Skulptur-Projekt „Still untitled“ Jeder kann Kunst werden

Münster -

Montagabend versammeln sich im Kellergewölbe des Krameramtshauses die lebenden Skulpturen. Erfahrungsberichte in Englisch, eingefärbt mit fran­zösischem, spanischem, chinesischem, westfälischem Akzent. Mittendrin in diesem „Feedbackgespräch“ sitzt Xavier le Roy, Schöpfer des Skulptur-Projekts „Still untitled“.

Von Karin Völker
Hier stellt die Münsteranerin Christine von Burkersroda „ihre“ Skulptur spontan vor Passanten dar. Die beiden Damen reagieren erstaun.
Hier stellt die Münsteranerin Christine von Burkersroda „ihre“ Skulptur spontan vor Passanten dar. Die beiden Damen reagieren erstaun. Foto: Karin Völker

Wer es sehen will, muss Glück haben. Denn ohne freiwillige Mitmacher findet das Projekt gar nicht statt. Die Idee: Menschen „spielen“ pantomimisch in der Öffentlichkeit für andere Menschen Skulptur, schaffen spontane Begegnungen mit Kunst, überall und wann immer ihnen danach ist.

Manchmal halten besorgte Passanten an

Mechthild Quander war es bisher meistens am Wochenende danach, Fremde zum Austausch über Kunst und Skulptur-Projekte anzuregen. Die Frau aus Albachten legt sich dann flach auf den Boden, formt mit den Armen über dem Oberkörper einen Kreis. So harrt sie eine Minute und länger aus, lässt der Verwunderung, manchmal auch Belustigung ihres Gegenübers Raum. Manchmal halten besorgte Passanten an, fragen, ob Hilfe vonnöten ist. Hilfe? Nein, es geht hier nur um Kunst.

Berührende Begegnungen

Mechthild Quander, im Alltagsleben kaufmännische Angestellte, liebt die Skulptur-Projekte, selbst Teil der Ausstellung zu werden, fand sie sehr verlockend und spannend. Die Körperhaltung und die lange empfundene Zeit, in der sie in diesem Sommer wildfremden den Menschen auf der Straße zu Füßen liegt, sind Anknüpfungspunkte für das anschließende Gespräch mit oft überraschenden Inhalten. Manche Leute erzählen plötzlich sehr persönliche Dinge, „es sind oft berührende Begegnungen“, sagt Quander.

Mehr zum Thema

Hier geht es zur unserer UmfrageWas ist Ihre Lieblings-Skulptur?

Viele positive Reaktionen

Christine von Burkersroda nickt. Auch sie gehört zum lebenden Ensemble des Skulptur-Projekts von Xavier Le Roy und der Chinesin Scarlet Yu . Wenn die Grafikdesignerin auf der Straße Passanten anspricht und sich als Skulptur in Szene setzt, dann erinnert sie an den berühmten „Denker“ von Auguste Rodin. Ihre Erfahrung: „Am Anfang war ich ziemlich aufgeregt. Aber die Leute haben immer sehr positiv reagiert, die meisten bedanken sich am Ende und sind geradezu beglückt, dass ich die Skulptur-Projekte zu ihnen gebracht habe.“

Verkörperungen in Workshops entwickelt

Jeder, der ebenfalls Begegnungen im Namen der Kunst schaffen möchte, kann so Teil der Ausstellung werden. Workshops, die auf die „Auftritte“ vorbereiten und bei der Entwicklung einer persönlichen pantomischen „Skulptur“ helfen, finden regelmäßig mit den Künstlern statt. Etwa 100 Menschen, so schätzt der Franzose Alexandre Achour, der das Projekt mitentwickelt hat, haben an den Workshops teilgenommen, vielleicht zehn bis zwölf „treten“ regelmäßig im Stadtbild auf.

Florencia Vecino und Marcus Torino kommen aus Argentinien und wollen ein paar Tage in Münster die Ausstellung ansehen. Selbst mitzumachen ist noch besser, findet Marcus Torino, der in Buenos Aires als bildender Künstler und Fotograf arbeitet. Seine Freundin ist Tänzerin. „Am liebsten würden wir zu zweit eine Skulptur darstellen“, sagen sie.

Zum Thema

Die Workshops „Embody your sculpture“ finden jeden Dienstag um 11 und Donnerstag um 19 Uhr im Keller des Krameramtshauses, Alter Steinweg 6/7, statt, Anmeldung unter Mail­ team.leroy@skulptur-projekte.info. Weitere Infos:  www.skulptur-projekte.de

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5071901?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F70624%2F4767220%2F