Der Roxeler Patrick Stiebe und der Albachtener Kojo Owuso sind als Musicaldarsteller aktiv Doppelte Premiere

Münster-West -

Am 10. November startet das Freie Musical Ensemble Münster mit der Uraufführung des Broadway-Klassikers „Parade“ in die neue Saison. Mit dabei sind auch zwei junge Schauspieler aus Roxel und Albachten, die eine ganz besondere Rolle im Ensemble spielen.

Von Franziska Eickholt
Neue Gesichter im Ensemble: Kojo Owusu (l.) und Patrick Stiebe (r.) spielen beim Freien Musical Ensemble Münster in der Produktion „Parade“ die dunkelhäutigen Charaktere Newt Lee und Jim Conley.
Neue Gesichter im Ensemble: Kojo Owusu (l.) und Patrick Stiebe (r.) spielen beim Freien Musical Ensemble Münster in der Produktion „Parade“ die dunkelhäutigen Charaktere Newt Lee und Jim Conley. Foto: Franziska Eickholt/Stephan Drewianka

Zwischen seitenweise Notenmaterial, Drehbüchern und Kostümen spielt sich das Leben von Patrick Stiebe aus Roxel und Kojo Owusu aus Albachten ab. Fast jeden Tag stehen Proben in Gesang, Schauspiel oder Tanz an. Denn in wenigen Tagen werden die beiden mit dem Freien Musical Ensemble Münster (FME) auf der Bühne stehen. Der Clou: Im Broadway-Klassiker „Parade“ kommt auf Stiebe und Owusu mit den dunkelhäutigen Charakteren Jim Conley und Newt Lee eine besondere Herausforderung zu.

Aufruhr im Gerichtssaal

„Stück Nummer zwölf bitte“, ruft Ingo Budweg. Das Ensemble folgt der Ansage des Gesamtleiters und geht auf Position für die Szene mit der Gerichtsverhandlung. Die Musik läuft und Patrick Stiebe betritt als Jim Conley die Bühne. Ein Raunen geht durch den fiktiven Gerichtssaal. Ein Schwarzer als Hauptzeuge vor Gericht? Im Jahr 1913 im amerikanischen Atlanta (Georgia) eigentlich undenkbar.

So wie Jim Conley im Musical „Parade“ für Aufruhr sorgt, tun es Patrick Stiebe und Kojo Owusu auch im echten Leben im FME. Die beiden sind dem Ensemble extra für die Produktion von „Parade“ beigetreten. „Da wir einen authentischen Querschnitt der Südstaatenbevölkerung auf die Bühne bringen wollten, benötigten wir unbedingt auch dunkelhäutige Darsteller“, erklärt Pressesprecherin Katharina Kleber.

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Auf der Bühne schlüpft man in eine Welt, die einen Zauber in sich trägt.

Patrick Stiebe

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Als er von einem Kommilitonen vom FME erfuhr, zögerte Stiebe nicht lange. Der gebürtige Schweriner studiert Musik- und Religionswissenschaften und hat gesanglich einiges an Erfahrung zu bieten. Das FME ist für Stiebe der Ausgleich zum Büffeln: „Auf der Bühne schlüpft man in eine Welt, die einen Zauber in sich trägt. Jim Conley darzustellen, ist sehr anspruchsvoll. Er ist so anders als ich.“ Doch gerade deswegen sei die Rolle ein besonderer Reiz.

Die besondere Stärke des FME sind die Massenszenen, in denen das 60-köpfige Bühnenensemble gemeinsam auf der Bühne steht. Foto: Stephan Drewianka

Für Kojo Owusu ist nicht nur der schauspielerische Part etwas ganz Neues. Der gebürtige Ghanaer, der abseits der Bühne an seiner Ausbildung zum Industriekaufmann feilt, steht zum ersten Mal im Rampenlicht. „Ich war früher in einer Schulband“, erzählt er. „So eine große Rolle habe ich noch nie gespielt.“

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Der Druck ist groß. Das derzeit 60-köpfige FME wurde von der Zeitschrift „Musical-Kompass“ zum besten Laien-Ensemble Deutschlands gekürt und will mit „Parade“ an den Vorjahreserfolg des Stückes „Imagine This“ anknüpfen, das rund 4500 Zuschauer sahen.

Eine Herausforderung ist „Parade“ aber nicht nur wegen der abwechslungsreichen Musik von Robert Jason Brown. Das FME will mit der deutschen Erstaufführung des Werkes aus der Feder von Alfred Uhry darauf aufmerksam machen, welche Folgen Sensationsgier haben kann. „Ein Thema, wie es in Zeiten von Fake-News kaum aktueller sein könnte“, gibt Kleber zu bedenken.

Zu Unrecht des Mordes angeklagt

Kern des Stückes ist die wahre Geschichte um den Mord an der 13-jährigen Mary Phagan. Verdächtigt und später zum Tode verurteilt wird der jüdische Fabrikbesitzer Leo Frank – zu Unrecht. Da Strafe in lebenslange Haft umgewandelt wird, lyncht eine Gruppe aufgebrachter Bürger Frank. Der Fall hatte weitreichende Folgen: Der Ku Klux Klan lebte wieder auf und die Anti-Defamation League (ADL) wurde gegründet.

Tickets und Infos

Wer Patrick Stiebe und Kojo Owusu gemeinsam mit dem FME live erleben möchte, ist zu den zwölf Aufführungen ab dem 10. November in der Freien Waldorfschule (Rudolf-Steiner-Weg 11) eingeladen. Tickets sind zum Preis von 28 Euro (ermäßigt: 23 Euro) an verschiedenen Vorverkaufsstellen und online erhältlich.

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