Skulptur-Projekte-App
Promenade hat Lücken - Verwirrung auf der Leezen-Autobahn

Münster -

Nutzer der offiziellen Skulptur-Projekte-App reiben sich verwundert die Augen: Auf Apple-Geräten existiert ausgerechnet Münsters berühmte Leezen-Autobahn – die Promenade – in weiten Teilen gar nicht.

Samstag, 05.08.2017, 08:08 Uhr

In der Sackgasse: Die Promenade endet an diesem Punkt auf Höhe der Raphaelsklinik, kurz vor der Windthorststraße, einfach – zumindest in der Skulptur-Projekte-App für Apple-Geräte. Fortgesetzt wird sie erst am Stadtgraben.
In der Sackgasse: Die Promenade endet an diesem Punkt auf Höhe der Raphaelsklinik, kurz vor der Windthorststraße, einfach – zumindest in der Skulptur-Projekte-App für Apple-Geräte. Fortgesetzt wird sie erst am Stadtgraben. Foto: mfk

Moderne Technik hat manchmal ihre Tücken. Zum Beispiel Navigationsgeräte, die Nutzer in die Irre führen – ob wortwörtlich aufs falsche (Bahn-)Gleis oder in die Elbe, in der sich im vergangenen Jahr vier Männer wiederfanden, die ihrem Navi vertrauten.

Verwundert die Augen reiben könnten sich auch Kunstbegeisterte aus Nah und Fern, die die offizielle Skulptur-Projekte-App auf einem Apple-Gerät nutzen: In dieser existiert ausgerechnet Münsters berühmte Leezen-Autobahn – die Promenade – in weiten Teilen gar nicht.

Skulptur-Projekte: Alle Künstler - alle Werke

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  • Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ei Arakawa:

    Ein Mini-Museum mit sieben Gemälden plus Musik auf grüner Wiese vor Haus Kump – vor allem abends schön.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nairy Baghramian:

    pseudounfertige Skulpturen auf Schraubenschlüsseln finden sich am Erbdrostenhof.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Aram Bartholl:

    Lagerfeuer-Feeling in gedachter Endzeit gibt es an drei Standorten: H1-Tunnel, Pumpenhaus und Fernsehturm.

    Foto: Henning Rogge
  • Cosima von Bonin/Tom Burr

    Die schwere Moore-Plastik am Landesmuseum wird scheinbar vom Tieflader abgeholt. Auf der Kiste steht „Fragile“ für „Zerbrechlich“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Andreas Bunte:

    hängt am H1-Vorplatz, Stadthaus-1-Innenhof und bei der VHS Plakate mit Fotos einer Installation auf. Via QR-Code gibt es Töne und Bilder.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gerard Byrne

    Gerard Byrne setzt im Klaviersaal der Stadtbücherei das Verhältnis von Musik, Sprache und Bild in Szene.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Camp:

    (Shaina Anand und Ashok Sukumaran) spannt an der Theaterruine ein Netzwerk, das Informationen über das Theater und die Umgebung vermittelt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Michael Dean

    Michael Dean verhängt den Lichthof des Landesmuseums mit transparenter Folie und zeigt darin Schriftzeichen-Skulpturen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jeremy Deller:

    hat Kleingärtner zehn Jahre lang Tagebuch schreiben lassen. Respektable 33 Bücher werden ausgestellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nicole Eisenman:

    hat einen Brunnen für die Kreuzschanze schaffen, der aus unbekleideten Frauen besteht.

    Foto: Oliver Werner
  • Ayşe Erkmen:

    lässt Menschen im Hafen über eine Brücke unter Wasser gehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Lara Favaretto:

    stellt am Ludgeriplatz gegenüber ein Denkmal für Kolonialkriegsopfer einen Spardosen-Monolithen für Flüchtlinge auf.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hreinn Friðfinnsson:

    platziert auf einer Wiese im Sternbuschpark sein Edelstahl-Hausskelett.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ludger Gerdes:

    hat 1989 über dem Ordnungsamt Marl das Leuchtschild „Angst“ anbringen lassen; bis zum 1. Oktober hängt es am Aegidiimarkt.

    Foto: Gerhard Kock
  • Pierre Huyghe:

    stellt die ehemalige Eissporthalle auf den Kopf für ein Habitat.

    Foto: Oliver Werner
  • John Knight:

    vermisst das neue Landesmuseum mit einer überdimensionierten Wasserwaage.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Justin Matherly:

    stellt den Nietzsche-Felsen in der Nähe des Hauptbahnhofs auf Gehhilfen und thematisiert dessen Erweckungserlebnis.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Christian Odzuck:

    stellt eine dem Gebäude der Oberfinanzdirektion nachempfundene Architektur aus recyceltem Material der abgerissenen OfD auf die Brache.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Peles Empire:

    (Barbara Wolff, Katharina Stöver) machen den Archetyp des Prinzipalmarkt-Giebels gegenüber dem Aegidiimarkt begehbar.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Alexandra Pirici:

    lässt Tänzer im Friedenssaal Bewegungen zum Thema Frieden und Staaten aufführen.

