Bauarbeiter jedoch über das Ziel hinausgeschossen. Es muss nachgebessert werden.

Von Markus Lütkemeyer
Der Lauf des Emmerbaches wurde leicht verschwenkt und naturnah ausgebaut. Südlich der Landsberger Straße hat der Fluss viel Auslauf – eine Überflutungsfläche ist entstanden. Steigt der Wasserstand des Emmerbachs kann das Wasser sich dort ausbreiten.
Der Lauf des Emmerbaches wurde leicht verschwenkt und naturnah ausgebaut. Südlich der Landsberger Straße hat der Fluss viel Auslauf – eine Überflutungsfläche ist entstanden. Steigt der Wasserstand des Emmerbachs kann das Wasser sich dort ausbreiten. Foto: mlü / Norbert Piontek

Es gibt da diesen schlechten Witz vom Floristen, der seinen Kunden fragt: „Wollen Sie natürliche Blumen oder künstliche?“ Und der Kunde sagt: „Natürlich künstlich.“ Der Emmerbach südlich der Landsberger Straße ist jetzt genau das Gegenteil. Nämlich künstlich natürlich. Mit viel Aufwand und großen Baumaschinen wurde die Aue naturnah ausgebaut.

Entstanden ist eine Überflutungsfläche, ein so genanntes Polder. Es sorgt in erster Linie für den Hochwasserschutz im benachbarten neuen Baugebiet, bietet dem Gewässer aber auch mehr Freiheiten. „Der Fluss soll sich bewegen können“, er kann sich jetzt im Polder seinen eigenen Weg suchen, erläutert Berthold Reloe vom Tiefbauamt. Für die Tierwelt entstehen auf diese Weise neue Rückzugsräume. Das ist gut für die Artenvielfalt. In einem Detail sind die Bauarbeiter jedoch über das Ziel hinausgeschossen. Es muss nachgebessert werden.

Es geht um den auffälligen Holzsaum links und rechts des Emmerbachufers. Detlev Riep von der Unteren Wasserbehörde der Stadt Münster betont, dass diese Holzränder so nicht genehmigt waren. „Bei der Bauausführung gab es offenbar Kommunikationsprobleme.“ Ein Bodengutachter hatte den Holzsaum an einigen Stellen empfohlen, um dem neuen Flusslauf im Sandbett Halt zu geben. Dass die Holzschienen nun überall angelegt wurden, war nicht der Plan. „Da wurde des Guten zu viel getan – die Holzschienen kommen wieder weg“, verspricht Reloe. Eventuell könne das Holz bei einer anderen Maßnahme wiederverwendet werden. Kostenintensiv sei das Malheur nicht.

Auffällig sind dünne Netze, die knapp unter der Erdkrume vergraben wurden. Auch sie sorgen für etwas Halt, sind aber nur eine Starthilfe. „Die Netze verrotten mit der Zeit“, erklärt Reloe. Dann kann der Fluss machen, was er will. Die großen Baumstümpfe, die auf dem Gelände verteilt wurden, dienen als Strömungshindernisse, wie sie auch in der Natur vorkommen.

Im Vorfeld der Erschließungsarbeiten hatte sich in Amelsbüren immer wieder Kritik am geplanten Baugebiet nördlich der Landsberger Straße geregt – droht eine Überflutung? Berthold Reloe will die Sorgen nicht kleinreden, betont jedoch, dass zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden. „Seit dem Starkregen vom 28. Juli 2014 beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema.“ Die umfassenden Berechnungen seien von einem externen Dienstleister überprüft worden.

Aktuell ruht die Baustelle. Nach den Betriebsferien müssen noch einige Straßenarbeiten erledigt werden. „Die ersten Bauanträge wurden bereits gestellt“, berichtet Ludger Niehoff vom Tiefbauamt.

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