„Der Reichsbürger“ wird uraufgeführt
Ein ganz normaler Typ

Münster -

Die Bewegung ist in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, seit einer der Anhänger im Jahr 2017 in Bayern auf einen Polizisten geschossen hat. Bis dahin wussten vermutlich viele gar nicht, was ein „Reichsbürger“ ist. Geschweige denn, dass es allein hierzulande bis zu 12 000 dieser Anhänger geben soll, die „das Grundgesetz ablehnen und so tun, als bestehe das Deutsche Reich fort“ – so die offizielle Definition des nordrhein-westfälischen Innenministeriums. Ein Theaterstück soll nun deutlich machen, wie „Der Reichsbürger“ so tickt.

Freitag, 09.02.2018, 16:02 Uhr

Wilhelm Schlotterer wirbt als „Der Reichsbürger“ im gleichnamigen Stück für die Selbstverwaltung.
Wilhelm Schlotterer wirbt als „Der Reichsbürger“ im gleichnamigen Stück für die Selbstverwaltung. Foto: Oliver Berg

Es handelt dabei sich um ein Auftragsstück für das Theater Münster . Ausgewählt als Autor wurde Konstantin Küspert , einer der avanciertesten Vertreter eines neuen politischen Theaters in Deutschland, wie ihn das Theater rühmt. Die Stücke des Dramatikers kreisen um Fremdenfeindlichkeit, die Wertegemeinschaft Europa und andere drängende politische Themen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Annalena , von Beruf Dramaturgin, näherte sich Küspert mit „Der Reichsbürger“ nun einem weiteren irritierenden gesellschaftlichen Phänomen.

Wilhelm Schlotterer, Mitglied des Schauspielensembles, wird am 14. Februar im U2 erstmals seinen Monolog vortragen. „Wir wollen einerseits die Angehörigen dieser Bewegung aus der Spinner-Ecke holen“, sagt Küspert über sein Stück, das von Julia Prechsl inszeniert wird. Andererseits soll es aber auch verdeutlichen, „an welchem Punkt die Verführbarkeit in uns Betrachtern angeregt wird“.

Die Küsperts nutzten als Grundlage ein Video, wie es vergleichbare zuhauf bei Youtube gibt. Ein Reichsbürger hält im Stück einen Vortrag darüber, wie es dem Individuum gelingen kann, souverän zu leben. Denn die Selbstverwaltung, so erläutert Annalena Küspert, ist zentrales Ansinnen der Bewegung. Die folglich gern in Kreisen der Wutbürger, die sich vom Staat und öffentlichen Institutionen betrogen oder nicht repräsentiert fühlen, nach Anhängern fischt.

„Man merkt dem Stück definitiv an, dass die Bewegung eine sehr heterogene ist“, sagt Annalena Küspert. Es gebe „die auffälligen Spinner, die es in die Tagesschau schaffen, und die Verführer, die ganz normal rüberkommen“ – wie der Protagonist des Stückes. Und so wünschen sich die Küsperts , dass „der Zuschauer Momente erlebt, in denen er den Ansichten des Vortragenden zustimmt, und jene, in denen er diese strikt ablehnt“. Den moralischen Zeigefinger hebt das Stück nicht.

Zum Thema

Für die Premiere am Mittwoch, 14. Februar, um 19.30 Uhr im U2 des Theater Münster gibt es nur noch Restkarten. Weitere Termine: 16.2., 2. und 14. März, jeweils 19.30 Uhr. Karten: '  5909 100

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