    Foto: Oliver Werner
  • Mika Rottenberg:

    eröffnet gegenüber dem Gefängnis in einem ehemaligen Asia-Laden einen Asia-Laden mit Videos.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Xavier Le Roy mit Scarlet Yu:

    lassen Münsteraner in der Innenstadt pantomimisch Skulpturen darstellen, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Sany:

    (oder besser: Samuel Nyholm) zeigt seine fallenden Figuren als Brennmalerei auf Holz an mehreren Stellen in der City.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gregor Schneider:

    hat im Landesmuseum die Wohnung von N. Schmidt eingerichtet.

    Foto: Henning Rogge
  • Thomas Schütte:

    zeigt auf dem ehemaligen Zoo-Gelände die Reinform des Tempels in Rostrot.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nora Schultz:

    will mit Installation und Videos die Wucht der Architektur des neuen Landesmuseums brechen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emeka Ogboh macht die Weltmusik des in Münster begrabenen Komponisten Moondog im Hamburger Tunnel hörbar und ließ in Belgien Bier unter dem Einfluss von Musik aus Lagos brauen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Michael Smith:

    lädt über 65-Jährige ein, sich kostengünstig Tattoos von Arbeiten internationaler Künstler stechen zu lassen.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Hito Steyerl:

    stellt „Hell-YeahWeFuckDie“ als Leuchten in die LBS – Wörter, die in Popsongs der Gegenwart häufig sind – und thematisiert zudem, wie Menschen mit Robotern umgehen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Koki Tanaka:

    zeigt in der Johannisstraße 18/20 Videos von Workshops mit Münsteranern, die darüber nachgedacht haben, wie Menschen zusammenleben und Unbekanntes teilen.

    Foto: Henning Rogge
  •  Oscar Tuazon:

    bereichert eine Industriebrache am Stadthafen mit einer Art öffentlichem Betonkamin.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Bárbara Wagner und Benjamin de Burca:

    singen in der Uralt-Disco „Elephant Lounge“ Schmalz-Schlager mit kritischen Texten: „Bye Bye Deutschland! Eine Lebensmelodie.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Cerith Wyn Evans kühlt eine Glocke von St. Stephanus auf Winter-Temperatur. Zu den üblichen Gottesdienstzeiten (samstags um 17 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr) können die Menschen hören, ob dies einen Unterschied macht - und wenn welchen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hervé Youmbi:

    hängt zwischen die Bäume des alten Überwasserfriedhofs über die Bronzefiguren Masken, die Motive aus Afrika mit dem Horrorgesicht aus den „Scream“-Filmen kombiniert – ein Maskenball der besondern Art.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gintersdorfer/Klaßen starten im Pumpenhaus ihre öffentlichen Performance-Proben „Erniedrigung ist nicht das Ende der Welt“. (Symbolfoto)

    Foto: pd

Sie endet dort auf Höhe der Raphaelsklinik in Richtung Südwesten einfach im Nichts. Wer mit dem Finger weiter wischt und die Fortsetzung sucht, wird selbst am Ludgeriplatz noch nicht fündig. Erst am Stadtgraben taucht die Promenade wieder auf.

Apple-Pendant zeigt Defizite gegenüber "Google Maps"

Für dieses Malheur kann aber der Herausgeber, das LWL-Museum für Kunst und Kultur, nichts. Denn für die „SP17“-App greift er auf die Kartenanwendungen von „Google Maps“ (auf Android-Geräten) beziehungsweise „Apple Maps“ (auf iOS-Geräten) zurück.

Während sich bei „Google Maps“ die Promenade – wie in fast jeder Münster-Karte – als grüner Ring um die Innenstadt erstreckt, ist sie im Apple-Pendant kaum zu erkennen, wird sie doch – bar jeglichen Grüns – im munteren Wechsel mal als dünnere graue Linie, mal als dickere weiße angezeigt. Was durchaus geeignet ist, nicht nur Radfahrern die Orientierung zu rauben, sondern auch Autofahrer auf die „Radler-Autobahn“ zu locken. Denn als ebensolche weißen Linien werden die meisten ganz gewöhnlichen Straßen dargestellt.

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Besondere Vorsicht ist hier zwischen Neutor und Am Kreuztor geboten: Denn hier heißt die Promenade nicht wie sonst zumeist einfach „Promenade“ oder auch mal „Neubrückenpromenade“, sondern „Hollenbeckerstraße“. Was schlichtweg falsch ist, verbindet diese doch die Münzstraße mit dem Rosenplatz. Immerhin ist die angebliche „Hollenbeckerstraße“ dort wiederum als grauer Strich dargestellt, was Nutzern zumindest andeutet, dass dies keine richtige (Auto-)Straße ist.

"Darstellung nicht gerade optimal"

Dass die Darstellung in der Apple-Karte nicht gerade optimal ist, sei im LWL-Museum schon aufgefallen, teilt Judith Freyfrei , Sprecherin der Skulptur-Projekte , mit. Nicht aber, dass Teilstücke von der Promenade gar nicht eingezeichnet sind. Sie will sich nun dafür einsetzen, dass auch auf iOS-Geräten die Google-Maps-Karten verwendet werden.

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